Italienischer Alpenverein mit Kritik an Helikopter-Tourismus in Südtirol 

“Eine Beleidigung für das, wofür die Dolomiten stehen”

Freitag, 24. Juli 2026 | 17:55 Uhr

Von: luk

Bozen – Mit dem Helikopter zur Alm fliegen, zu Mittag essen und wieder abheben: Diese Entwicklung sorgt in Südtirol und darüber hinaus für scharfe Kritik. Der Präsident des italienischen Alpenvereins CAI Südtirol, Carlo Alberto Zanella, spricht von einem “Zirkus”, der den Bergen schade, und fordert strengere Regeln für touristische Helikopterflüge.

Anlass der Kritik sind zunehmend Berichte über wohlhabende Urlauber, die Hotels oder Almen direkt per Helikopter ansteuern. Selbst Wingsuit-Sportler würden sich inzwischen per Helikopter auf den Berg bringen lassen, anstatt den Aufstieg zu Fuß zu bewältigen, kritisiert Zanella.

Nach seinen Angaben erhält der CAI täglich zahlreiche Hinweise auf entsprechende Flüge. Betroffen seien unter anderem Gebiete auf der Seceda, am Pordoijoch sowie in Alta Badia und St. Kassian in den Gadertaler Dolomiten. Dort würden Gäste mit dem Helikopter anreisen, einkehren oder übernachten und anschließend wieder abfliegen.

Zanella sieht darin einen Widerspruch zur Tourismuspolitik des Landes. Während der Autoverkehr an beliebten Ausflugszielen wie dem Pragser Wildsee, der Seiser Alm oder den Drei Zinnen zunehmend eingeschränkt werde, könnten Helikopter vielerorts nahezu ungehindert landen. Das passe nicht zu den Bemühungen, Verkehr, Lärm und Emissionen in den Bergen zu reduzieren.

Der CAI-Präsident verweist zudem auf Sicherheitsrisiken. Der Luftzug der Rotoren könne lose Steine in Bewegung setzen und damit Kletterer oder Wanderer gefährden, die sich unterhalb von Landeplätzen aufhalten.

Für Zanella widerspricht die Anreise per Helikopter dem Gedanken eines naturverträglichen Bergtourismus. Die Dolomiten stünden für Naturerlebnis und Nachhaltigkeit – Helikopterflüge aus Bequemlichkeit seien deshalb “eine Beleidigung für das, wofür die Dolomiten stehen”.

Positiv bewertet er Aussagen von Landeshauptmann Arno Kompatscher, der sich zuletzt offen für strengere Einschränkungen bei Helikopterflügen gezeigt hatte. Nun hofft Zanella auf rasche Maßnahmen und klare Verbote.

Bezirk: Bozen

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