Von: apa
Greenpeace International warnt vor “alarmierenden Mengen” an Mikroplastik in Babynahrung der Konzerne Nestlé und Danone. In der Kritik stehen die vor nicht ganz zwei Jahrzehnten erstmals aufgetauchten, heute überaus beliebten Kunststoff-Quetschbeutel. Sie können laut dem Test winzige Plastikteile in die Nahrung abgeben. Greenpeace Österreich forderte am Donnerstag vom Gesundheitsministerium eine umfassende Untersuchung von hierzulande erhältlichen Quetschies.
“Die Behörden müssen Babynahrung in Plastikbeuteln systematisch auf Mikroplastik und plastikbezogene Schadstoffe prüfen lassen”, so die Umweltschützer. Die stichprobenartige Untersuchung von Greenpeace International bezog sich nicht auf Erzeugnisse, die genau so in Österreich angeboten werden. Allerdings würden auch im österreichischen Handel Quetschies mit ähnlichen Verpackungsmaterialien verkauft, wird betont. “Sie bestehen ebenfalls aus Verbundmaterialien mit einer Innenbeschichtung aus Polyethylen (PE). Bei diesen ist zu befürchten, dass vergleichbare Belastungen von Mikroplastik in Babynahrung auftreten können.”
Mikroplastik in allen Produkten im Test nachgewiesen
Mikroplastik wurde laut Greenpeace in allen sechs getesteten Produkten von Danone und Nestlé nachgewiesen. Als höchste Konzentration wurden mehr als 11.000 Partikel pro Beutel festgestellt, das entspreche 99 Partikeln pro Gramm Nahrung bzw. hunderten Partikeln pro Teelöffel. Weiters seien über 80 Chemikalien identifiziert worden, darunter 2,4-DTBP, das potenziell hormonell wirksam sei.
In Österreich seien Quetschies aus solchem Verpackungsmaterial am Markt. Als Beispiele führt Greenpeace Österreich Danone Fruchtzwerge Quetschies und Hipp Hafer Smoothie an. Daher sei “auch hierzulande eine massive Belastung der Babynahrung zu befürchten”, schlussfolgern die Umweltschützer. “Eltern glauben, ihren Kindern einen gesunden Snack zu geben”, so Greenpeace-Konsumexpertin Madeleine Drescher. “Solange solche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, darf Plastik bei Babynahrung nicht der Standard sein.”
Detailergebnisse aus dem Labor
Die Analyse eines unabhängigen Labors belegte in den Beuteln von Danone durchschnittlich 99 Mikroplastik-Partikel pro Gramm Nahrung, bei jenen von Nestlé bis zu 54 Partikel. Das entspricht laut Greenpeace einer Belastung von über 11.000 Teilchen pro Danone-Quetschie und mehr als 5.000 Partikeln pro Nestlé-Quetschie. Als Quelle der Verunreinigung gilt das Verpackungsmaterial Polyethylen.
Der internationale Markt für Quetschbeutel wächst Greenpeace zufolge jährlich um über acht Prozent, sie verdrängen zunehmend Glasverpackungen. Schon jetzt machen demnach Quetschies ein Drittel des globalen Markts für Babynahrung aus.
Kinder besonders gefährdet
Säuglinge und Kleinkinder seien besonders empfindlich gegenüber Schadstoffen, geben die Umweltschützer zu bedenken: “Ihr Körper durchläuft kritische Entwicklungsphasen, die durch Chemikalien gestört werden können. Gleichzeitig nehmen sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Nahrung auf als Erwachsene.”
Die großen Babynahrungshersteller sollen den Einsatz von Einweg-Plastik beenden, fordert Greenpeace. Zudem sollten sie offenlegen, welche Materialien und Chemikalien in ihren Verpackungen eingesetzt werden. Da die Industrie einzelne Verbote oft durch chemisch ähnliche, ebenfalls problematische Ersatzstoffe umgehe, sei ein Verbot ganzer Stoffgruppen nötig. Die EU müsse die Produktion von Einwegplastik drastisch senken und den Umstieg auf Mehrweg- und Refill-Systeme forcieren.




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