Von: mk
Estland – Ukrainische Soldaten haben Nato-Truppen bei einer Übung in Estland kampfunfähig gemacht – trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit: Während die NATO bei der Simulation zwei Bataillone – also einige hundert bis etwa tausend Soldaten – aufbot, kämpften auf ukrainischer Seite zehn Drohnenpiloten.
Entscheidend für den Sieg der Ukrainer war deren überlegene Gefechtsführung. Wie die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet, nutzten die Ukrainer das bislang einzigartige System „Delta“. Dies erlaubt es, sowohl Kommandeuren als auch Einheiten Informationen über das Schlachtfeld in Echtzeit zu liefern. Satelliten, Drohnen, Radare oder andere Sensoren senden dabei eine Vielzahl an Daten an das Smartphone, den Laptop oder das Tablet eines Soldaten.
Auf einer digitalen Karte, die an Google Maps erinnert, sind feindliche Stellungen sowie verbündete Einheiten eingezeichnet, aber auch Panzersperren, Schützengräben oder Systeme zur elektronischen Kriegsführung. Künstliche Intelligenz hilft dabei, gegnerische Fahrzeuge und Ausrüstung in wenigen Sekunden zu identifizieren.
Beim NATO-Manöver „Hedgehog“, das im vergangenen Mai über die Bühne ging, setzten die Ukrainer Delta gegen ihre Bündnispartner ein – selbstverständlich nur zu Übungszwecken. Einheiten aus Großbritannien und Estland, die den Ukrainern entgegentraten, machten dabei wohl keine gute Figur. Wie ein ukrainischer Soldat nach der Übung erklärte, seien die NATO-Truppen nicht auf einen Massenangriff mit Drohnen vorbereitet gewesen. Das Delta-System soll sich unter anderem bei der Verteidigung Kiews und der Rückeroberung von Cherson bewährt haben. Es erlaubt den Ukrainern, operative Entscheidungen in kurzer Zeit fällen und die „Kill Chain“, also die Kette von Aufklärung bis Angriff, erheblich zu verkürzen.
Ukrainische Drohnenpiloten, die an der Simulation beteiligt waren, nannten die Schwachstellen des Bündnisses in den sozialen Medien schonungslos beim Namen: große Konvois, die sich ohne angemessene Tarnung bewegen, Infanterie, die sich weder verteilt, noch in Deckung geht und Marschrouten, die nicht auf Minen untersucht werden. Laut einem Soldaten der berüchtigten Nemesis-Brigade haben die Ukrainer die gegnerischen Stellungen auch mit Aufklärungsdrohnen des Typs Vector ausgekundschaftet – ein Modell, das aus Deutschland stammt.
Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wurden bei der Simulation auf britisch-estnischer Seite 17 gepanzerte Fahrzeuge innerhalb von zwölf Stunden zerstört. Ein Übungsteilnehmer meinte, dass die Truppen ihre Fahrzeuge und Zelte auf dem Schlachtfeld einfach „geparkt“ hätten – eine gefährliche Situation, wenn Drohnen die Front von oben abtasten.
Beobachter weisen darauf hin, dass es sich nur um eine Simulation gehandelt habe, bei der die NATO keine Kampfflugzeuge, weitreichende Präzisionswaffen oder integrierte Flugabwehr eingesetzt habe. Dennoch legte die Übung grundlegende Probleme in der Gefechtsführung offen.
Aufgrund einer langsamen Kommandokette hätten die angreifenden NATO-Soldaten bei der Koordinierung ihrer Mission viel länger gebraucht als die ukrainischen Verteidiger. Medienberichten zufolge sollen die Einheiten gemäß der alten hierarchischen NATO-Tradition „Kenntnis nur bei Bedarf“ gehandelt und sensible Informationen nur zögerlich oder beschränkt weitergegeben haben.
Stattdessen möchte sich die NATO in Richtung einer „responsibility to share“, einer Verantwortung zum Austausch von Informationen, bewegen, um rasch präzise Entscheidungen treffen zu können. Manche schielen nun auf das ukrainische Delta-System, zumal die Ukrainer in ihrer Verteidigung gegen den russischen Überfall auf ihr Land bereits bewiesen haben, dass das System kompatibel mit den Bündnisstrukturen ist. Auch während der NATO-Übung „REPMUS 2025“ in Portugal hat Delta eine wesentliche Rolle gespielt und mehr als 100 See-, Unterwasser-, Boden- und Flugdrohnen koordiniert.
Die NATO setzt deshalb große Hoffnungen in das System. Wie die ukrainische Nemesis-Brigade auf Facebook erklärte, sei auch die Ukraine sehr interessiert daran, „dass die NATO-Truppen ihre Taktik der modernen Kriegsführung überdenken“, um sich so schnell wie möglich auf die russische Bedrohung vorzubereiten.




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