Gottfried Burkia erzählt von seinem schlimmen Mountainbike-Sturz oberhalb von Meran

“Ich hatte großes Glück im Unglück”

Freitag, 29. Dezember 2023 | 10:16 Uhr

Meran – Bereits drei Monate nach einem schweren Sturz mit dem Mountainbike ging es Gottfried Burkia wieder gut. Dies verdankte er einer optimalen Versorgung – angefangen von der Ersthilfe am Unfallort, über die erfolgreiche OP und Reha bis hin zur Physiotherapie. Nicht zuletzt half ihm sein eiserner Wille, mit dem er sich zurückkämpfte.

Ein schlimmer Sturz

An einem Samstagmorgen im Juni füllte Gottfried Burkia die Kaffeemaschine und deckte den Tisch, bevor er zu einer Mountainbiketour aufbrach. Wie so oft wollte er mit seiner Lebensgefährtin, die am Vormittag noch im Seniorenwohnheim arbeitete, nach seiner Rückkehr einen gemütlichen Kaffeeplausch halten. Doch dieses Mal kam alles anders.

Der 59-jährige durchtrainierte und erfahrene Radfahrer hatte die 1.000 Höhenmeter von Meran nach Hafling zurückgelegt und sich dort mit einem Cappuccino und Apfelstrudel belohnt, bevor er den Heimweg antrat. Vermutlich wurde ihm zum Verhängnis, dass sich seine Brille in der hellen Mittagssonne verdunkelt hatte und seine Sicht eingeschränkt war. So kam es, dass er im Tunnel zu weit nach rechts geriet, die Tunnelwand touchierte und mit hoher Geschwindigkeit zu Sturz kam. Von da an kann sich Gottfried an nichts mehr erinnern. Die Notruf-App, die er auf seinem Handy installiert hatte, startete infolge des Aufpralls automatisch die Notrufnummer 112 und so trafen die Ersthelfer rasch bei ihm ein.

Die Erstversorgung

Gottfried Burkia kam erst im Krankenwagen wieder zu sich. Als er hörte, dass der Notarzt mit dem Sanitäter besprach, ob sie den Hubschrauber rufen sollten, realisierte er, dass er einen schweren Sturz gehabt hatte. Als erstes versuchte er seine Beine zu bewegen und bat den Notarzt, seine Lebensgefährtin zu verständigen. „Ich sagte ihm meinen Code, um das Handy zu entsperren und bekam mit, dass sie mich in die Notaufnahme des Krankenhauses Bozen brachten. Außerdem hörte ich, dass der Notarzt meiner Partnerin sagte, dass es nicht so gut ausschaue.“ Mittlerweile wirkten die Medikamente, die ihm der Notarzt verabreicht hatte. Gottfried spürte keine starken Schmerzen und war ruhig und gefasst.

In der Notaufnahme des Krankenhauses Bozen ging alles sehr schnell. Gottfried Burkia wurde geröntgt und sein Kopf mittels Magnetresonanztomographie untersucht. Er hatte zwei Zähne verloren und zahlreiche Knochenbrüche erlitten; das Gesichtsbein, das Schlüsselbein und drei Rippen waren gebrochen. Außerdem war sein Schulterblatt zerschmettert und das Schambein gebrochen, was ihm die größten Schmerzen bereitete. Seine gesamte linke Körperhälfte war verletzt und blockiert. In der ersten Woche nach dem Unfall war Gottfried auf der Abteilung für Gefäß- und Thoraxchirurgie im Krankenhaus Bozen aufgenommen, diese Tage waren sehr anstrengend für ihn. „Wenn ich im Bett lag, war ich eigentlich schmerzfrei. Schlimm wurde es, wenn ich aus dem Bett herausmusste und zu Untersuchungen transportiert wurde. Gut, dass die Pflegerinnen und Pfleger immer sehr einfühlsam waren und mir dabei genügend Zeit ließen.“

Operation und Rehaaufenthalt

Zwei Tage nach dem Sturz wurde Gottfried Burkia vom Orthopäden des Südtiroler Sanitätsbetriebes Martin Köllensperger am Schlüsselbein operiert. Er bekam eine Platte mit sieben Schrauben eingesetzt und seine Schulter wurde für fünf Wochen ruhiggestellt, er durfte aber sofort mit der Physiotherapie beginnen.  Die Operation war gut verlaufen, trotz seiner schweren Verletzungen war Gottfried immer guten Mutes und zuversichtlich. „Ich denke, dass es für meine Lebensgefährtin schlimmer war als für mich selbst. Sie war nach dem Anruf des Notarztes sehr erschrocken und hatte mich noch auf der Notaufnahme gesehen, bevor meine Wunden verbunden und genäht waren. Ein besonders schlimmer Moment war für sie, als sie daheim die von mir vorbereiteten Kaffeetassen sah.“

Bereits eine Woche später kam Gottfried Burkia ins Therapiezentrum für stationäre Rehabilitation Salus in Prissian. Es war eine sehr intensive Zeit, am Vormittag hatte er Physiotherapie und Gruppengymnastik, nach dem Mittagessen Ergotherapie und Elektrotherapie und um 16:00 Uhr nochmals Physiotherapie. „Besonders die erste Woche war sehr schmerzhaft. Als Sportler bin ich jedoch ein Kämpfer und kann Schmerzen aushalten“, erinnert sich Gottfried. „Mir wurden wirklich viele Therapiemöglichkeiten geboten. Entscheidend ist, dass man diese nützt und fleißig mitmacht. Bald machte ich Fortschritte und das spornte mich weiter an. Meine Heilung kam schnell voran, obwohl ich auch Diabetiker bin, was die Genesung verzögern könnte.“ Auch in Bezug auf seine Diabeteserkrankung war Gottfried Burkia immer sehr ehrgeizig. Er erzählt, dass er wegen der Berechnung der Kohlenhydrate ein „halber Mathematiker“ sein müsse, aber mit der Zeit habe er gelernt damit umzugehen und seine Werte seinen gut unter Kontrolle und hätten demnach keinen Einfluss auf die Heilung der zahlreichen Wunden und Knochenbrüche gehabt.

Ambulante Physiotherapie

Nach vier Wochen intensiver Rehabilitation im Therapiezentrum Salus wurde Gottfried Burkia nach Hause entlassen. Als er daheim seine vom Unfall blutigen und zerrissenen Schuhe, Kleider und den Fahrradhelm sah, wurde ihm vor Augen geführt, wie schlimm der Unfall gewesen war. „Ich sagte mir, da hast du richtig Glück gehabt.“

Die Reha war noch lange nicht abgeschlossen, Gottfried Burkia ging nun zur ambulanten Physiotherapie ins Krankenhaus seiner Heimatstadt Meran. „Mit dem Physiotherapeuten Felix Stirner ging es nun so richtig los. Felix ist jung, ehrgeizig und modern eingestellt. Ich konnte immer gut mit ihm zusammenarbeiten“, erzählt Gottfried Burkia. „Er erklärte mir auch Übungen für zu Hause. In meinem Ehrgeiz habe ich anfangs zu viel trainiert, so dass mich Felix einbremsen musste. Andererseits sagte er mir, dass Physiotherapie auch schmerzhaft sein kann. Die Beweglichkeit der Schulter wurde durch die Therapie und einem gezielten Übungsprogramm wiederhergestellt.“ Gottfried Burkia trainierte vor allem seinen verletzten Arm, er übte mit Therabändern und Hanteln und benutzte zu Hause ersatzweise Flaschen, die mit eineinhalb Liter Wasser gefüllt waren. Er setzte sich auch regelmäßig auf sein Heimrad und versuchte so viel wie möglich spazieren zu gehen. Anfangs konnte er wegen der Schmerzen nur fünf Minuten lang gehen, aber Mitte September schaffte er schon eine 16 Kilometer lange Wanderung am Algunder Waalweg.

„Ich hatte großes Glück im Unglück“

Gottfried Burkia, der sich selbst als Optimisten bezeichnet, hatte großes Glück im Unglück. Bereits dreieinhalb Monate nach seinem schweren Sturz mit dem Mountainbike war er völlig schmerzfrei und hatte seine Beweglichkeit zu 100 Prozent wieder erlangt. Mit seinem eisernen Willen und Kämpfergeist hatte er seine Ärzte und seinen Physiotherapeuten erstaunt, denn in vielen Fällen – so die Fachleute – würde es bis zu zwölf Monate dauern, bis sich die Patienten von einem derart schweren Unfall erholt haben. Er konnte sogar seine Arbeit wieder aufnehmen – und das, obwohl er als Abteilungsleiter in einem Magazin für Befestigungstechnik auch körperlich anstrengende Arbeit verrichtet. Und sein liebstes Hobby, das Radfahren, möchte sich Gottfried Burkia auf keinen Fall nehmen lassen: „Ich musste meiner Lebensgefährtin versprechen, keine Mountainbike-Touren mehr zu machen. Ich habe aber bereits ein neues Rennrad bestellt und werde damit in der kommenden Saison fahren.“

sabes

Von: luk

Bezirk: Burggrafenamt

Kommentare
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Faktenchecker
2 Monate 4 Tage

Ein Hoch auf unsere Sanität.

krokodilstraene
krokodilstraene
Universalgelehrter
2 Monate 4 Tage

Unser Sanitätssystem ist nicht so schlecht wie es oft geredet wird!
Gottfried, alles Gute und weiterhin viel Spaß beim Radfahren.
Deine Willenskraft ist beispielhaft.

krokodilstraene
krokodilstraene
Universalgelehrter
2 Monate 4 Tage

ohne Worte… 😲😲

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 4 Tage

Ob nun Mountainbike oder Rennrad gefährlicher sind…hm! Hohe Geschwindigkeit erreicht man mit beiden und Fehler werden immer mal gemacht.

ieztuets
ieztuets
Universalgelehrter
2 Monate 4 Tage

Meiner Meinung isch s’Rennradl gfährlicher, weil dort größere Geschwindigkeiten gfohrn wearn plus die Gefohr von Autoverkehr… es tien ober viel mehr (ältere) Leute (e-)”biken” also mehr Unfälle, trotzdem olles Gute!

Wunder
Wunder
Superredner
2 Monate 3 Tage

Wenn’s grob fehlt, dasnn funktioniert es schon im Bozner Spital…
Bravo die Ärzte…

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