Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Im Fall des im Eisack tot aufgefundenen Krankenpflegers Shahzeb Altaf gibt es offenbar eine neue Entwicklung. Davon berichtet am Mittwoch die Zeitung Alto Adige. Demnach soll der 32-Jährige wenige Stunden vor seinem Tod in einem Mehrfamilienhaus in der Bozner Schlachthofstraße angegriffen und verprügelt worden sein. Ein Mann afrikanischer Herkunft, der in dem Gebäude wohnt, soll den Streit gegenüber den Ermittlern bestätigt und angegeben haben, den 32-Jährigen aus seiner Wohnung gedrängt zu haben.
Der Vorfall soll sich am Montagabend gegen 23.00 Uhr im Haus an der Schlachthofstraße 83 ereignet haben. Nach Darstellung des Mannes habe er die Eingangstür wegen der sommerlichen Temperaturen offen gelassen und gerade gebetet, als Altaf ungebeten in seine Wohnung gekommen sei. Der 32-Jährige habe sich auf das Sofa gesetzt und ihn gestört. Die Situation sei schließlich eskaliert. Der Mann soll den Krankenpfleger daraufhin über die Treppen nach draußen gezogen haben.
Anwohner wurden durch die Schreie aufmerksam und alarmierten die Rettungskräfte. Kurz darauf trafen Rotes Kreuz, Staatspolizei und Carabinieri ein. Altaf lag mit einer kleinen Kopfverletzung auf dem Asphalt. Zunächst schien sein Zustand nicht lebensbedrohlich. Wegen seiner starken Unruhe wurde er dennoch in das Bozner Krankenhaus gebracht.
Entscheidende Stunden vor dem Tod
Dort wurde der 32-Jährige offenbar bis in die frühen Morgenstunden untersucht. Gegen 5.00 Uhr soll er das Krankenhaus wieder verlassen haben und wieder in die Zone der Schlachthofstraße zurückgekehrt sein. Rund eineinhalb Stunden später, um 6.34 Uhr, bargen die Feuerwehren seine Leiche aus dem Eisack. Die Strömung hatte den Körper bis auf Höhe der Palermobrücke getragen, wo er sich zwischen Steinen verfing.
Genau diese rund 90 Minuten zwischen der Entlassung aus dem Krankenhaus und seinem Tod stehen nun besonders im Fokus der Ermittler. Auch die Frage, unter welchen Umständen Altaf das Krankenhaus verlassen konnte, dürfte dabei eine Rolle spielen.

Noch gestern war nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein Fremdverschulden zunächst ausgeschlossen worden. Nun ist zumindest ein gewaltsamer Vorfall unmittelbar vor dem Tod des 32-Jährigen bekannt. Ob und in welchem Zusammenhang dieser mit seinem Tod steht, ist allerdings weiterhin offen.
Familie zweifelt an Suizid-Theorie
Die Angehörigen des glauben nicht an einen Suizid. Die Schwester hat die Anwältin Amanda Cheneri mit der Vertretung der Familie beauftragt und fordert Aufklärung. Sollte die Staatsanwaltschaft nicht selbst eine Obduktion anordnen, will die Familie diese beantragen.
Das Ermittlungsverfahren liegt bei Staatsanwältin Anna Gasser. Neben der Rekonstruktion des Streits werden auch Aufnahmen von Überwachungskameras im Bereich zwischen Trientner Straße und Verdiplatz ausgewertet. Die Ermittler müssen unter anderem klären, was nach dem Verlassen des Krankenhauses geschah und wie Altaf schließlich in den Eisack gelangte.
Shahzeb Altaf war als Krankenpfleger beim Südtiroler Sanitätsbetrieb tätig. Er hatte seine Ausbildung an der Claudiana nach dem Besuch des Carducci-Gymnasiums abgeschlossen. Sein Tod hat im Gesundheitswesen und darüber hinaus große Anteilnahme ausgelöst.
Gemeinderat Diego Laratta hat etwa auf Facebook an den Krankenpfleger mit folgenden Worten erinnert: “La tragica scomparsa di Shahzeb Altaf lascia un dolore profondo nella nostra comunità. Ricorderemo il suo sorriso, il suo impegno e la sua sensibilità, anche nella difesa dei diritti delle persone LGBTQIA+. In questo momento di immensa tristezza, tutta la nostra comunità si stringe con affetto attorno alla sua famiglia, ai suoi amici e a tutte le persone che gli hanno voluto bene.
Ciao Shahzeb, non sarai dimenticato.”




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