lvh.apa begrüßt EU-Vorstoß für mehr „Made in Europe"

Öffentliche Aufträge sollen europäischer werden

Dienstag, 08. September 2026 | 15:04 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) begrüßt die Pläne der Europäischen Union, bei öffentlichen Ausschreibungen künftig stärker auf europäische Wertschöpfung zu setzen. Laut einem Verordnungsentwurf der EU-Kommission sollen öffentliche Auftraggeber Angebote aus Europa künftig bevorzugen können, wenn mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung innerhalb der Europäischen Union entstehen.

„Diese Entwicklung ist ein wichtiges Signal für die heimische Wirtschaft und insbesondere für das Handwerk”, betont lvh-Direktor Walter Pöhl. „Unsere Betriebe stehen für Qualität, kurze Lieferketten, hohe Sozial- und Umweltstandards sowie verlässliche Dienstleistungen. Diese Faktoren müssen bei öffentlichen Vergaben stärker gewichtet werden als bislang.”

Der aktuelle Entwurf sieht eine deutliche Abkehr vom reinen Billigstpreisprinzip vor. Stattdessen sollen Qualitätskriterien, Innovation, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte stärker in die Bewertung von Angeboten einfließen. Aus Sicht des lvh.apa entspricht dies einer langjährigen Forderung des Handwerks.

Dass die Diskussion europaweit an Bedeutung gewinnt, zeigt sich auch bei der derzeitigen Versammlung des nationalen Handwerksverbandes Confartigianato in Rom, an der lvh-Direktor Walter Pöhl teilnimmt. Die künftige Ausrichtung des öffentlichen Vergabewesens und die stärkere Berücksichtigung europäischer Unternehmen zählen dort zu den zentralen wirtschaftspolitischen Themen.

Qualität statt Billigstpreis

„Öffentliche Aufträge dürfen nicht ausschließlich nach dem niedrigsten Preis vergeben werden”, unterstreicht Pöhl direkt aus Rom. „Wer auf Qualität, Nachhaltigkeit und regionale beziehungsweise europäische Wertschöpfung setzt, schafft langfristig einen Mehrwert für die Gesellschaft und stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen.”

Besonders positiv bewertet der lvh.apa die geplante Möglichkeit, europäische Produkte und Dienstleistungen bei Vergaben gezielt zu fördern. In einer zunehmend angespannten geopolitischen Lage sei es entscheidend, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren und die wirtschaftliche Resilienz Europas zu stärken.

„Wenn öffentliche Investitionen verstärkt in europäische Unternehmen fließen, profitieren davon Beschäftigung, Innovation und die Versorgungssicherheit innerhalb der EU. Davon können auch viele Südtiroler Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe profitieren”, erklärt Pöhl.

Der lvh.apa wird die weiteren Beratungen auf europäischer Ebene aufmerksam verfolgen und hofft auf eine rasche Umsetzung der angekündigten Maßnahmen. Europa sende mit diesem Vorstoß ein klares Signal für faire Wettbewerbsbedingungen und eine stärkere Berücksichtigung nachhaltiger Wertschöpfung.

Bezirk: Bozen

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