Ermittlungen werden fortgesetzt

Tansplantations-Drama: Bericht über Spannungen zwischen Ärzteteams im OP-Saal

Donnerstag, 26. Februar 2026 | 08:40 Uhr

Von: luk

Bozen – Nach dem Tod eines Kindes im Krankenhaus Monaldi in Neapel rücken Spannungen zwischen beteiligten Medizinteams in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Das Herz war zuvor in Bozen entnommen und nach Neapel transportiert worden. Nun prüfen Inspektoren des Gesundheitsministeriums die Abläufe im Detail. Minister Orazio Schillaci hatte eine umfassende Aufklärung gefordert.

Im Operationssaal soll die Stimmung äußerst angespannt gewesen sein, wie es aus einem Bericht der Zeitung Alto Adige hervorgeht. Zwischen dem Team aus Neapel und einem hinzugezogenen Ärzteteam aus Innsbruck kam es demnach zu heftigen Diskussionen – unter anderem über das richtige Kühlmittel für den Transport des Organs. Verwendet wurde schließlich Trockeneis mit minus 78 Grad statt herkömmlichen Eiswürfeln. Wer diese Entscheidung traf, ist bislang unklar.

Die Innsbrucker Spezialisten sollen außerdem eingegriffen haben, um operative Probleme während der Organentnahme zu beheben, die das Team aus Neapel während der Entnahme am Herzen verursacht haben soll. Im Raum steht somit auch der Verdacht, dass das Herz bereits bei der Entnahme beschädigt wurde. Zusätzlich erschwerten offenbar Sprachbarrieren die Zusammenarbeit: Die österreichischen Ärzte kommunizierten auf Deutsch, das Team aus Neapel auf Englisch.

Bekanntermaßen stehen derzeit sieben Mediziner aus Neapel unter Verdacht, weitere Beteiligte könnten folgen. Auch die Frage, warum bestehende Protokolle nicht konsequent eingehalten oder kontrolliert wurden, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Für Diskussionen sorgt zudem der Transportbehälter: Medienberichten zufolge wurde eine handelsübliche Kühlbox des Typs „Fiesta“ des Herstellers Gio’ Style verwendet. Moderne, temperaturgesteuerte Einweg-Transportsysteme des Typs „Paragonix“, die rund 6.000 Euro kosten und im Krankenhaus Monaldi vorhanden sein sollen, kamen offenbar nicht zum Einsatz.

Ein Bericht des zuständigen Abteilungsleiters hebt zudem hervor, dass die technische Ausrüstung des Teams aus Kampanien unvollständig gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft Neapel setzt ihre Ermittlungen fort. Eine Autopsie soll klären, woran das Kind letztlich verstarb und ob das Herz bereits vor oder während des Transports irreparabel geschädigt wurde. Zudem wird geprüft, ob Kommunikations- und Verfahrensfehler zu der tragischen Verkettung von Pannen beigetragen haben.

ANSA / Ciro Fusco

Bezirk: Bozen

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