Von: Matthias Knapp
Bozen – Nach drei Jahren wächst die europäische Industrie wieder: Im Jahr 2025 ist der Wert der Industrieproduktion in der EU im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent gestiegen. Die Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) zeigen damit erstmals seit 2022 wieder ein Plus, nachdem die Produktion in den Jahren 2023 und 2024 zurückgegangen war.
„Das Signal aus Europa ist ermutigend. Es zeigt, dass die Industrie auch angesichts großer geopolitischer Unsicherheiten und tiefgreifender technologischer Veränderungen anpassungsfähig bleibt. Wir denken dabei an die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten, die US-Zölle, den rasanten Vormarsch der künstlichen Intelligenz, die stark gestiegenen Energiekosten oder die schwierige Beschaffung strategischer Rohstoffe. Gleichzeitig rückt die Industrie in Europa wieder stärker in den Mittelpunkt. Das zeigen Maßnahmen wie der Industrial Accelerator Act, mit dem der Anteil der Industrie am europäischen BIP bis 2035 von 14,3 auf 20 Prozent steigen soll, oder die Freihandelsabkommen, etwa mit Mercosur und Indien, welche den Unternehmen den Zugang zu neuen Märkten erleichtern“, betont der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper. Gleichzeitig erinnert er auch daran, dass Europa die Hürden innerhalb des Binnenmarktes weiter abbauen müsse: „Rund 70 Prozent des Südtiroler Exports geht in EU-Länder. Ein stärkerer europäischer Binnenmarkt würde den Außenhandel für unsere Unternehmen erleichtern.“
Europa habe erkannt, dass die Wiederbelebung der Industrie entscheidend sei. Sie sichere strategisch wichtige Produktionen, treibe technologische Entwicklungen voran, schaffe hochwertige und gut bezahlte Arbeitsplätze und trage wesentlich zu den Steuereinnahmen bei, die für den Wohlstand und die Finanzierung der Sozialleistungen notwendig seien. Für den Unternehmerverband Südtirol sollte auch auf nationaler und lokaler Ebene eine Industriepolitik verfolgt werden, die den produzierenden Sektor stärkt.
„Wir brauchen Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen stärken und ihnen mehr Spielraum für Innovation, Export und Produktivitätssteigerungen geben. Die einfachste und effizienteste Unterstützung sind Steuerentlastungen. Deshalb begrüßen wir den Vorschlag des Landes Südtirol, den regionalen IRPEF-Zuschlag weiter zu senken; ebenso wichtig ist eine strukturelle Reform der IRAP mit einer deutlichen Senkung des Steuersatzes. Gleichzeitig verfolgen wir mit Interesse die auf nationaler Ebene diskutierten Maßnahmen zur Entlastung der Arbeitskosten sowie Anreize für Investitionen in Innovation und Energieeffizienz. Vor allem aber brauchen wir eine echte Vereinfachung – in Europa ebenso wie in Italien, auf Landesebene und in den Gemeinden. Wenn wir wollen, dass Unternehmen ihr volles Potenzial entfalten, müssen wir ihnen durch schlanke Verfahren und schnelle Entscheidungsprozesse auch die Möglichkeit dazu geben“, so Rieper abschließend.




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