Von: luk
Bozen – Nach mehreren Ausbrüchen und zunehmenden Sicherheitsproblemen hat das Gefängnis in der Dante-Straße in Bozen seine Überwachungsmaßnahmen deutlich verschärft. Entlang der Mauer auf der Talferseite wurden hochmoderne Kameras und Sensoren mit 360-Grad-Erfassung installiert, die selbst kleinste Bewegungen registrieren können – sei es ein Fluchtversuch oder das Einschmuggeln von Drogen von außen in den Hof.
“Das war unsere Schwachstelle”, erklärt Direktor Giovangiuseppe Monti mit Blick auf die Höfe, wo die Häftlinge ins Freie dürfen. Erst im vergangenen August waren hier zwei Insassen über ein Gerüst geklettert und geflüchtet. Heute wird der Bereich zusätzlich von einem Wachposten überwacht, während Sensoren in Echtzeit Alarmmeldungen an die Kontrollbildschirme im Erdgeschoss senden.
Die neuen Technologien sollen nicht nur das Ausbüxen aus dem Knast verhindern, sondern auch als Abschreckung gegen externe Gruppen dienen, die laut Gefängnisleitung Spannungen schüren. Zudem wurden an besonders exponierten Fenstern engmaschige Metallgitter angebracht, um den Austausch von Drogen zwischen den Zellen zu unterbinden.
Überbelegung verschärft Lage
Trotz der sicherheitstechnischen Aufrüstung kämpft die Haftanstalt weiterhin mit strukturellen Problemen. Besonders gravierend ist die Überbelegung: Bei einer offiziellen Kapazität von 88 Plätzen waren zuletzt 114 Häftlinge untergebracht. Davon sind 42 italienische Staatsbürger und 72 Ausländer, darunter vor allem Marokkaner, Albaner und Rumänen.
Auch beim Personal zeigt sich ein deutliches Defizit. Statt der vorgesehenen 80 Bediensteten sind derzeit nur rund 50 im Einsatz. Die Folge: Die Beamten der Staatspolizei im Strafvollzug müssen häufig zusätzliche Aufgaben übernehmen – teils sogar medizinische, da der Gesundheitsdienst abends nicht verfügbar ist, berichtet die Zeitung Alto Adige.
Personalnot durch hohe Lebenshaltungskosten
Ein weiteres Problem ist die schwierige Personalsituation. Viele Beschäftigte, die aus anderen Regionen Italiens stammen, verlassen Bozen wieder, da die hohen Lebenshaltungskosten kaum zu bewältigen sind. Ausschreibungen der Präfektur für zweisprachiges Personal bleiben oft erfolglos. Neueinstellungen erfolgen daher zunehmend über Verträge in Trient, wo kein Zweisprachigkeitsnachweis erforderlich ist, mit anschließender Abordnung nach Bozen.
Die Mitarbeitenden vor Ort sehen sich dadurch gezwungen, weit über ihre regulären Aufgaben hinaus zu arbeiten.
Ausbrüche und Drogenschmuggel
Während zwei der im August getürmten Häftlinge inzwischen wieder gefasst wurden – einer unmittelbar, der andere Wochen später in Frankreich -, bleibt ein weiterer Fall ungeklärt. Ein 24-jähriger Marokkaner, der Anfang März nicht von seiner externen Arbeit zurückkehrte, gilt weiterhin als flüchtig.
Die Ermittlungen deckten zudem interne Drogennetzwerke auf. Einige Insassen sollen Substanzen von außen eingeschleust und mithilfe von Schnüren in die Zellen transportiert haben. Ein untergebrachter Häftling mit Freigang wurde kürzlich positiv auf Kokain getestet.
“Wir mussten sehr strenge Maßnahmen ergreifen, Ausgänge einschränken und die Drahtzieher verlegen”, betont Direktor Monti.
Resozialisierung bleibt zentrale Aufgabe
Trotz aller Probleme setzt das Gefängnis weiterhin auf Resozialisierung. Derzeit genhießen fünf Insassen Vollzugslockerung mit Freigang, drei arbeiten außerhalb der Anstalt.
“Unsere Aufgabe ist es nicht nur zu beobachten, sondern zu verstehen, ob ein Umdenken stattgefunden hat”, erklärt Nicola Gaetani, Leiter des Freizeitbereichs. Grundlage für alternative Maßnahmen sei stets die Einsicht in die eigene Schuld. Entscheidungen über Lockerungen trifft letztlich ein Richter – basierend auf umfangreichen Berichten eines interdisziplinären Teams.
Sanierungen und ungewisse Zukunft
Unter der Leitung von Monti wurden zuletzt mehrere Renovierungsarbeiten abgeschlossen, darunter die Erneuerung des Dachs, der Fassade, der Duschanlagen sowie des Eingangsbereichs. Dennoch bleibt die Zukunft ungewiss: Ein seit 15 Jahren geplantes neues Gefängnis im Süden von Bozen lässt weiter auf sich warten.




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