"Verbesserungsbedarf bei Forschungsdesign"

Kritik am Südtiroler Pestizid-Monitoring auf öffentlichen Spielplätzen

Montag, 19. April 2021 | 12:29 Uhr

Bozen – “Unabhängige Wissenschaftler zeigen Mängel in der Methodik der Pestizid-Monitorings der Südtiroler Umweltmedizin auf.” Zu dieser Erkenntnis gelangt die Umweltschutzgruppe Vinschgau, die die unabhängige Umweltwissenschaftlerin Caroline Linhart beauftragt hatte, die Daten zu den Pestizid-Rückständen auf Spielplätzen von 2020 mit jenen von 2018/2019 zu vergleichen.

Auch wenn es, wie Landesrat Arnold Schuler im Oktober 2020 mitgeteilt hatte, stimme, dass im Vorjahr 33 verschiedene Wirkstoffe und im Jahr 2020 nur zehn nachgewiesen wurden, so sei der Vergleich nicht konsistent und bilde den tatsächlichen Rückgang der Belastung nicht korrekt ab. „Denn von den 37 beprobten Spielplätzen im Jahr 2020 stimmen nur 45 Prozent mit den Probeorten aus 2018/2019 überein“, erläutert die Umweltepidemiologin Linhart.

Diese Informationen waren Inhalt des Webinars vom 16. April 2021, welches die Vinschger Umweltschutzgruppe in Kooperation mit acht Umweltorganisationen und der Unterstützung der Urania Meran realisiert hatte. Unter dem Titel „Pestizid-Monitoring in Südtirol – Hinweise für eine chronische Belastung?“ wurden verschiedene Aspekte des Spielplatz-Monitorings des Südtiroler Sanitätsdienstes unter die Lupe genommen.

Dass die Risiken und Auswirkungen durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Mensch und Umwelt verringert werden müssen, sei spätestens seit dem In-kraft-Treten der EU-Richtlinie zur nachhaltigen und sicheren Anwendung von Pflanzenschutzmitteln aus dem Jahre 2009 bekannt. “Italien hat diese Richtlinie 2012 mit dem Nationalen Aktionsplan (NAP) umgesetzt. Ein Ziel des NAP ist es, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln auf Agrarflächen, in deren Nähe sich sensible Personengruppen (Kinder, schwangere Frauen, ältere Menschen…) häufig aufhalten, zu verringern. In Südtirol werden erst seit 2018 vom Sanitätsbetrieb die Pestizid-Rückstände auf öffentlichen Spielplätzen untersucht”, heißt es in einer Aussendung.

Die Forscherin C. Linhart stellte unter anderem fest, dass die Methodik nicht konsistent ist: “Anzahl und Auswahl der Spielplätze unterscheiden sich in den beiden Jahren, ebenso die Probenahme. Letztlich sei auch eine Auswertung der Daten, die sich nicht auf die untersuchten Spielplätze, sondern nur auf die Wirkstoffe bezieht, irreführend,“ gibt die Umweltepidemiologin Linhart zu bedenken. “Beim Vergleich fiel auf, dass die Captan-Belastung  auf dem Spielplatz Tartsch (Mals) im Sommer 2020  um ein Acht-faches höher war als im Sommer 2019.”

Ziel von Linharts Analyse war es Verbesserungsvorschläge für ein einheitliches und vergleichbares Monitoring von Spielplätzen in Südtirol vorzustellen. „Die Anzahl der untersuchten Spielplätze sollte auf Basis einer Fallzahlanalyse erhöht werden und die Probenahme vorwiegend im Frühling und Sommer erfolgen,“ so lauteten die zwei zentralen Empfehlungen der Wissenschaftlerin. Wichtig für ein evidenzbasiertes Monitoring sei es im weiteren, die Witterungsverhältnisse zu berücksichtigen und die Zeiträume von der Ankunft der Proben im Labor zur Analyse sehr kurz zu halten.

Der Toxikologe Peter Clausing (Deutschland) widerlegte durch Verweise auf die EU-Datenbank die Aussage im Monitoringbericht 2020, wonach krebserregende, erbgutschädigende, die Fortpflanzung-schädigende und Hormon-schädigende Wirkstoffe nicht im Umlauf seien.

Lino Wegher, (Bozen), Verantwortlicher der Monitorings, gab sich hingegen weiterhin von der Korrektheit seiner Aussage im Monitoringbericht  und seines Forschungsdesigns überzeugt.

Die Leiterin des Krebszentrum Ramazzini, Fiorella Belpoggi (Bologna) ging auf neueste Studien ein, wonach auch Mengen unter den Grenzwerten gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

Katia De Gennaro moderierte im Anschluss daran die kurze, spannende Diskussion.

Die  Umweltschutzgruppe Vinschgau appelliert an die Verantwortlichen die Verbesserungsvorschläge für künftige Monitorings aufzunehmen und das Forschungsdesign an  wissenschaftlichen Standards auszurichten.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

21 Kommentare auf "Kritik am Südtiroler Pestizid-Monitoring auf öffentlichen Spielplätzen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Oracle
Oracle
Tratscher
19 Tage 1 h

… Übrigends, die Pestizide werden immer noch von der EU-Lebensmittelbehörde nach einer langen Zulassungsphase genehmigt. Für mich hat diese Behörde sicherlich das Fachwissen und die Erfahrung, um dies zu bewerten, mitsamt auch dem zuständigen Ministerium. Habe den Eindruck, Die Unweltgruppe sucht sich da Experten, die dann das finden, was man finden will….

@
@
Superredner
18 Tage 22 h

Pestizidhersteller wie Bayer, BASF und Syngenta versuchen durch massiven Lobbyismus Einfluss auf die EFSA ( Europäische Lebensmittel Behörde) zu nehmen. So wurde die ehemalige Vorsitzende des EFSA-Verwaltungsrats, Diána Bánáti abgeworben und wechselte zur Lebensmittellobby. Dies konterkariert die Bemühungen der European Food Safety Authority (EFSA) um bessere Standards zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit gegenüber Lobbyeinflüssen. Sich also auf die Bewertung der EFSA zu berufen, ist schon ein bisschen naiv

Oracle
Oracle
Tratscher
18 Tage 21 h

naiv, … naja, ich habe immerhin mehr Respekt vor einer EU-Behörde als einer Umweltgruppe, die nur über andere urteilt. Wenn sie der Meinung sind, EFSA-Beamte sind käuflich, dann schalten sie die Gerichtsbarkeit ein, oder?

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

Hallo @,

wer Versatzstücke aus anderen Artikeln wortwörtlich übernimmt sollte fairerweise auch seine Quellen angeben.

https://bienen-nachrichten.de/2020/pestizid-lobby-macht-druck-bei-eu-kommission/657
https://www.lobbycontrol.de/2012/05/eu-parlament-rugt-lobbyverflechtungen-bei-der-eu-lebensmittelbehorde-efsa-vorsitzende-nimmt-lobbyjob-an/

Auf Wiedersehen in Südtirol

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
18 Tage 20 h

Absolut ihrer Meinung. Sprechen wir mal über den Zweck von Pflanzenschutzmitteln!

Oracle
Oracle
Tratscher
19 Tage 5 Min

… über 70 Jahre bedachter umsichtiger Umgang mit Pflanzenschutzmittel im Obstbau in Südtirol ist ein Erfolgsmodell und dazu hat Südtirol Eu-weit eine der höchsten Lebenserwartungen! Irgendwo kann ich deshalb den Argumenten der Umweltgruppe nicht recht folgen. 70 Jahre Tatsachen gegen mögliche vielleicht könnte etwas passieren Umstände…

hundekot
hundekot
Grünschnabel
18 Tage 21 h

Südtirol machts nicht schlecht aber man kann sich immer noch verbessern.

hundekot
hundekot
Grünschnabel
18 Tage 21 h

Trotz allem sehr hohe Kinderkrebsrate aus unbekannten Gründen.

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
18 Tage 20 h

Ja Caffe ist schuld! Und Rotes Fleisch

peterle
peterle
Universalgelehrter
18 Tage 18 h

@Oracle
70 Jahre? Hier scheints waren Sie die ersten 35 Jahre Jahre entweder nicht präsent oder waren überhaupt noch nicht geboren!

poison
poison
Grünschnabel
18 Tage 22 h

lost die bauern entlich in rua

Oracle
Oracle
Tratscher
19 Tage 24 Min

… täglich rollen 1000de Fahrzeuge über den Vinschgau und verbrennen in ihren Motoren krebserregende Treibstoffe, dessen Abgase in der Luft landen. Wo bleibt da die Umweltgruppe? Wahrscheinlich fahren diese Damen und Herren auch Auto und nehmen auch noch Kinder mit, deshalb kein Problem?

Chrys
Chrys
Tratscher
18 Tage 18 h

Interessant, dass sich niemand über die schlechten Luftwerte in Latsch beklagt. Die könnten doch auch einmal von all den Umweltgruppen angeprangert werden.

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
18 Tage 23 h

Hallo nach Südtirol,

der Kunde will schöne Äpfel. Schön bunt, schön makellos und vor allem schön billig.
Das geht aber leider nur mit intensivem Ackerbau. Und einige “Spritztouren” dienen ausschliesslich der “Schönheit” der Früchte.
Das ist moderner Ablasshandel dieser Umweltorganisationen, man redet der Allgemeinheit die Mär vom billigen Lebensmittel ohne Umweltfolgen ein, sammelt dafür fleissig Spenden und prügelt öffentlichkeitswirksam auf die Erzeuger ein. Dafür müssen es auch immer “Kinderspielplätze” sein.

Warum demaskieren sich diese Gruppen nicht und versuchen sich selbst einmal auf dem freien Markt in der gewinnbringenden Produktion von Feldfrüchten nach ihren Vorstellungen?

Auf Wiedersehen in Südtirol 

Faktenchecker
18 Tage 21 h

“Forschungsarbeit deckt Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und Parkinson auf

https://cordis.europa.eu/article/id/27763-research-reveals-link-between-pesticide-use-and-parkinsons/de

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
18 Tage 20 h

Sie betreiben Gonzojournalismus!

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
18 Tage 18 h

Hallo @Spiegel,

eines der üblichen eilig zusammengegoogelten “Nachforschungen” dieses Teilnehmers.
Natürlich ohne jedwedes weiteres Interesse am eigentlichen Inhalt und losgeschickt in der Hoffnung niemand liest da wirklich nach..
Studie ist aus 2007
Befragt wurden Menschen in Schweden,Malta,Italien und Rumänien.

Im Ergebnis: Parkinson wird durch dauerhafte Pestizidbelastung mit 1,09 mal höherer Wahrscheinlichkeit ausgelöst als bei Vergleichspersonen, das liegt im Bereich der statistischen Ungenauigkeit, Zweifach bis dreifach erhöhte Risiken bestehen bei Kopfverletzungen und erblichen Vorbelastungen.

Gonzojournalismus ist ein Lob für dieses Gebaren, es geht um Hetzen und Provozieren

Auf Wiedersehen in Südtirol

Sag mal
Sag mal
Kinig
18 Tage 15 h

@Andreas1234567 trauen Sie Sich nach Südtirol zu ziehn dann reden Wir nach einem Jahr wieder ob Ihre Ansicht die Gleiche ist.🙄

Offline
Offline
Universalgelehrter
18 Tage 20 h
Ich schätze Denjenigen, die sich für eine gesunde und lebenswerte Umwelt einsetzen. Aber es ist zu einfach, sich eine Gruppe von “Verschmutzern” auszusuchen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es eine flächendeckende Versorgung Aller mit BIO-Lebensmitteln nie, oder auf absehbare Zeit nicht, geben wird. In erster Linie sind die (Vinschger) Obstbauern die von den Ansprüchen der Verbraucher Getriebenen. Äpfel, wie ich sie aus meiner Kindheit bei Freunden in Südtirol und heute noch aus meinem Garten kenne, kauft heutzutage kein Mensch mehr. Größe, Farbe, Geschmack, alles den Verbraucherwünschen angepasst und gezüchtet. Und dass die Bauern und ihre Mitarbeiter von… Weiterlesen »
Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
18 Tage 19 h

Hallo @offline,

da wird aber einer wach wenn seine Obstbauerngastgeber mit Dreck beschmissen werden.
Freut mich zu lesen..

Auf Wiedersehen in Südtiroll

Oracle
Oracle
Tratscher
18 Tage 20 h

…. 70 und mehr Jahre Pflanzenschutzmitteleinsatz im südtiroler Obstbau, Generationen von Bauern, die tagtäglich in den Obstwiesen arbeiten und sind durchschnittlich nicht kränklicher als andere, die einige Male im Jahr an Kinderspielplätzen verweilen…

wpDiscuz