Von: mk
Bozen – 73 Prozent der Südtiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erreichen ihren Arbeitsplatz innerhalb von 30 Minuten, 63 Prozent empfinden den Arbeitsweg als kaum oder gar nicht belastend. Doch bei einem Jobwechsel zeigt sich eine klare Grenze: Nur eine Person von fünf wäre bereit, eine Wegstrecke von 45 Minuten in Kauf zu nehmen.
Wie lange dauert in Südtirol der tägliche Weg zur Arbeit? Wie stark wird das Pendeln als Belastung empfunden? Und wo liegt die persönliche Schmerzgrenze bei einem möglichen Jobwechsel? Antworten darauf liefert die Winterausgabe 2025/2026 des AFI-Barometers.
Die zurückgelegten Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Für Erwerbstätige bedeuten sie einen höheren oder geringeren Zeitaufwand – und damit direkte Auswirkungen auf Freizeit und Lebensqualität. Für die Politik sind sie ein zentraler Faktor bei der Planung der Mobilitätsinfrastruktur sowie bei der Ausgestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs. Arbeitgeber wiederum sollten sie zum Anlass nehmen, agile Arbeitsmodelle zumindest punktuell einzusetzen.
Kurze Distanzen dominieren
Die Ergebnisse zeigen: Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren überwiegend von kurzen Arbeitswegen. 42 Prozent benötigen für den Weg von zu Hause zum Arbeitsplatz weniger als 15 Minuten, insgesamt 73 Prozent sind binnen einer halben Stunde am Ziel. Lediglich 21 Prozent wenden zwischen 30 und 44 Minuten auf, nur sechs Prozent benötigen 45 Minuten oder mehr – jeweils für eine einfache Strecke. Besonders kurze Arbeitswege haben Beschäftigte in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe, Teilzeitkräfte sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50.
Pendeln meist kein Stressfaktor
Lange Arbeitswege gelten oft als Einschränkung der Lebens- und Arbeitsqualität. In Südtirol trifft das bislang nur eingeschränkt zu: 63 Prozent der Befragten empfinden ihren täglichen Arbeitsweg als „überhaupt nicht“ (50 Prozent) bzw. nur „gering“ (13 Prozent) belastend. Lediglich 18 Prozent sprechen von einer „starken“ oder „sehr starken“ Belastung. Wie zu erwarten, steigt das Belastungsempfinden mit zunehmender Wegzeit. Tendenziell weniger belastet fühlen sich öffentlich Bedienstete, Teilzeit- und befristet Beschäftigte sowie Frauen.
Schmerzgrenze 45 Minuten
Deutlich wird jedoch: Die Bereitschaft zu längeren Arbeitswegen ist begrenzt. Würden Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Arbeitsstelle wechseln, wären 57 Prozent bereit, 30 Minuten Fahrzeit in Kauf zu nehmen. Erhöht man die Anfahrtszeit auf 45 Minuten, sinkt die Akzeptanz auf 19 Prozent. Legt man die Latte auf 60 Minuten, spielen nur mehr 15% der Beschäftigten mit. Mehr als 60 Minuten für eine Wegstrecke würden noch neun Prozent der Befragten in Kauf nehmen.
AFI-Präsident Stefano Mellarini erklärt: „Dass in Südtirol die Mehrheit der lohnabhängig Beschäftigten ihren Arbeitsplatz in relativ kurzer Zeit erreichen kann, ist ein großer Vorteil. Dieser Umstand ist jedoch keineswegs selbstverständlich, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen – und er muss gezielt erhalten und weiter abgesichert werden. Dazu braucht es eine konsequente Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, gezielte und nachhaltige Investitionen sowie eine stärkere Nutzung von agilen Arbeitsmodellen, wo immer dies möglich ist. Kürzere Pendelzeiten erhöhen die Lebensqualität, schützen die Gesundheit der Beschäftigten und leisten einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Diese Verantwortung tragen Institutionen, Arbeitgeber und Sozialpartner gemeinsam.”




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen