Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Angesichts zunehmender Diskussionen über Trockenheit, Wasserknappheit und hohe Temperaturen fordert der Verbraucherschutzverein Robin eine grundlegend neue Regelung für den Umgang mit der Ressource Wasser in Südtirol. Wasser müsse transparent und am Gemeinwohl orientiert bewirtschaftet werden, heißt es in einer Medieninformation des Vereins.
Robin bezweifelt zugleich, dass derzeit kursierende Zahlen zur Wasserverfügbarkeit ohne Weiteres aussagekräftig sind. So würden für den jährlichen Wasserverbrauch Südtirols mehrere hundert Millionen Kubikmeter und für die Speicherkapazität der Stauseen rund 300 Millionen Kubikmeter genannt. Daraus lasse sich jedoch nicht ableiten, dass Südtirol über nahezu einen Jahresverbrauch an gespeicherten Wasserreserven verfüge. Dafür fehle eine einheitliche und öffentlich nachvollziehbare Bilanz sämtlicher Entnahmen, Rückflüsse, Speicherstände und Nutzungen.
Verbindlicher Wasserplan gefordert
Aus Sicht von Robin braucht es deshalb zunächst einen verbindlichen Wasserbewirtschaftungsplan. Die zunehmenden Interessenkonflikte zwischen Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Wasserkraft, Industrie, Tourismus und Umweltschutz würden sich durch den Klimawandel weiter verschärfen.
Der Verein fordert eine vollständige Erfassung von Wasserentnahmen und -verlusten. Gleichzeitig müssten Grundbedarf und besonders sensible Nutzungen abgesichert werden. Verbrauch und Effizienz sollten in allen Bereichen nachvollziehbar sein.
Wasser als Schlüsselressource für die Stromversorgung
Besondere Bedeutung hat die Forderung für Südtirol, weil Wasser nicht nur für Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Ökosysteme wichtig ist, sondern auch die Grundlage der Wasserkraft bildet. Wasser- und Strompolitik müssten daher stärker gemeinsam betrachtet werden, argumentiert Robin.
Der Verein schlägt deshalb eine eigene Regulierungsbehörde für Wasser und Strom vor. Diese solle unabhängig von Einzelinteressen unter anderem Regeln für Tarife, Nutzung, Investitionen, Versorgungssicherheit und Effizienz festlegen. Als Vorbild nennt Robin die staatliche Regulierungsbehörde ARERA, die sowohl für den Strom- als auch für den Wassersektor zuständig ist.
Kritik an neuen Speicherbecken
Gleichzeitig warnt Robin davor, als Reaktion auf mögliche Wasserengpässe vorschnell neue Speicherbecken zu errichten. Vor größeren Investitionen müsse zunächst eine belastbare Wasserbilanz erstellt werden. Erst danach könne beurteilt werden, ob zusätzliche Speicher tatsächlich notwendig seien.
Neue Speicherbecken sollten nach Ansicht des Vereins nur dann genehmigt werden, wenn ihre Gemeinnützigkeit und ein entsprechendes Kosten-Nutzen-Verhältnis nachgewiesen seien. Vorrang sollten Maßnahmen haben, mit denen bestehende Ressourcen effizienter genutzt werden können. Genannt werden unter anderem die Sanierung undichter Leitungen und Bewässerungssysteme, die Nutzung von Regenwasser, Grundwasseranreicherung und die Wiederverwendung von Wasser.
“Die Landespolitik ist immer weniger in der Lage, die stärker werdenden Zielkonflikte zwischen Strom, Wasser, Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt und Bevölkerung ausgleichend im Sinne des Gemeinwesens zu lösen”, erklärt Robin-Geschäftsführer Walther Andreaus. Eine unabhängige Regulierungsbehörde könne dafür sorgen, dass die Interessen der Bevölkerung gegenüber Einzelinteressen stärker berücksichtigt würden.
Zudem fordert Andreaus für Wasser, das über einen angemessenen Grundbedarf hinaus genutzt wird, das Prinzip der Kostenwahrheit. Wasser dürfe “nicht länger praktisch zum Nulltarif vergeben werden”.
Robin sieht seine Forderungen ausdrücklich nicht als Plädoyer für Verzicht, sondern für mehr Transparenz und klare Prioritäten. Statt zunächst neue Speicherprojekte in Angriff zu nehmen, brauche es aus Sicht des Vereins eine verlässliche Wasserbilanz, einen verbindlichen Wasserplan und eine unabhängige Regulierung von Wasser und Strom.




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