Aluminium-Areal und NOI Techpark

UIL-SGK lehnt Wahl zwischen Industrie und Innovation ab

Dienstag, 28. Juli 2026 | 17:47 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Aussagen des Landeshauptmannstellvertreters und Landesrats für wirtschaftliche Entwicklung, Marco Galateo, sowie des Direktors des NOI Techparks, Ulrich Stofner, bestätigen die Absicht, den Innovationsstandort auf dem derzeit von Aluminium Bozen genutzten Areal zu erweitern und gemeinsam mit dem Unternehmen nach einer tragfähigen Lösung zu suchen. Die UIL-SGK Südtirol betrachtet den Dialog als den einzig gangbaren Weg, stellt jedoch eine klare Bedingung: Die Erweiterung des NOI Techparks dürfe weder das industrielle System schwächen noch die Zukunft der Beschäftigten gefährden.

Forschung, Innovation und industrielle Produktion stünden nicht in Konkurrenz zueinander. Sie seien Bestandteile desselben wirtschaftlichen Ökosystems und müssen gemeinsam wachsen, betont die Gewerkschaft.

Der Generalsekretär der UIL-SGK Südtirol, Mauro Baldessari, erklärt: „Wir begrüßen die Gesprächsbereitschaft von Landeshauptmannstellvertreter Galateo und Direktor Stofner. Nun muss dieser Dialog jedoch zu konkreten und überprüfbaren Verpflichtungen führen. Es geht nicht nur um die künftige Nutzung eines Grundstücks. Es geht um Hunderte Beschäftigte, einen bedeutenden Produktionsstandort und einen strategisch wichtigen Teil der Südtiroler Wirtschaft. Die UIL-SGK wird nicht akzeptieren, dass Beschäftigung bei der Raumplanung zu einer nachgeordneten Variable wird.“

Baldessari bekräftigt: „Innovation ist unverzichtbar, darf aber nicht durch den Verzicht auf Industrie erkauft werden. Wir werden nur eine Lösung unterstützen, die den NOI Techpark, das verarbeitende Gewerbe und die Qualität der Arbeit gleichzeitig stärkt.“

Marco Pugliese, Leiter der Wirtschaftsbeobachtungsstelle der UIL-SGK, verweist auf den gemeinsam mit Eduart Dedja erarbeiteten Bericht über die strategische Bedeutung der Südtiroler Industrie: „Die wettbewerbsfähigsten Regionen Europas spielen Forschung und Fabriken nicht gegeneinander aus, sondern verbinden sie miteinander. Ein Innovationszentrum ohne starkes Produktionsumfeld läuft Gefahr, zu einer vom Markt abgekoppelten Forschungseinrichtung zu werden. Gleichzeitig verliert eine Industrie, die nicht in Technologie investiert, an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Südtirol darf nicht zwischen diesen beiden Säulen wählen, sondern muss sie miteinander verbinden.“

Pugliese betont, dass die Zukunft des Areals nicht als bloßes Immobilienprojekt behandelt werden dürfe: „Aluminium Bozen ist ein strategischer Industriestandort. Jede Entscheidung muss anhand ihrer Auswirkungen auf Beschäftigung, Wertschöpfung, Exporte, Produktionsketten und Investitionsfähigkeit bewertet werden. Eine mögliche Verlagerung muss im Vorfeld einen geeigneten Standort, die notwendigen Infrastrukturen, wirtschaftliche Tragfähigkeit, klare Zeitpläne, Produktionskontinuität und ausreichende Investitionsmittel garantieren. Zuerst müssen diese Bedingungen festgelegt und finanziert werden. Erst danach kann über eine Verlagerung gesprochen werden.“

Eduart Dedja, Generalsekretär der UILM, unterstreichen gemeinsam die zentrale Bedeutung der Arbeit und die Notwendigkeit einer umfassenden Industriestrategie: „Kein Projekt darf über die Köpfe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hinweg beschlossen werden. Es braucht verbindliche Beschäftigungsgarantien, die Sicherung der Produktion und die vollständige Einbindung der Gewerkschaften von Beginn an. Europas führende Innovationsregionen sind erfolgreich, weil Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen innerhalb desselben Ökosystems zusammenarbeiten. Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch die Verbindung dieser Bereiche und nicht dadurch, dass industrielle Produktion durch andere Funktionen ersetzt wird. Das Ziel muss Integration und Stärkung sein – nicht Verdrängung und Schwächung. Innovation darf nicht von den Beschäftigten bezahlt werden.“

Die UIL-SGK Südtirol fordert deshalb die umgehende Einrichtung eines ständigen Verhandlungstisches mit Land, Gemeinde, Eigentümerseite, Gewerkschaften und Forschungseinrichtungen.

Die Gespräche müssten zu einem transparenten Projekt mit klaren Zeitplänen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten führen. Dieses müsse laut Gewerkschaft Folgendes gewährleisten:

  • die Sicherung aller Arbeitsplätze;
  • die Kontinuität der Produktion;
  • eine wirtschaftlich tragfähige und vollständig funktionsfähige Verlagerung;
  • die notwendigen Investitionen in die industrielle Entwicklung;
  • eine ausgewogene Erweiterung des NOI Techparks;
  • die dauerhafte Einbindung der Sozialpartner.

Die Haltung der UIL-SGK ist eindeutig: „Südtirol darf nicht zwischen Fabriken und Innovation wählen müssen. Es braucht beides. Denn ohne Industrie droht auch die Innovation den Bezug zur realen Wirtschaft zu verlieren.“

Bezirk: Bozen

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