Von: APA/Reuters/AFP
Nach einem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff “MV Hondius” suchen Behörden weltweit nach Kontaktpersonen. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Drei Menschen starben bisher, darunter ein Deutscher und ein niederländisches Ehepaar. Bei acht weiteren Personen besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag mitteilte.
Etwa 40 Passagiere hatten das Schiff nach Angaben der niederländischen Regierung bei einem Zwischenstopp auf der Insel St. Helena verlassen, bevor der Ausbruch gemeldet wurde. Der Aufenthaltsort vieler dieser Reisenden ist unklar. Zu den von Bord gegangenen Passagieren zählte die Frau des auf dem Schiff verstorbenen Niederländers. Sie erkrankte später selbst und starb, nachdem sie in Johannesburg wegen ihres schlechten Gesundheitszustands aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft KLM geholt worden war.
Dem Sender RTL zufolge wurde nun eine Flugbegleiterin, die Kontakt zu der Frau hatte, mit möglichen Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert. Das niederländische Gesundheitsministerium bestätigte, dass eine Frau im Krankenhaus auf das Virus getestet werde. KLM lehnte eine Stellungnahme zu Einzelfällen aus Datenschutzgründen ab.
“MV Hondius” soll am Sonntag Teneriffa erreichen
Die “MV Hondius” steckte zunächst vor der Küste der Kapverden fest. Eigentlich sollten sie das Endziel sein, doch der Inselstaat verweigerte den Passagieren wegen des Ausbruchs den Landgang. Am späten Mittwochabend nahm das Schiff mit fast 150 Menschen an Bord Kurs auf die Kanarischen Inseln, die zu Spanien gehören. Es soll am Sonntag Teneriffa erreichen, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit. An Bord zeige derzeit niemand Symptome. Nach der Ankunft sollen alle gesunden ausländischen Staatsbürger in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Die 14 spanischen Passagiere müssen in einem Militärkrankenhaus in Madrid in Quarantäne. Am Mittwoch waren drei Patienten von Bord evakuiert worden. Einer von ihnen wurde zur medizinischen Versorgung nach Deutschland gebracht, die beiden anderen in die Niederlande.
Bei dem Erreger handelt es sich um den sogenannten Anden-Stamm des Hantavirus. Diesem Virustyp ist zu eigen, dass er durch sehr engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Experten betonen jedoch, dass eine solche Ansteckung sehr selten ist. Dennoch sind die Gesundheitsbehörden alarmiert. In Frankreich steht ein Bürger unter Beobachtung, der Kontakt zu einer erkrankten Person hatte, wie Außenminister Jean-Noel Barrot erklärte. Die US-Gesundheitsbehörde CDC beobachtet ihrerseits die Lage, schätzt das Risiko für die US-Bevölkerung jedoch als äußerst gering ein.
Argentinien entsandte Experten
Die argentinischen Behörden haben angesichts des tödlichen Hantavirus-Ausbruchs auf einem von Argentinien ausgelaufenen Kreuzfahrtschiff die Entsendung von Expertinnen und Experten nach Ushuaia im Süden des Landes zur Untersuchung von Nagetieren angekündigt. Die Experten für Infektionskrankheiten des Malbrán-Instituts in Buenos Aires würden dort nach einer “möglichen Präsenz des Virus” suchen, teilte das argentinische Gesundheitsministerium am Mittwoch (Ortszeit) mit.
Sie würden dabei in Gebiete reisen, die zuvor von den beiden niederländischen Passagieren besucht wurden, die an einer Infektion mit dem Hantavirus gestorben sind. Das Ministerium betonte, es sei “nicht bestätigt, dass die Ansteckung in Argentinien stattgefunden hat”. Die argentinische Provinz Feuerland im Süden des Landes, in der auch Ushuaia liegt und von wo aus das Kreuzfahrtschiff “Hondius” aufgebrochen war, habe “seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 1996 keinen einzigen Hantavirus-Fall gemeldet”.




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