Von: importer
Mit “Orbitals” legt der Tokioter Entwickler Shapefarm ein Koop-Weltraumabenteuer im Retro-Anime-Stil vor. Die junge, dickköpfige Mechanikerin Maki und der eigenbrötlerische Kartograph Omura, die wie Zwillinge aufgewachsen sind, leben in einer Siedlung auf einer Raumstation, die seit einem verheerenden kosmischen Sturm vor 15 Jahren ohne richtige Energiequelle auskommen muss.
Nun ist der nächste große Sturm angekündigt, doch bevor dieser die marode Station vielleicht endgültig zerlegt, brechen die beiden ins All auf, um Hilfe zu holen. Zur Seite steht ihnen die Mechanikerin Kinakoko, ein herzliches Rauhbein.
Auf der Suche nach Energiequellen in diversen Galaxien
Auf ihrer Suche erkunden Maki und Omura drei Gebiete und stoßen dabei auf diverse zerstörte Raumstationen und Siedlungen in verschiedenen Galaxien. Mal ist alles komplett vereist, mal brodelt ringsum die Lava, aber immer müssen die Spielenden Knobelaufgaben lösen, um dort wieder heil herauszukommen. Ihr Ziel: die brachliegenden Energiequellen der Stationen finden. Denn sie könnten der sichere Hafen sein, um dem aufziehenden Sturm zu entkommen.
Die Level – circa drei davon gibt es in jedem der insgesamt nur zwölf Kapitel des Games – haben ihre starken Momente, doch dazwischen liegen lange, öde Ruhephasen, die ein Qualitätsgefälle offenbaren. “Orbitals” hält sein Niveau nicht, sondern streut gute Einfälle zwischen zähe Passagen. Besonders nervt das ewige Hin und Her zwischen Raumstationen, Raumschiffen und Andockmanövern: Das bringt weder dem Gameplay noch der Geschichte etwas und streckt einfach nur die Spielzeit.
Es passieren Dinge, die nie erklärt oder aufgelöst werden
Zudem passieren Dinge oder werden von den Charakteren angesprochen, die nie erklärt oder aufgelöst werden – etwa eine zugegeben wunderschöne Zwischensequenz, in der eine leuchtende Gestalt am Schiff der beiden vorbeizieht. Wieso, weshalb, warum? – Niemand weiß es. Immerhin: Ein paar unterhaltsame Nebenspiele gibt es durchaus in den Stationen und Schiffen: Seilspringen gegeneinander etwa oder Eins-gegen-eins-Arcade-Kämpfe.
Viele Kreaturen und Figuren – die sich aber nicht verändern
Raumschiff und Siedlung sind zwar mit allerlei Kreaturen und Figuren bevölkert, die auch Interaktionen mit sich bringen. Doch wie so vieles im Game bleiben auch sie hinter den Erwartungen zurück. Selbst im späteren Spielverlauf ändern sie ihr Verhalten kaum, ihre Reaktionen wiederholen sich, und der immer gleiche abgestandene Enthusiasmus passt irgendwann nicht mehr zum Ton der Geschichte.
Pluspunkte von Musik über Sequenzen bis hin zum Koop
Allein die Musik im Game ist ohne Wenn und Aber gelungen. Die Songs von Sängerin Mami Ayukawa zeigen viel Gespür für poppige 80er-Jahre-Animes und transportieren durchweg mehr Emotionen als die Story selbst. Auch die acht Sprachfassungen des Spiels sind tadellos, die Zwischensequenzen, die in Kooperation mit dem Anime-Studio Massket entstanden sind, könnten glatt als echte Serienausschnitte durchgehen. Charaktere wie Kinakoko machen Laune und der Kampf gegen den Endboss ist richtig stark.
Ein weiterer klarer Pluspunkt ist die Koop-Technik, auf die das Spiel ja komplett aufbaut: Wer das Spiel gekauft hat, kann jemanden per GameShare kostenlos zum Mitspielen einladen. Dabei steht die Verbindung stabil, und jemanden ins Spiel zu holen, macht immer Spaß. Aber natürlich kann der zweite Spieler auch lokal vor Ort sein. Dann braucht es nur einen zweiten Controller oder ein Paar Joy-Con 2.
Die Animation mit 24 und 12 Bildern pro Sekunde ist großartig. Als Film betrachtet ist das bemerkenswert, und kaum ein anderes Spiel zieht den Retro-Look so konsequent durch. Beim Spielen aber werden Look und Animationen zum Problem. Vorder- und Hintergrund verschwimmen ineinander, und weil beide Figuren fast identisch gekleidet sind, verliert man in hektischen Rätseln schnell den Überblick, wer gerade wo steht. Das ist keine reine Stilfrage mehr, sondern ein Designfehler, der einige Passagen unnötig schwer macht.
Auch sonst hat das Game gröbere Kanten, als man es von einem fertigen Spiel erwarten dürfte. Der Ton der Zwischensequenzen läuft unzuverlässig, Dialoge geraten gegenüber der Animation aus dem Takt, die Pegel springen zwischen den Einstellungen hörbar. Und das ausgerechnet in einem Spiel, dessen ganzer Reiz darauf beruht, dass sich die Szenen wie echtes Anime anfühlen sollen.
Fazit: Viel Potenzial – aber irgendwie noch nicht fertig entwickelt
Die Optik, der Sound und zwei Menschen, die ihr angezähltes Zuhause im Weltraum retten wollen: Daraus hätte ein großartiges Spiel werden können. Doch nach gerade einmal acht bis neun Stunden läuft bereits der Abspann. Übrig bleibt eine Geschichte, die viele Fragen aufwirft und wenige beantwortet, Rätsel, die nicht immer reizvoll sind, Bosse, die teils langweilen, und eine Farbgebung, die das Game manchmal an die Grenze der Spielbarkeit bringt.
Für ein Weltraumspiel bleiben zudem die Fortbewegungsmöglichkeiten mit dem Raumschiff stark begrenzt. Alles zusammen zeigt: “Orbitals” hätte noch etwas Entwicklungszeit gebraucht. Und ein guter Soundtrack allein rettet kein Game, das spielerisch wie erzählerisch eher enttäuscht. “Orbitals” erscheint am 3. September 2026 für Nintendos Switch 2 zum Preis von rund 50 Euro. Die Altersfreigabe (USK) liegt bei zwölf Jahren.







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