Von: APA/AFP
Einen Tag nach dem tödlichen Messerangriff auf den Mitarbeiter einer Bank in Regensburg ist der 20-jährige Tatverdächtige wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft genommen worden. Das teilten die Ermittler in der bayerischen Stadt am Freitag mit. Das mutmaßliche Tatmotiv war demnach noch nicht klar. Der Verdächtige zeigte dem Getöteten einen Zettel vor und griff diesen laut derzeitigem Stand fast umgehend an.
Die Motivlage des Täters sei aktuell “noch relativ unklar”, sagte der Chef der zuständigen Kriminalpolizei, Robert Fuchs, vor Journalisten. Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe der Mann dem Bankmitarbeiter in einem Kundenwarteraum einen Zettel vorgezeigt, auf dem “unter anderem etwas von einem Überfall und einem Bankraub” gestanden habe.
Danach habe er ein Küchenmesser hochgehalten und den hinter einem Tresen sitzenden Bankmitarbeiter “relativ schnell” angegriffen und ihm mehrere Messerstiche versetzt. Eine Chance, dem mutmaßlichen Täter Geld auszuhändigen, habe das Opfer aufgrund des Zeitablaufs gar nicht gehabt, sagte Fuchs unter Verweis auf Videoaufzeichnungen aus der Bank.
Zeugen halfen dem Opfer
Der schwer verletzte Bankmitarbeiter wurde laut Ermittlern nach der Tat von Zeugen, darunter einem in der Bank anwesenden Kundenehepaar mit einem wenige Monate alten Kind, in einen anderen Raum gezogen. Der Verdächtige begab sich demnach in den hinteren Bereich der Filiale, während Anwesende per Notruf die Polizei verständigten. Spezialkräfte nahmen den 20-Jährigen nach etwa drei Stunden demnach “widerstandslos” im Bereich einer Toilette innerhalb der Bank fest.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erließ eine Haftrichterin am Freitag antragsgemäß einen Untersuchungshaftbefehl wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter schwerer räuberischer Erpressung gegen den Beschuldigten. Er kam in eine Justizvollzugsanstalt. Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Verdächtigen gebe es derzeit nicht, sagte Behördenvertreter Thomas Schug am Freitag. Dieser werde aber im weiteren Verlauf routinemäßig psychiatrisch begutachtet werden.
Laut Polizeiangaben gelang es den Zeugen, den verletzten Mitarbeiter und sich selbst mit Unterstützung von Einsatzkräften über ein Fenster aus dem Gebäude in Sicherheit zu bringen. Der von den Ermittlern nicht näher identifizierte Mann starb aber später in einer Klinik.
370 Beamte im Einsatz
Weitere zwei Bankmitarbeiter wurden demnach im Rahmen des folgenden stundenlangen Großeinsatzes von Einsatzkräften “ohne Täterkontakt” aus der Filiale evakuiert, bevor Spezialkräfte zugriffen. Im Einsatz waren in der Spitze rund 370 Beamte. Am Donnerstag war zunächst nicht ganz klar, ob es zu einer Geiselnahme gekommen sein könnte. Das hatte die Polizei allerdings bereits während des Einsatzes ausgeschlossen.
Laut Ermittlern war der Verdächtige, ein deutscher Staatsbürger, bei der Polizei bereits mehrfach aktenkundig. Demnach entfällt eine Vielzahl der Einträge auf kurzzeitige Vermisstenmeldungen wegen Abgängen aus Jugendhilfeeinrichtungen. Die Stadt Regensburg verhängte gegen ihn 2023 ein Waffenbesitzverbot, nachdem er bei zwei Kontrollen mit einem Messer und einem Elektroschockgerät erwischt worden war.
Erst in der Nacht auf Mittwoch hatte sich der Mann demnach außerdem selbst auf einer Polizeiwache in Regensburg gemeldet und unter anderem angegeben, er habe soeben eine Bierflasche in deren Innenhof geworfen. Er kam in Gewahrsam, Haftgründe lagen allerdings nicht vor. Laut Polizei lebte der Mann die vergangenen zwei Jahre in Berlin und kehrte erst im Juni nach Regensburg zurück. Die Ermittler wollten unter anderem Erkenntnisse über ihn bei anderen Behörden abfragen.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen