Die Sorge wird größer

Kaltern: Bürger stehen gegen rechtsextreme Schmierereien auf

Freitag, 21. August 2026 | 15:49 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Kaltern – Nach dem Auftauchen rechtsextremer Schmierereien an mehreren Gebäuden in Kaltern haben sich zehn Bürgerinnen und Bürger öffentlich gegen die Vorfälle positioniert. Sie fordern den Einsatz für demokratische Werte, Prävention und ein friedliches Zusammenleben.

Unter anderem am „Haus der Vereine“, dem ehemaligen Spital am Marktplatz, wurden nach Angaben der Unterzeichner rechtsextreme Symbole und Parolen angebracht. Genannt werden ein Hakenkreuz, der Schriftzug „Sieg Heil“ sowie die Zahl „88“, die in rechtsextremen Kreisen als Chiffre für „Heil Hitler“ verwendet wird. Auch der Schriftzug „Aktverein“ sei aufgetaucht.

Die Unterzeichner erklären, sie seien keine Organisation und würden keine Partei vertreten. Es handle sich vielmehr um Bürgerinnen und Bürger, denen das Zusammenleben im Dorf und ein respektvolles Umfeld für Kinder und Jugendliche wichtig seien.

In ihrer Stellungnahme verweisen sie auf den sogenannten „Aktverein Kaltern“. Dieser sei in der jüngeren Vergangenheit bereits durch rechtsextreme beziehungsweise nationalsozialistische Propaganda, den Hitlergruß und die sogenannte „White-Power“-Geste aufgefallen. Die Vorwürfe werden in der Erklärung den mutmaßlichen Aktivitäten der Gruppe zugeschrieben.

Aufruf zu Prävention und Dialog

Die Bürgerinnen und Bürger warnen davor, bei rechtsextremen Aktivitäten wegzusehen. Kaltern stehe für Weltoffenheit, Begegnung und friedliches Zusammenleben. Deshalb rufen sie die Bevölkerung, Vereine sowie die kirchlichen und politischen Akteure dazu auf, sich gemeinsam für Prävention und Maßnahmen gegen Radikalisierung einzusetzen.

Gleichzeitig richtet sich die Erklärung direkt an die Jugendlichen, die hinter den Schmierereien stehen könnten. Man sei bereit zum Dialog und wolle ihnen die Hand reichen, heißt es. Ziel müsse es sein, den Weg aus Radikalisierung und Gruppenzwang zu finden.

Als historisches Vorbild nennen die Unterzeichner den Südtiroler Josef Mayr-Nusser, der während der NS-Zeit den Eid auf Hitler verweigerte. Zudem zitieren sie den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der wegen seiner Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1945 hingerichtet wurde.

“Das Hakenkreuz und der Hitlergruß sind keine harmlosen Provokationen, sondern Symbole, die für brachiale Gewalt gegen Menschen, unvorstellbare Unterdrückung und millionenfachen Mord stehen. Wir lassen uns von regionalen Vorbildern wie dem Südtiroler Josef Mayr-Nusser leiten, der aus tiefer Glaubensüberzeugung und mit enormer Zivilcourage den Eid auf Hitler verweigerte. Wir erinnern an die mahnenden Worte von Dietrich Bonhoeffer, der wegen seiner christlichen Überzeugung hingerichtet wurde: ‘„Schweigen angesichts des Bösen ist selbst ein Böses'”, heißt es in dem Schreiben.

Unterzeichnet wurde die Erklärung von Günther Andergassen, Markus Felderer, Andreas und Brigitte von Lutterotti, Gabi und Günter Morandell, Thomas Obermayr, Herta Petermair, Oswald Rogger und Christiane Spitaler.

Bezirk: Überetsch/Unterland

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