Chat von Krankenschwestern nach Transplantations-Drama veröffentlicht

“Herz wie ein Stein”

Samstag, 28. Februar 2026 | 12:43 Uhr

Von: mk

Bozen – Im Fall des zweijährigen Buben aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Wochenende gestorben ist, laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Unterdessen haben mehrere Medien Protokolle von Chatnachrichten zwischen Krankenschwestern auf WhatsApp veröffentlicht, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet.

Es ist 16.06 Uhr am 23. Dezember. Das Herz, das aus Bozen stammt und dem kleinen Domenico im Monaldi-Krankenhaus in Neapel eingesetzt wurde, schlägt nicht. Eine Krankenschwester, die das Krankenhaus bereits verlassen hat, erkundigt sich bei Kollegen nach dem Stand der Dinge.

„Es geht nicht … null … es ist wie ein Stein“, lautet die Antwort der Oberschwester. Die Kollegin erwidert: „Um Himmels Willen, das müssen sie auf ihr Gewissen nehmen.“ Die sind Teil der Unterlagen im Rahmen der Ermittlung zum Tod des kleinen Domenico Caliendo. Die die Zeitungen Il Mattino, La Repubblica und Il Messaggero haben darüber berichtet.

Mehrere Dialoge verhelfen zu einer Ahnung, was sich an jenem Nachmittag vor Heiligabend im Operationssaal abspielte. In einer weiteren Konversation fragt dieselbe Krankenschwester eine Kollegin: „Wie weit seid ihr?“ Die Antwort: „Sie haben das Herz in Trockeneis transportiert. Es ist eingefroren, vielleicht kann er es gar nicht implantieren. Es ist ein Riesenchaos.“

Eine erneute Nachricht eine Viertelstunde später: „Habt ihr es gelöst? Ist er (der Chirurg) ausgerastet?“ Die Antwort verdeutlicht die Verzweiflung im OP: „Um es aufzutauen, haben wir es in warmes Wasser gelegt. Wenn es wieder anspringt, ist es ein Wunder.“ Auf die Frage, ob der leitende Herzchirurg das Herz dennoch einsetzen wolle, folgt die Antwort: „Wahnsinn. Was soll ich dir sagen? Ja, er setzt es gerade ein.“

Wie berichtet, war das Spenderherz zuvor in Bozen entnommen und dann nach Neapel transportiert worden. Dafür wurde Trockeneis mit minus 78 Grad statt herkömmlichen Eiswürfeln verwendet, was Medienberichten zufolge dazu geführt habe, dass das Herz „verbrannt“ ist.

Für Diskussionen sorgt zudem der Transportbehälter: Medienberichten zufolge wurde eine handelsübliche Kühlbox des Typs „Fiesta“ des Herstellers Gio’ Style verwendet. Moderne, temperaturgesteuerte Einweg-Transportsysteme des Typs „Paragonix“, die rund 6.000 Euro kosten und im Krankenhaus Monaldi vorhanden sein sollen, kamen offenbar nicht zum Einsatz.

Die Staatsanwaltschaft von Neapel hat derzeit sieben Personen ins Ermittlungsregister eingetragen. Warum bestehende Protokolle nicht konsequent eingehalten oder kontrolliert wurden, ist Gegenstand der Untersuchung.

Spezialisten hatten das Kind nach der misslungenen Transplantation als nicht mehr transplantierfähig eingestuft. Der Bub ist in der Folge verstorben.

Bezirk: Bozen

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