7.600 Tote durch Überdosierung in einem Jahr

Europäischer Drogenbericht ortet neue Stoffe und Risiken

Dienstag, 09. Juni 2026 | 10:05 Uhr

Von: apa

Der am Dienstag präsentierte jährliche Bericht der EU-Drogenagentur (EUDA) warnt vor neuen Gesundheitsrisiken durch ein immer vielfältigeres Spektrum von Substanzen. Es gibt kontinuierlich neue Cannabisprodukte, Opioide und Stimulanzien, hieß es in einer Aussendung. Jede Woche werde eine neue psychoaktive Substanz (NPS) entdeckt. Innerhalb eines Jahres gab es in Europa mindestens 7.600 Tote durch Überdosierung, berichtete der EU-Kommissar für Inneres, Magnus Brunner.

“Wir müssen alles daransetzen, um zu verhindern, dass gefährliche neue Produkte den Markt überschwemmen, und mit aller Härte des Gesetzes gegen illegale Händler vorgehen, um ihnen ihr Geschäftsmodell zu nehmen”, sagte der österreichische EU-Politiker. “Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer. Dies birgt die Gefahr, dass Menschen hochwirksame Drogen einnehmen, oft ohne sie zu kennen”, wurde EUDA-Exekutivdirektorin Lorraine Nolan in der Aussendung zitiert.

Mehr als 1.000 überwachte NPS

Im Jahr 2025 wurden in Europa erstmalig 50 neue psychoaktive Substanzen gemeldet, womit sich die Gesamtzahl der von der EUDA überwachten Substanzen auf 1.050 erhöhte. Darunter befinden sich hochwirksame neue synthetische Opioide, die mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen einhergehen. Es wurden zudem E-Zigaretten beschlagnahmt, die beispielsweise synthetische und halbsynthetische Formen von Cannabis enthalten. Diese könnten auch als Träger für andere schädliche Substanzen dienen, darunter möglicherweise neue synthetische Opioide, informierte die EU-Drogenagentur.

Neben gesundheitlichen Schäden und sozialen Problemen hebt der Bericht die Auswirkungen der Drogenmärkte auf die Sicherheit in Europa hervor, darunter die Ausbeutung und Anwerbung Jugendlicher durch kriminelle Gruppen für den Drogenhandel und zur Ausübung von Gewalt. Gleichzeitig passe sich der Drogenhandel rasch an die Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden an. Die EU habe unter anderem mit einer neuen Drogenstrategie und dem Aktionsplan gegen den Drogenhandel reagiert sowie neue Vorschriften zur Überwachung und Kontrolle von Vorläuferstoffen vorgeschlagen.

“Während der Europäische Drogenbericht einen starken Fokus auf den Drogenmarkt und Aktivitäten zur ‘Supply-Reduction’ legt, ist für langfristige gesundheitspolitische Strategien vor allem das Thema Suchtprävention hoch relevant. Auch hier existiert mit dem Europäischen Präventionscurriculum ein europaweit einheitliches Programm zur Kompetenzförderung und Vermittlung von Qualitätsstandards, das von der EUDA gefördert wird”, berichtete Martin Busch, Leiter des Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), in einem Statement gegenüber der APA. Die GÖG ist Teil des Netzwerks der EUDA.

Cannabis häufigste Droge

Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Europa. Schätzungen zufolge haben im vergangenen Jahr 24,9 Millionen Europäerinnen und Europäer im Alter von 15 bis 64 Jahren dazu gegriffen. Cannabis wurde zudem mit Notaufnahmen in Krankenhäusern in Verbindung gebracht, warnte die EUDA unter anderem auch vor essbaren Produkten.

Opioide, meist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa. Auch hier geben der EUDA neue synthetische Opioide, die oft hochwirksam sind, Anlass zur Sorge. Seit 2009 wurden in Europa 95 davon nachgewiesen, darunter Nitazene und Orphine. Auch gefälschte Arzneimittel, die Nitazene enthalten, und Nachahmungen von legalen verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Oxycodon oder Diazepam, werden zunehmend gemeldet. In Bulgarien war Fentanyl an mehr als 100 drogenbedingten Todesfällen beteiligt, die zwischen 2024 und 2025 gemeldet wurden.

Weiter viel Kokain, Ketamin legt zu

Der Kokainkonsum in ganz Europa ist nach wie vor hoch. Etwa 4,3 Millionen Europäerinnen und Europäer haben im vergangenen Jahr Kokain konsumiert. Im Jahr 2024 deuteten die verfügbaren Daten aus 20 Ländern darauf hin, dass Kokain an mehr als einem Viertel (27 Prozent) der drogenbedingten Todesfälle beteiligt war. Potenziell zunehmend Probleme mache aus Kokainpulver herstellbares Crack, informierte die EUDA.

Außerdem werde Ketamin, ein unentbehrliches Medikament zur Anästhesie und Schmerzlinderung, in Europa zunehmend als psychoaktive Substanz missbraucht. In bestimmten Jugendszenen und im Nachtleben wird die Substanz immer häufiger konsumiert. Die Gesundheitsrisiken reichen von akuten Vergiftungen bis hin zu chronischen Schäden. Im Jahr 2024 gaben 14 Prozent der im Rahmen der Europäischen Online-Erhebung zu Drogen Befragten, die in den letzten zwölf Monaten Drogen konsumiert hatten, an, Ketamin zu konsumieren, in der Regel zusammen mit Alkohol oder anderen Drogen.

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