Von: mk
Neapel/Bozen – Im Fall des zweijährigen Buben aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Wochenende gestorben ist, laufen die Ermittlungen gegen Ärzte und medizinisches Personal des neapolitanischen Krankenhauses “Monaldi” auf Hochtouren.
Die Entscheidung des Untersuchungsrichters über das beantragte Beweissicherungsverfahren wird stündlich erwartet. Die anstehende Autopsie gilt als zentrales Element der Ermittlungen: Sie soll nicht nur die genaue Todesursache klären, sondern ist auch die Voraussetzung für die Freigabe des Leichnams und die Beisetzung des Kindes.
Parallel dazu wird die Staatsanwaltschaft Neapel am Donnertag Experten damit beauftragen, die beschlagnahmten Mobiltelefone der sieben Verdächtigen auszuwerten, um die Kommunikation während der kritischen Stunden zu rekonstruieren.
Das Foto der Kühlbox
Ein nun aufgetauchtes Foto bestätigt die bereits vor zwei Wochen von der Nachrichtenagentur Ansa verbreiteten Meldungen: Für den Transport des Spenderherzens von Bozen nach Neapel wurde eine einfache Hartplastik-Kühlbox verwendet – ein Modell, wie es üblicherweise für Kaltgetränke am Strand genutzt wird.
Die Box ist blau mit einem orangefarbenen Griff und trägt die handschriftliche Markierung „S. OP. C. CHPED“ (Operationssaal für pädiatrische Herzchirurgie). Dieses Behältnis wurde vom Entnahmeteam der Monaldi-Klinik für den Weg zwischen den beiden Städten eingesetzt.
Nach ersten Analysen liegt das Hauptproblem jedoch weniger in der Art der Box selbst, sondern in dem verwendeten Kühlmittel. Demnach wurde das Herz offenbar mit Trockeneis gekühlt, das Temperaturen von bis zu minus 80 Grad Celsius erreicht, schreibt die Nachrichtenagentur Ansa.
Für den sicheren Organtransport ist jedoch eine konstante Hypothermie zwischen null und vier Grad zwingend erforderlich, die normalerweise durch herkömmliches Eis gewährleistet wird. Durch die extreme Kälte soll das Herz so schwer beschädigt worden sein, dass es bereits bei der Ankunft in Neapel unbrauchbar war. Dennoch wurde es dem kleinen Domenico transplantiert.
Nachdem man in ganz Europa nach einem zweiten Spenderherz Ausschau gehalten hatte, sprach sich zuletzt ein Expertengremium des Krankenhauses Monaldi gegen eine erneute Herztransplantation aus. Bereits das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom hatte zuvor diagnostiziert, dass das Kind wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens “nicht mehr transplantierbar” sei.




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