Der Rettungseinsatz wurde wegen Überflutungsgefahr unterbrochen

Fast 600 Tote nach Sturzflut in Nepal, 2.500 Vermisste

Freitag, 28. August 2026 | 22:18 Uhr

Von: importer

Zwei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Toten weiter. Laut Behörden aus Nepal, China und Indien wurden bisher nahezu 600 Tote registriert, fast 2.500 Menschen werden noch vermisst. Aus Furcht vor einer neuerlichen Flutwelle aus einem neu entstandenen Stausee wurden die Such- und Rettungsarbeiten am Freitag stundenlang unterbrochen. Weitere Regenfälle könnten die Rettungsarbeiten weiter erschweren.

In Nepal meldeten die Behörden am Freitag 579 Todesopfer und 1.924 Vermisste, darunter 517 Ausländer. Die chinesischen Behörden meldeten bisher sieben Tote und 554 Vermisste in Tibet. Demnach wurden mehr als tausend Menschen aus Tibet in Sicherheit gebracht. Nach indischen Behördenangaben wurden in Indien sieben Leichen aus Flüssen gezogen.

Unter den Vermissten sind laut der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte dazu am Freitag, dass sich eine “hohe einstellige Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten” befinde – zuvor war von einer “niedrigen zweistelligen Zahl” die Rede gewesen.

Wie ein AFP-Reporter berichtete, wurde in der nepalesischen Wanderregion Langtang eine vierköpfige deutsche Familie von Rettungskräften in Sicherheit gebracht. Sie hatte angesichts von Erdrutschen auf halbem Weg kehrtgemacht.

Suche nach Überlebenden erschwert

Die Suche nach weiteren Überlebenden wird durch zerstörte Straßen, meterhohen Schlamm und die Gefahr neuer Überschwemmungen und Erdrutsche erschwert. Auf der tibetischen Seite der Grenze erreichte am Freitagnachmittag erstmals eine Gruppe von 21 chinesischen Feuerwehrleuten mit einem Spürhund das schwer getroffene Gebiet um den Grenzort Gyirong. Dort werden hunderte Menschen vermisst.

Am Freitagmorgen hatte die nepalesische Polizei wegen eines nach dem Gletscherabbruch entstandenen Sees in Tibet vor einer möglichen neuen Flutwelle gewarnt. Einsatzkräfte und Bewohner gefährdeter Gebiete wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Am frühen Nachmittag wurde die Warnung wieder aufgehoben. Chinesischen Staatsmedien zufolge nahm die Gefahr eines Überlaufens des Sees aber allmählich ab.

Behörden warnen vor starken Niederschlägen in den kommenden Tagen

Weiterer Regen könnte die Rettungsarbeiten jedoch erschweren. Die Behörden in Tibet warnten vor starken Niederschlägen und Gewittern in den kommenden Tagen. Durch anhaltenden Regen bestehe eine erhöhte Gefahr weiterer Überschwemmungen und Erdrutsche.

In Nepal bemühten sich Rettungskräfte um mehr als hundert Menschen, die in einem Tunnel an der Baustelle eines Wasserkraftwerks eingeschlossen waren. Zwei Militärhubschrauber wurden dorthin geschickt. Selbst die Zugänge zum Tunnel seien jedoch nur schwer zu finden, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet. 350 Arbeiter und Anrainer seien bereits unter “äußerst riskanten” Bedingungen gerettet worden.

Nepal bietet Indien um Hilfe

Für den Einsatz an dem Tunnel bat das Land Indien um Hilfe. Neu Delhi bereitete daraufhin die Entsendung eines erfahrenen Tunnelrettungsteams vor. Indische Einsatzkräfte hatten 2023 nach einer 17-tägigen Rettungsaktion 41 Arbeiter aus einem eingestürzten Himalaya-Tunnel befreit.

Am Mittwoch war eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und der chinesischen Region Tibet geströmt und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte wurde die Katastrophe durch den Abbruch eines Gletschers ausgelöst. Dieser war so heftig, dass er als Beben der Stärke 5,2 registriert wurde.

Etwa 93.000 Menschen von der Katastrophe betroffen

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt, dass etwa 93.000 Menschen von der Katastrophe betroffen sein könnten. Die Sturzflut ist die tödlichste Katastrophe in Nepal seit dem Erdbeben von 2015 mit rund 9000 Todesopfern.

Die EU kündigte Soforthilfen in Höhe von zwei Millionen Euro an. Kanada erklärte, fünf Millionen kanadische Dollar (umgerechnet 3,2 Millionen Euro) zur Verfügung zu stellen.

Kommentare

Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen