Verwahrlosung nach Olympia

Bobbahn von Cortina: Schäden in Höhe von einer Mio. Euro

Mittwoch, 04. März 2026 | 12:21 Uhr

Von: luk

Cortina d’Ampezzo – Knapp eine Million Euro an Schäden müssen am Cortina-Sliding-Centre nach den Olympischen Spielen behoben werden. Das geht aus einer ersten Bestandsaufnahme nach Abschluss der Wettkämpfe hervor. Betroffen ist die Bobbahn, die in Rekordzeit von 399 Tagen für rund 118 Millionen Euro errichtet worden war.

Unmittelbar nach der Schlussfeier wurde die Anlage inspiziert. Techniker des Regierungskommissärs für Olympische Winterspiele 2026, Fabio Saldini – zugleich Geschäftsführer von Simico (Infrastruktur-Consortium für die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 in Italien) -, erstellten einen 45-seitigen Bericht, der inzwischen der Gemeinde übermittelt wurde. Derzeit liegt die Verwaltung des Zentrums bei der Kommune.

Bürgermeister Gianluca Lorenzi bestätigte den Eingang des Protokolls: “Bei den Überprüfungen sind einige kritische Punkte am Zustand der Anlage festgestellt worden.”

Beschädigungen und Mängel

Dem Bericht zufolge wurde unter anderem ein Kanalschacht beschädigt, offenbar durch ein zu schweres Fahrzeug. Zudem müssen provisorische Bauten abgebaut, Flächen gereinigt und Bereiche gesichert werden. Nach 15 Wettkampftagen herrsche teils “allgemeine Vernachlässigung” auf dem Gelände.

Konkret ist von zerrissenen Schutzplanen, defekte Messgeräte, verbogenen Rohren, fehlenden Schrauben, beschädigten Elektrokästen sowie zu sichernden Kabeln und reparaturbedürftigen Geländernetzen die Rede. Auch sensible Technik sei derzeit nicht ausreichend geschützt: Der Kontrollraum im Zielbereich soll zeitweise nicht verschlossen gewesen sein. Die eigentliche Bahnstruktur gilt jedoch als nicht beschädigt, wie der Corriere della Sera berichtet.

Den 45 Seiten des Berichts sind Fotos beigefügt, die die vorgefundenen Zustände dokumentieren.

Keine Verzögerungen vorgesehen

“Wir werden gemeinsam mit Simico und der Stiftung Milano Cortina eine Begehung durchführen”, kündigte Bürgermeister Lorenzi an. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Stiftung alle Mängel beheben werde.

An den bereits vor den Spielen definierten Fristen werde nicht gerüttelt. “Im Oktober beginnen Training und Wettkämpfe, bis dahin muss alles in Ordnung sein”, so Lorenzi. Andernfalls könnte das wirtschaftliche Gleichgewicht der olympischen Nachnutzung ins Wanken geraten: Der Betrieb des Sliding Centres wird jährlich rund 1,1 Millionen Euro kosten.

Kritik von Umweltgruppen

Kritik kommt erneut von Umweltaktivisten, die sich seit Jahren gegen die Bobbahn ausgesprochen hatten. Roberta De Zanna von der Bürgerliste “Cortina Bene Comune” erklärte, man habe zwar mit Problemen nach den Spielen gerechnet, “aber nicht damit, dass sie so früh zutage treten”.

Die Gemeinde habe deshalb gut daran getan, eine Anwaltskanzlei mit der rechtlichen Begleitung der Beziehungen zu Simico und der Stiftung Milano Cortina zu beauftragen, insbesondere im Hinblick auf mögliche verwaltungsrechtliche Verfahren im Zusammenhang mit den Spielen.

Indes ist das olympische Kapitel noch nicht abgeschlossen: Die paralympische Flamme ist bereits in Cortina eingetroffen, und mit der Eröffnung der Paralympischen Spiele rückt die Region erneut ins internationale Rampenlicht. “Wir hoffen, dass alle Athleten anreisen und ihre Wettkämpfe nach vier Jahren Vorbereitung genießen können”, so Bürgermeister Lorenzi mit Blick auf die angespannte internationale Lage.

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