Von: Sophia Molitor
Graubünden – Eine Schweizer Fotografin dokumentiert auf ihrem Instagram-Profil die beeindruckende und zugleich erschreckende Veränderung des Morteratschgletschers im Kanton Graubünden. Seit Jahren kehrt sie regelmäßig an den Gletscher zurück und hält es für einen dieser Orte, wo die Schönheit weh tut. Ein markanter Felsen dient dabei als Orientierungspunkt und macht den fortschreitenden Rückzug des Eises sowie die zunehmende Ausdehnung des Gletschersees sichtbar. Ihr Video zeigt eindrucksvoll, wie stark sich die Landschaft innerhalb weniger Jahre verändert hat.
Der Morteratschgletscher im Schweizer Kanton Graubünden ist der größte Gletscher des Berninamassivs und zugleich der drittlängste der Ostalpen. Nach Angaben des Schweizerischen Gletschermessnetzes GLAMOS hat sich seine Zunge seit 1860 bereits um weit über drei Kilometer zurückgezogen. Der Rückzug verläuft dabei keineswegs gleichmäßig. In besonders warmen Jahren kann die Gletscherfront innerhalb eines Jahres deutlich an Länge verlieren. Die Messreihen zeigen zudem, dass sich der Gletscher nicht nur zurückzieht, sondern zunehmend an Masse und Stabilität verliert.
Hinzu kommen strukturelle Veränderungen des Eises. Die Gletscherzunge ist stark ausgedünnt, und der einstige Zufluss des Persgletschers hat sich vom Morteratschgletscher getrennt. Auch andere Bereiche des Eises zerfallen zunehmend. Die Entwicklung des Morteratschgletschers steht damit exemplarisch für die tiefgreifenden Veränderungen, die der Klimawandel in den Schweizer Alpen verursacht.
Bereits 2018 warnte der Glaziologe Felix Keller im Gespräch mit RSI, dem italienischsprachigen Schweizer Radio und Fernsehen, vor einem weiteren beschleunigten Rückgang des Morteratschgletschers. „Der Rückgang wird sich verstärken“, prognostizierte Keller damals.
Kann künstliche Beschneiung das Verschwinden des Gletschers stoppen?
Keller entwickelte daraufhin mit dem Projekt „MortAlive“ einen Ansatz, um den Morteratschgletscher durch künstliche Beschneiung zu schützen. Dabei wird im Sommer abfließendes Schmelzwasser gesammelt und im Winter mithilfe eines seilbahngeführten, stromlosen Systems über dem Gletscher als Kunstschnee verteilt. Die zusätzliche Schneedecke soll das Eis im Sommer vor Sonneneinstrahlung und Wärme schützen. Das Verfahren wurde erfolgreich getestet und kann den Rückzug des Gletschers zwar verlangsamen, stellt jedoch keine dauerhafte Lösung für den Gletscherschwund dar. Das bestätigen auch die Modellrechnungen der ETH Zürich, wonach der Morteratschgletscher selbst bei künstlicher Beschneiung langfristig nicht stabilisiert werden könnte.
Gefragt sind vielmehr nachhaltige, an die natürlichen Bedingungen angepasste Technologien, die das bestehende Klima- und Ökosystem möglichst wenig belasten und natürliche Prozesse unterstützen. Außerdem müssten auch die veränderten klimatischen Bedingungen im Alpenraum berücksichtigt werden. Dazu gehört insbesondere der Austausch zwischen kalten und warmen Luftmassen, der für das lokale Klima und damit auch für die Gletscherentwicklung eine Rolle spielt.




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