Kritik der Südtiroler Bevölkerung wird ernst genommen

PTH Brixen Tagung: Welche Zukunft für den Tourismus?

Donnerstag, 03. September 2026 | 16:50 Uhr

Von: Sophia Molitor

Brixen – Am vergangenen Montag und Dienstag fand an der PTH Brixen eine hochkarätig besetzte Tagung zu sozialen und ökologischen Aspekten des Tourismus statt. Im Rahmen der Brixner Philosophietage, die in Zusammenarbeit mit dem Institut “De Pace Fidei” organisiert wurden, erörterten namhafte Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland die aktuellen Entwicklungen des globalen und lokalen Tourismus.

Die heurigen Brixner Philosophietage haben mit dem Thema “Tourismus im Spannungsfeld zwischen Genuss und Belastung der Natur” haben einen Nerv getroffen, wie die rege Teilnahme gezeigt hat. Themen der Vorträge und Diskussionen waren die sich wandelnden Erwartungen an den Tourismus sowohl seitens der Touristen als auch seitens der Gastgebenden sowie die Auswirkungen des Tourismus auf unterschiedlichen Ebenen: vom CO₂-Ausstoß bis zu den Lebensbedingungen in den Reisezielländern und zur Natur als Lebensraum für die Wildtiere.

In Bezug auf Südtirol wurde wiederholt betont, dass die Schönheit der Natur und die Vielfalt des kulturellen Reichtums die Grundlagen für den Tourismus sind, die derzeitigen Entwicklungen jedoch Gefahr laufen, diese Grundlagen zu zerstören. Wenn Südtirol mit einem bestimmten Image beworben wird, das die Touristen vor Ort nicht mehr vorfinden, wird sich dies negativ auf den Ruf des Landes auswirken – ungeachtet der steigenden Nächtigungszahlen. Erörtert wurde auch die Problematik des Einflusses von Influencern und Social Media, bei der bestimmte Hotspots als Hintergrund für Selbstinszenierungen verwendet werden.

Erwartungen der Touristen gegen Bedürfnisse der Einheimischen

Mit Blick darauf, dass Südtirol mittlerweile zu den “Touristenhotspots” in Europa gehört, wurde auch die wachsende Kritik am Tourismus seitens der heimischen Bevölkerung thematisiert. Dabei wurde davor gewarnt, die zunehmend ablehnende Haltung gegenüber den aktuellen Entwicklungen im Tourismus nicht ernst zu nehmen. Der bekannte Tiroler Fotograf Alois Hechenblaickner gab mit Bildern seiner Werkserien einen beeindruckenden und teils erschütternden Einblick in Exzesse des Tourismus, die zugleich deutlich machen, wie sehr Tourismus Spiegelbild von Sehnsüchten und Erwartungen ist.

Bei der Tagung wurden auch Wege für die künftige Entwicklung eines sozial und ökologisch verantwortbaren Tourismus aufgezeigt. In diesem Tourismus werden die Erwartungen der Touristen mit den Bedürfnissen der einheimischen Bevölkerung sowie dem Schutz der Natur, der Lebensräume von Fauna und Flora und des kulturellen Erbes zusammen berücksichtigt. Entgegen der Mentalität “A bissl geht immer noch” müssen Grenzen gesetzt und respektiert werden. Dies erfordert die Entwicklung eines entsprechenden Ethos auf individueller Ebene, aber auch klare politische Entscheidungen und verbindliche Richtlinien.

Eine von Eberhard Daum moderierte Podiumsdebatte beschloss die Tagung. Gäste am Podium waren: Arnold Schuler (Landtagsvizepräsident und ehemaliger Landesrat für Tourismus), Harald Pechlaner (Tourismusforscher), Elisabeth Ladinser (Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz), Hans Heiss (Historiker), Karin Dalla Torre (Landeskonservatorin) und Luca Complojer (Betreiber des mit dem Nachhaltigkeitslabel Südtirol zertifizierten Campingplatzes in St. Vigil in Enneberg).

Die Veranstaltung an der PTH Brixen bildete den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen des Schöpfungsmonats, den die Kirche vom 1. September bis zum 4. Oktober begeht. Dieser Monat steht ganz im Zeichen der Verantwortung für die Schöpfung und der Verbundenheit von Mensch und Natur. In den kommenden Wochen werden sich auch weitere Organisationen mit der Frage des Tourismus auseinandersetzen – der KVW, der Heimatpflegeverband und die Toblacher Gespräche –, was die Aktualität des Themas unterstreicht.

Die Vorträge bei den Brixner Philosophietagen wurden aufgezeichnet und werden in den kommenden Monaten auf RAI Südtirol und auf dem Diözesansender Radio Grüne Welle ausgestrahlt. Die Referentinnen und Referenten waren: Harald Pechlaner (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt und EURAC Research Bozen), Julia E. Beelitz (Hochschule Worms), Helga Weisz (Humboldt-Universität Berlin), Matthias Fuchs (Freie Universität Bozen und Direktor des Kompetenzzentrums für nachhaltigen Tourismus), Thomas Benedikter (Mitarbeiter des Heimatpflegeverbands Südtirol), Jochen Schumacher (Geschäftsführer des Instituts für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen), Rudi Suchant (Wildtierökologe und Forstwissenschaftler) und Thomas Potthast (Universität Tübingen).

Bezirk: Eisacktal

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