Die Straßenzeitung zebra. widmet sich prekären Wohnsituationen

Wenn Wohnen zur Existenzfrage wird

Donnerstag, 03. September 2026 | 17:04 Uhr

Von: Sophia Molitor

Brixen – Wohnraum bleibt für viele Menschen eine der größten Hürden – auch für die Verkäuferinnen und Verkäufer der Straßenzeitung zebra. Bei ihrer halbjährlichen Versammlung Ende August wurde deutlich, wie präsent das Thema weiterhin ist. Auch die neue zebra.-Ausgabe „Neue Wege“ beleuchtet, was passiert, wenn auf prekäre Wohnverhältnisse schließlich nur noch die Obdachlosigkeit folgt.

Regelmäßig treffen sich die Verkäufer*innen der Straßenzeitung zebra. am Sitz der OEW in Brixen. Bei der halbjährlichen Versammlung geht es um Neuigkeiten aus dem Projekt, um Erfahrungen aus dem Verkaufsalltag und vor allem um den Austausch untereinander. Gleichzeitig erhalten die Verkaufenden die Möglichkeit, der Redaktion Rückmeldungen zu geben und Themen einzubringen, die sie beschäftigen. Eines davon steht immer im Mittelpunkt: die Suche nach leistbarem Wohnraum. Auch die neue Ausgabe der Straßenzeitung, die am 1. September erschienen ist, macht dieses Thema zum Schwerpunkt ihrer Titelgeschichte.

Derzeit werden 56 Männer und Frauen von der zebra.Sozialarbeit begleitet. Neben der Arbeitssuche ist Wohnen eines der drängendsten Themen. Die Sozialarbeiterinnen Marlene Augschöll und Giulia Hillebrand unterstützen bei der Wohnungssuche, stellen Anträge, kontaktieren Vermieter*innen, sprechen mit Gemeinden und helfen bei bürokratischen Angelegenheiten. Doch die Möglichkeiten der Unterstützung stoßen dort an Grenzen, wo schlicht kein Wohnraum zur Verfügung steht. „Wir können vieles versuchen und die Menschen bei den nächsten Schritten begleiten. Aber wenn keine Wohnungen angeboten werden, gibt es irgendwann keine Lösung mehr, die wir herbeiführen können“, sagen sie.

Wenn der Wohnsitz keine Selbstverständlichkeit ist

Wie unterschiedlich und prekär die Wohnsituationen sein können, zeigt die Titelgeschichte der neuen Ausgabe zum Thema „Alternativen“. Vier wahre Geschichten aus dem Sozialprojekt erzählen von einem Zimmer ohne Mietvertrag, einem fehlenden Wohnsitz, einer völlig überbelegten Wohnung einer Familie. Die Geschichten zeigen: Für manche Menschen geht es bei der Wohnungssuche längst nicht mehr um die Frage, wo sie gerne leben würden, sondern darum, überhaupt einen Ort zum Leben zu haben. Im Zentrum der Titelgeschichte stehen auch andere, formelle Aspekte, die mit einer prekären Wohnsituation oft einhergehen. Es geht aber auch um mögliche Lösungsansätze.

Für Lisa Frei, Redakteurin der Straßenzeitung und Autorin der Titelgeschichte, wurde bei der Recherche besonders deutlich, wie selbstverständlich etwas erscheinen kann, wenn man nie darum kämpfen mussten. „Wer immer schon eine Wohnsitzbescheinigung hatte, kann sich kaum vorstellen, was es bedeutet, keine zu haben.“, sagt sie. Ein fehlender Wohnsitz kann nämlich weitreichende Konsequenzen haben: beim Zugang zu einer Identitätskarte, einem Bankkonto oder regulärer Arbeit.

Die aktuelle Ausgabe richtet den Blick auch auf andere Bereiche unserer Gesellschaft, in denen vermeintlich selbstverständliche Wege nicht für alle offenstehen. Weiters geht es um einen Künstler mit Downsyndrom und die Frage nach Selbstbestimmung, um die Ansichten eines eigenwilligen Hoteliers und um ein Paar aus Bozen, das für den Wunsch nach einer eigenen Familie auf Leihmutterschaft zurückgegriffen hat.

„Alternativen gibt es scheinbar genug. Aber nicht jeder Weg steht jedem offen“, lautet die zentrale Aussage der neuen zebra. Sie schaut auf Menschen, die nach anderen Wegen suchen müssen, und auf eine Gesellschaft, die diese Wege möglich machen oder versperren kann.

Bezirk: Eisacktal

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