Vom Schuhmacher zum Nachtportier

Durch Corona hat er alles verloren, nun hilft er anderen

Sonntag, 23. Oktober 2022 | 10:56 Uhr

Bozen – Giuseppe Gallone ist 61 Jahre alt und stammt aus Kalabrien. Er wuchs in der Schweiz auf und zog als Erwachsener nach Südtirol. Vor Corona hatte er alles, was er sich nur wünschen konnte: Aufgewachsen in einer Familie aus Schuhmachern, hatte er sich seinen Kindheitstraum erfüllt und denselben Beruf ergriffen. In seinem Betrieb war er König und er hatte ein schönes Appartement in Bozen gemietet. Doch dann kamen die Lockdowns.

„Ich war nicht reich, doch ich lebte gut. Durch Corona habe ich alles verloren. Für mich war es sehr hart, bei der Caritas um Hilfe und um ein Bett zum Schlafen zu bitten“, erklärt Gallone laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung Alto Adige. Er hatte den Tiefpunkt erreicht, doch das Leben meinte es gut ihm und bot ihm eine zweite Chance: Seit einem Jahr arbeitet er als Nachtportier im Hotel Laurin in Bozen.

Elf Jahre lang hatte der 61-Jährige in Südtirols Landeshauptstadt als Schuhmacher gearbeitet. Als im Februar 2020 die Pandemie auch ihren Schatten über unser Land warf, wollte er zunächst nicht aufgeben. Der Vermieter seines Geschäfts versuchte, ihm entgegen zu kommen, wo er nur konnte. Kunden steckten ihm anonym Umschläge mit Geld in den Briefkasten. Doch letztendlich hat nichts geholfen. Weil er in Bozen nicht ansässig war, sondern dort nur sein Domizil und sein Steuerdomizil dort hatte, fiel er auch bei der Unterstützung seitens der öffentlichen Hand durch den Rost.

Eine Frau half ihm bei der Lagerung seiner Ausstattung in einem Magazin. Sechs Monate zahlte sie ihm die Miete dafür. Doch auch das war letztendlich vergebens. Schließlich musste er bei der Caritas anklopfen. „Das war ein schwerer Schlag für mich, ich fühlt mich in meiner Würde getroffen“, erzählt der 61-Jährige. Im Haus Freinademetz in Haslach wurde ihm ein Bett zur Verfügung gestellt. „Für mich war das ein Albtraum. Ich hatte Angst, dass ich es nicht schaffen würde.“

Schließlich erfuhr er von einem Kurs, um sich als Hotelportier ausbilden zu lassen. „Ich hatte das noch nie gemacht, doch in diesem Moment kam für mich alles infrage, nur um wieder arbeiten zu dürfen“, erzählt der 61-Jährige. Sein neuer Beruf gefiel ihm – und noch mehr freute er sich, als er vor einem Jahr die Chance erhielt, als Nachtportier im Laurin anzufangen. „Ich stellte fest, dass es nicht nur darum geht, Türen zu öffnen und zu schließen. Mir eröffnete sich eine neue Welt“, betont Giuseppe Gallone.

Hilfe für andere

Er schätzt sich glücklich, dass er gemeinsam mit seiner Familie neu anfangen durfte. Deshalb hat er beschlossen, jenen etwas zurück zu geben, die nichts haben. „In Südtirol und in Bozen wird viel unternommen, um Migranten und Flüchtlingen zu helfen. Das muss man anerkennen. Doch die Betroffenen müssen sich oft mit bürokratischen Hürden auseinandersetzen“, erklärt Gallone. Bis jemand in einem Bett schlafen kann, dauere es oft eine Woche oder sogar zehn Tage. In der Zwischenzeit müssen die Betroffenen auf offener Straße oder unter einer Brücke übernachten. „So haben wir zum Beispiel ein Paar bei uns aufgenommen, das verzweifelt war“, erklärt Gallone. Oft brauche es nicht viel, auch kleine Gesten würden zählen. „Manchmal reicht ein warmes Essen, ein Gruß, zwei Worte.“ Angesichts der anstehenden Kälte hat Gallone zehn Schlafsäcke gekauft, die er Obdachlosen schenkt, die auf der Warteliste für ein Bett stehen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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16 Kommentare auf "Durch Corona hat er alles verloren, nun hilft er anderen"


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Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 14 Tage

was mit dem Lockdown an Schaden angerichtet wurde ist in keinster Weise zu beziffern und jetzt kommts immer dicker.

Leonor
Leonor
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Mikeman

Energie Krise…da würden mehr die Firmen härter treffen…

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

@ Mikeman

Mein Name ist Hase. 🐰

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

Zählst du die vielen Menschen die durch die Lockdowns nicht angesteckt wurden, nicht schwerst erkrankt sind oder sogar gestorben wären auch?
Oberflächliche und unmenschliche Sichtweise!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

Hat such der Schumacher über die Lockdowns beklagt? Davon hab ich im Bericht nichts gelesen! Du klagst aber?

Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 14 Tage

@ Calimero
kann schon sein aber bestimmt nicht der passende sei getrost du ………. Kerl 😂.

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Er hat sich nicht beklagt, er beklagt sich auch heute nicht aber an seiner Misere waren ausschließlich die Ausgangsperren Schuld denn er hatte über viele Monate keine Arbeit und bei ihm griffen, aus diversen Gründen, alle die Hilfsmaßnahmen nicht. Er ist gefallen und versucht wieder aufzustehen.

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 14 Tage

Ein grosses Lob diesem Herrn, ein danke für sein Altruistisch Soziales Denken und Handeln!

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
1 Monat 14 Tage

Der Mann gibt ein gutes Beispiel wie man helfen kann – wenn man den Willen dazu hat.
Hinterher zu jammern was durch den ( berechtigten ) Lockdown alles schlecht gelaufen ist – das ist nur billig.
Zitat :
” An ihren Taten werdet ihr sie erkennen!”

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Ist nicht der vorherige Nachtportier im Laurin von einem Vinschger verprügelt worden…es gab Kameraaufnahmen. 
Respekt dem Herrn, eine komplette berufliche Umstellung mit 60 ist auch nicht mehr so leicht. 

Staenkerer
1 Monat 14 Tage

a großes lob an den monn und seiner familie!

ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Er ist die Reinkarnation von Padre Pio..Die Ähnlichkeit ist verblüffend..🙏

Yumilein
Yumilein
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Ich habe immer meine Schuhe bei ihm richten lassen und bei dieser Gelegenheit viele gute Gespräche mit ihm gehabt. Er war Schuhmacher mit Leib und Seele. Ich habe sein Schicksal verfolgt und habe großen Respekt vor diesem mutigen Menschen der sich nie aufgegeben hat. Dass er nun anderen helfen will zeugt von Dankbarkeit und Großherzigkeit. Chapeau!

Staenkerer
1 Monat 13 Tage

es isch a schien vom neuen orbeitgeber das er an 60 jährigen no a neuen chance, a orbeit gib! des tien de wienigsten

Wunder
Wunder
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Wenn die Mehrheit der Menschen so wäre, dann hätten wir keine Kriege, keine Missgunst,…

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

                                                        
Großen Respekt vor Herrn Gallone.
Ein wirklich starker Mann im positivsten Sinne.
Kein Jammern und wehklagen, sondern die Chance nutzen und zupacken. So geht es also auch in Südtirol.

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