Von: apa
Am Landesgericht Salzburg ist am Montag ein Ex-Fußball-Nachwuchstrainer wegen einer Reihe von Missbrauchsvorwürfen zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Drei Monate davon wurden als unbedingte Strafe ausgesprochen, 15 Monate auf eine Probezeit von drei Jahren. Der 34-Jährige hatte etwa zahlreiche Burschen dazu aufgefordert, ihm Fotos ihrer Geschlechtsteile (“Dick-Pics”) oder Videos sexueller Handlungen auf Snapchat zu schicken. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Die Opfer waren dem Wunsch des Mannes vielfach nachgekommen. Zudem soll er zwei Burschen am Penis berührt haben – einen davon im Schlaf. In zwei Fällen dürfte der Flachgauer die erhaltenen Bilder und Videos auch weitergeschickt haben. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann zudem den Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vor, weil die Burschen unter seiner Aufsicht standen. Der bisher unbescholtene Angeklagte trainierte bis zum Auffliegen der ihm angelasteten Taten einen U16-Fußballverein im Flachgau. Die insgesamt 13 dokumentierten Opfer stammen alle aus dem Verein und waren zwischen zwölf und 16 Jahre alt, waren also teilweise noch unmündig. Passiert sind die Übergriffe zwischen Anfang 2022 und Anfang 2025.
Bis auf einen Vorwurf gab der Mann die Taten zu
Der 34-Jährige, der sich als bisexuell bezeichnete, zeigte sich im Prozess zu allen Vorwürfen geständig. Einzig das Delikt mit dem höchsten Strafmaß – den sexuellen Missbrauch einer wehrlosen, weil schlafenden Person – stellte er in Abrede. Er und das Opfer hätten nach einer Feier zwar gemeinsam auf einer Couch übernachtet. Die Beschuldigungen könne er sich jedoch nicht erklären.
Der Angeklagte war auch außerhalb seiner Funktion als Trainer mit den Jugendlichen in Kontakt. Er pflegte zu mehreren der jungen Spieler eine freundschaftliche Beziehung, stand als Ansprechpartner für familiäre und schulische Probleme zur Verfügung, holte sie teilweise nach dem Weggehen ab, organisierte Ausflüge. “Alles ohne verwerfliche Absichten oder sexuellen Hintergrund”, wie sein Verteidiger sagte. Leider hätten sich diese Beziehungen dann von einem harmlosen in ein verwerfliches, problematisches Verhalten gewandelt.
Der Anwalt meinte auch, die betroffenen Jugendlichen hätten auf die Aufforderungen seines Mandanten nicht reagieren und keine Fotos schicken müssen. “Das wäre mit keinen negativen Folgen für sie verbunden gewesen.” In einem Fall dürfte dann aber doch Druck im Spiel gewesen sein, wie sich im Verfahren herausstellte.
“Mein Fehlverhalten hat sich irgendwann normalisiert”
“Ich hab immer gewusst, dass es nicht ok ist, was ich tue”, sagte der 34-Jährige vor Gericht. “Ich möchte mich bei allen Beteiligten für mein Verhalten entschuldigen.” Begonnen habe es mit dem “Wahrheit oder Pflicht”-Spiel, das immer mehr ausgeartet sei. Er habe damals unter den Folgen einer Trennung gelitten und viel Alkohol getrunken. “Im Rausch ist dann die Hemmschwelle immer kleiner geworden, mein Fehlverhalten hat sich irgendwann normalisiert.” Er sei mittlerweile in psychotherapeutischer Behandlung und habe auch eine Sexualtherapie begonnen.
Der Prozess war ursprünglich auf zwei Tage anberaumt, das Urteil fiel aber schneller als erwartet. Die betroffenen Jugendlichen haben sich dem Verfahren mit Forderungen nach Schmerzengeld oder Teilschmerzengeld für die erlittenen seelischen Schmerzen angeschlossen.




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