Verbraucherzentrale Südtirol unterstützt europaweite Initiative

Volle Regale, leere Teller? EU verschwendet 132 Milliarden Euro

Mittwoch, 05. August 2026 | 08:54 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) unterstützt die Initiative der europäischen Bürgerinitiative „Essen ist ein Menschenrecht für alle”. Diese zielt darauf ab, das Recht auf Nahrung für alle Menschen in der EU zu gewährleisten, und fordert ein gerechtes und umweltfreundliches Ernährungssystem.

Internationale Verträge beinhalten „das Recht [eines jeden Menschen] auf einen angemessenen Lebensstandard für sich und seine Familie, einschließlich ausreichender Ernährung” sowie „das grundlegende Recht, vor Hunger und Mangelernährung geschützt zu sein”1. Mangels konkreter Gesetze und wirksamer Maßnahmen ist dieses Menschenrecht jedoch auch innerhalb der EU bislang nicht garantiert.

Denn obwohl die Europäische Union bei Lebensmitteln, Getränken, landwirtschaftlichen und Fischereierzeugnissen einen Handelsüberschuss von 36 Milliarden Euro erzielt, sprich wertmäßig mehr in Länder außerhalb der EU exportiert als von dort importiert (Eurostat, Bezugsjahr: 2024), sind im EU-Durchschnitt 8,5 Prozent der Bürger:innen, fast 42 Millionen Menschen, von materieller Ernährungsarmut betroffen. In Rumänien sind es sogar 18,1 Prozent, in Bulgarien 15,8 Prozent der Bevölkerung (Eurostat, Bezugsjahr: 2025). Sie können sich nicht alle zwei Tage eine vollständige Mahlzeit – mit Fleisch oder Fisch oder einem vegetarischen Äquivalent – leisten.

Tatsächlich sind die täglichen Kosten für eine gesunde Ernährung zwischen 2019 und 2024 massiv angestiegen: in Italien um 38 Prozent, in Deutschland um 39 Prozent, in Spanien um 47 Prozent und in der Slowakei sogar um 58 Prozent (Our World in Data; Daten: FAO 2025, Weltbank 2025, Herforth et al. 2022). Zugleich werden in der EU jährlich rund 58 Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Wert von 132 Milliarden Euro verschwendet (Eurostat, Bezugsjahr: 2023), und im EU-Durchschnitt sind 51,7 Prozent der Menschen über 16 Jahren übergewichtig oder adipös (Eurostat, Bezugsjahr: 2025). Große Agrarkonzerne konzentrieren immer mehr Macht, die industrielle Landwirtschaft schädigt die Umwelt, mindert die biologische Vielfalt und verursacht Tierleid. Unter dem Diktat der Wettbewerbsfähigkeit erzielen viele Bauern und Bäuerinnen kein angemessenes Einkommen mehr und geben ihre Betriebe auf.

Faire Preise, lokale Lieferketten, biologische Vielfalt

Daher fordert eine breite Koalition aus 360 Organisationen, darunter Slow Food, Legambiente und die italienische Caritas, mittels einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) nun das Recht auf gutes Essen für alle. Nur ein gerechtes und nachhaltiges Ernährungssystem könne das Menschenrecht auf Nahrung für gegenwärtige und zukünftige Generationen in Europa garantieren. Dafür bedürfe es verbindlicher Gesetze, politischer Strategien und konkreter Maßnahmen. Zentrale Ziele sind faire Preise für Produzent:innen, die Stärkung lokaler Lieferketten, Agrarökologie, mehr biologische Vielfalt, gesunde und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung, die Verringerung der Lebensmittelverschwendung sowie mehr Transparenz. „Lebensmittel, die für Menschen gesund sind, respektieren und erhalten auch die Umwelt”, ist Francesco Sottille, Vorstandsmitglied von Slow Food International, überzeugt. „Gesundes Essen muss ein garantiertes Recht sein, kein Privileg.”

Bis zum 7. Januar 2027 will die Koalition eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Ländern sammeln. Wenn das gelingt, ist die EU-Kommission dazu verpflichtet, die Vorschläge der Initiative formell zu prüfen und öffentlich Stellung zu nehmen.

Bürger:innen können die EBI ausschließlich online unterzeichnen. Dafür ist es erforderlich, die Daten der Identitätskarte oder des Reisepasses anzugeben oder sich mittels SPID oder Elektronischer Identitätskarte zu registrieren.

Hier gehts zur Unterschrift der Initiative.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen