Von: luk
Bozen – Die Strafe ist formell korrekt, der Ärger dennoch groß. Der bekannte Bozner Straßenmusiker Klaus Walter ist Anfang des Jahres von der Stadtpolizei in der Mustergasse bestraft worden, weil er dort ohne Genehmigung musiziert hatte. Grundlage ist das neue Straßenkunst-Reglement der Gemeinde Bozen, wie die Zeitung Alto Adige berichtet.
Walter, 69 Jahre alt, spielt seit mehr als 25 Jahren an derselben Stelle an der Kreuzung Mustergasse/Goethestraße die Zither, die Mundharmonika sowie ein Glockenspiel. Er ist quasi ein fixer Bestandteil des Stadtbilds und begeistert Einheimische wie Touristen.
Am 3. Januar gegen 17.30 Uhr kontrollierten Beamte der Stadtpolizei den Musiker und stellten fest, dass für den Auftritt keine Buchung über die vorgesehene App vorlag. Daraufhin wurde eine Verwaltungsstrafe verhängt, zusätzlich darf Walter für einen Monat keine Auftrittsflächen reservieren.
Das zugrunde liegende Reglement wurde am 11. Februar 2025 vom Gemeinderat beschlossen und ist seit Mai in Kraft. Es verpflichtet Straßenkünstler zur Anmeldung über eine App, legt fixe Auftrittsorte fest und begrenzt musikalische Darbietungen auf 45 Minuten. Derselbe Standort darf erst nach vier Tagen erneut gebucht werden. Bei Verstößen drohen Strafen zwischen 50 und 500 Euro.
Walter akzeptiert die Strafe, übt jedoch deutliche Kritik an den Regeln. “In der Mustergasse sind keine Flächen vorgesehen, obwohl ich dort seit Jahrzehnten spiele”, sagt er. Vorgesehene Zonen wie jene an der Talferbrücke seien wegen des Verkehrslärms unattraktiv. Zudem dauere der Aufbau und das Stimmen seiner Instrumente rund 40 Minuten – bei einer maximalen Spielzeit von 45 Minuten lohne sich ein Auftritt kaum.
Der Musiker ist in Bozen seit Jahrzehnten eine bekannte Figur. Bereits als Jugendlicher spielte er in der Musikkapelle von Neumarkt, später tourte er mit dem Dolomiten Sextett durch Europa. Seit 1980 betreibt er eine eigene Werkstatt in der Cavourstraße, in der er Instrumente aller Art repariert hat – darunter auch eine “Stradivari”.
“Ich mache seit Jahrzehnten alpenländische Musik”, sagt Walter. “Viele Gäste kommen auch deshalb wieder nach Bozen. Das Reglement sollte dieser Realität Rechnung tragen.”




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