Die Gedanken sind bei den vielen Opfern der Tragödie in der Schweiz

Brand in Crans-Montana: “Schock” über mangelnde Kontrollen

Mittwoch, 07. Januar 2026 | 13:18 Uhr

Von: APA/sda

Nach dem Feuerinferno im Schweizer Crans-Montana in der Silvesternacht mit 40 Toten hat sich der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer “schockiert” über die Versäumnisse der Gemeinde bei den Brandschutzkontrollen gezeigt. Solche Dinge dürften in einem Land, in dem die Normen präzise und die gesetzliche Grundlage streng sind, nicht passieren, sagte er dem Westschweizer Fernsehen RTS am Dienstagabend.

Zuvor hatte der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, gegenüber Medien eingeräumt, dass seit 2019 keine Kontrolle mehr in der Bar “Le Constellation” durchgeführt worden sei, obwohl diese eigentlich jährlich stattfinden sollte. Ganzer sagte dazu, er sei “mehr als schockiert und verärgert über gewisse Dinge, die er in diesem Zusammenhang” erfahren habe. “Dieses Fehlen von Kontrollen gehört dazu. Auch die in der Bar gelebte Risikokultur schockiert mich”, betonte der Staatsrat.

Ganzer erinnerte auch daran, dass die Situation in den Walliser Gemeinden sehr unterschiedlich sei. Die Gemeinde Crans-Montana sei groß, es handle sich um einen Skiort mit einer langen Tourismustradition und einer eigenen Verwaltung.

Staatsrat stellt Versäumnis fest

“Es ist nicht an mir, zum jetzigen Zeitpunkt zu beurteilen, wie diese Verwaltung geführt wird und wie der für die Kontrollen zuständige Dienst seine Arbeit erledigt hat. Was ich feststelle, ist das Versäumnis”, sagte er.

“Solche Versäumnisse dürfen in einem Land wie dem unseren, in dem die Normen präzise sind und die gesetzliche Basis streng ist, nicht vorkommen. Und wenn alles eingehalten würde, hätten wir am Ende keine 40 Toten”, so Ganzer.

Kontrolle der Materialien gehörten “selbstverständlich zur Grundlage”

Die Gemeinde hatte vor den Medien zu ihrer Verteidigung darauf hingewiesen, dass die Regeln die Kontrolle des verwendeten Schaumstoffs bei der Lärmschutzdecke nicht ausdrücklich vorsehe. Dem widersprach Ganzer: “Es gibt in der Verordnung sehr vollständige und klare Checklisten. Die Kontrolle der Materialien und eines Schaumstoffs wie dieses gehört selbstverständlich zur Grundlage einer Kontrolle in einem Betrieb.”

Das verheerende Feuer mit 40 Toten und 116 Verletzten in der Silvesternacht ging wahrscheinlich von der Verwendung von “Wunderkerzen” aus, welche die Schaumstoffdecke der Bar in Brand setzten. Aus welchem Material diese Schaumstoffdecke bestand, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Der Barbetreiber hatte das Lokal vor etwa zehn Jahren eigenhändig umgebaut.

Trauerminute in Italien

Italien gedachte am Mittwoch der Opfer der Brandkatastrophe. In allen Schulen des Landes wurde eine Schweigeminute abgehalten, während die Stadt Mailand einen Tag der kommunalen Trauer ausrief. Der italienische Bildungsminister Giuseppe Valditara war für die vormittags abgehaltene Schweigeminute ins Kunstlyzeum San Carlo in Mailand gekommen, das einer der jungen Menschen besucht hatte, die in der Bar ums Leben kam.

Der Bürgermeister der lombardischen Metropole, Giuseppe Sala, ordnete seinerseits für Mittwoch eine städtische Trauer an. Diese Entscheidung sieht unter anderem das Hissen der Flaggen auf Halbmast an öffentlichen Gebäuden vor.

Kritik an Übergriff auf Medienschaffende

Unterdessen zeigte sich der italienische Außenminister Antonio Tajani überrascht über einen Übergriff auf Journalisten des TV-Senders RAI am Montag in Crans-Montana. Die Journalisten filmten vor einem Restaurant, das Betreibern der Bar “Le Constellation” gehört. Tajani fordert, dass die Schweizer Behörden für dieses Thema sensibilisiert werden.

“Die Journalisten waren damit beschäftigt, die italienische Öffentlichkeit über die Folgen der Katastrophe zu informieren, die sechs unserer jungen Menschen das Leben gekostet und zahlreiche Verletzte verursacht hat, von denen einige sehr schwer verletzt sind”, schrieb Tajani auf der Onlineplattform X.

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