15. NAAN-Präsidententreffen in Bozen

Zehn Kammern, eine gemeinsame Zukunft für den Alpen-Adria-Raum

Freitag, 23. Oktober 2026 | 11:01 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Weniger Bürokratie für kleine Betriebe, besser abgestimmte EU-Förderungen in der kommenden Förderperiode sowie Verkehr und Mobilität als entscheidende Wirtschaftsfaktoren im Alpen-Adria-Raum: Beim 15. Präsidententreffen des New Alpe Adria Network (NAAN) in Bozen erarbeiteten die Vertreterinnen und Vertreter aller zehn Mitgliedskammern gemeinsame Anliegen und sprachen sich für eine klare Vision für die künftige Entwicklung der Region aus, an der sich die Prioritäten ausrichten sollen.

Zehn Wirtschaftskammern aus Österreich, Italien, Slowenien und Kroatien vertreten im NAAN rund 850.000 Unternehmen. Beim Treffen in Bozen ging es vor allem darum, gemeinsame Interessen stärker gegenüber der Europäischen Union durchzusetzen. Verkehr und Mobilität bildeten einen Schwerpunkt der Konferenz.

Produktpass muss für kleine Betriebe machbar sein

Bei der geplanten Öko-Design-Verordnung der EU, dem Digitalen Produktpass, braucht es praxistaugliche Regeln für das Handwerk. Einzelanfertigungen, Reparaturen oder Kleinstserien dürfen nicht mit denselben Vorgaben belastet werden wie industrielle Massenproduktion. Der Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten und NAAN-Vorsitzender Jürgen Mandl betonte: „Wir stehen hinter den europäischen Nachhaltigkeitszielen. Aber die Regeln müssen auch für unsere Betriebe machbar sein. Eine Maßschneiderin, die Einzelstücke anfertigt, ist kein internationaler Serienproduzent. Genau darauf muss Europa Rücksicht nehmen. Hier müssen wir als NAAN frühzeitig gemeinsam auftreten und verhindern, dass gerade kleine, nachhaltig arbeitende Betriebe durch unverhältnismäßige Vorgaben belastet werden.“ Die Wirtschaftskammer Kärnten stimmt sich dazu bereits mit Partnerkammern in Österreich, Deutschland, Slowenien und Kroatien ab.

EU-Förderungen für die Regionen absichern

Als zweiter wichtiger Punkt müssen die kommende EU-Förderperiode und konkrete Projekte vorbereitet werden. Die gesamten NAAN-Partnerregionen setzen sich dafür ein, dass grenzüberschreitende Programme weiterhin ausreichend finanziert und besser auf die Bedürfnisse der Regionen abgestimmt werden. „Gerade Grenzregionen zeigen jeden Tag, was europäische Zusammenarbeit bringt. Wer hier bei den Förderungen kürzt, bremst Investitionen und gemeinsame Projekte. Wir brauchen das Gegenteil: verlässliche Rahmenbedingungen, damit unsere Regionen gemeinsam wachsen können“, so Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen.

Verbindungen stärken

Mit der Koralmbahn und der AREA Süd rücken Kärnten und die Steiermark wirtschaftlich enger zusammen. Diesen Gedanken will Kärnten gemeinsam mit der Steiermark über die österreichischen Grenzen hinaus weiterführen – Richtung Italien, Slowenien und Kroatien.

Dazu gehören bessere Verkehrsverbindungen ebenso wie eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Mit der Eröffnung von ALPSiX entstand in Klagenfurt und Villach ein eigener Internetknoten. Auch diese Infrastruktur soll künftig stärker grenzüberschreitend gedacht werden. Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten und NAAN-Vorsitzender, ist überzeugt: „Straße und Schiene verbinden unsere Regionen physisch, genauso wichtig sind heute leistungsfähige Datenverbindungen. ALPSiX bietet die Chance, Kärnten als digitalen Knotenpunkt im Alpen-Adria-Raum zu etablieren.“

Wirtschaft und Wissenschaft enger vernetzen

Das NAAN-Netzwerk möchte künftig noch enger mit Universitäten zusammenarbeiten, um Innovation, Wissenstransfer und die Entwicklung junger Talente grenzüberschreitend voranzubringen. Ein erster konkreter Schritt zur formellen Verankerung dieser Zusammenarbeit ist das am 11. September 2026 in Venedig unterzeichnete Memorandum of Understanding zwischen der Wirtschaftskammer Kärnten, der Universität Klagenfurt, der Ca’ Foscari Universität Venedig und Unioncamere del Veneto. Die auf drei Jahre angelegte Partnerschaft soll durch angewandte Forschung, Innovation Challenges sowie Praktikums- und Mobilitätsangebote Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenbringen und als Beispiel für weitere Kooperationen im NAAN-Raum dienen.

Die Mitglieder des NAAN-Netzwerkes sind: Handelskammer Bozen; Handelskammer Pordenone–Udine; Handelskammer Triest–Gorizia; Unioncamere Veneto; Handwerks- und Kleingewerbekammer Slowenien; Wirtschaftskammer Slowenien; Kroatische Handwerkskammer; Kroatische Wirtschaftskammer; Wirtschaftskammer Kärnten und Wirtschaftskammer Steiermark.

Bezirk: Bozen

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