Auch Tag danach laufen die Arbeiten weiter

Nach Einsturz des Gerichts: Statiker schließt weitere Schwachstellen nicht aus

Freitag, 17. Juli 2026 | 16:15 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Arbeiten auf dem Gerichtsplatz gehen weiter, nachdem im Morgengrauen des 16. Juli ein großer Teil des Gerichtsgebäudes in Bozen eingestürzt ist.

Die Landestechniker und die Berufsfeuerwehr der Landesagentur für Bevölkerungsschutz arbeiten ununterbrochen daran, die Sicherheit im Bereich des Gerichts zu gewährleisten.

LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz

Oberste Priorität: Arbeit der Justizämter soll weitergehen

Die oberste Priorität, über die sowohl auf technischer Ebene als auch in der Sitzung der Landesregierung am Freitag, 17. Juli, beraten wurde, besteht darin, die Arbeitsplätze alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich im Gerichtsgebäude arbeiten, umzusiedeln, damit die Arbeit des Gerichts weiter gehen kann.

Die Landesabteilung Vermögensverwaltung hat, noch am Donnerstagnachmittag eine Bekanntmachung veröffentlicht, über die nach einer Immobilie gesucht wird, in der 150 bis 200 Personen in Büros untergebracht werden können. Die Bekanntmachung ist auf dem auf dem Ausschreibungsportal AOV unter Ausschreibungen, Auftragsvergaben und Marktrecherchen einsehbar.

Befasst hat sich die Landesregierung auch mit der Suche nach einem Ersatzstandort für das Amt für Sprachgruppenzugehörigkeit. Dieses Amt gehört zu den grundlegenden Einrichtungen für das Funktionieren der Südtiroler Dienste. Es müsse dringend ein neuer Standort gefunden werden. Um Wettbewerbe, Ausschreibungen und Verwaltungsverfahren fortsetzen zu können, hat Landeshauptmann Arno Kompatscher am Freitag eine Dringlichkeitsmaßnahme erlassen.

Weiterer Lokalaugenschein – Aufräumarbeiten und Abdeckung

Am späten Freitagvormittag hat sich Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi nochmals mit den Technikern und Feuerwehrleuten ein Bild vom Ort des Einsturzes gemacht.

„Nachdem die Angst der ersten Stunden von gestern überwunden ist, gehen die Arbeiten ununterbrochen weiter. Der Bagger wird die Trümmer weiter entfernen. Die Sicherung des Gebäudes bleibt ein zentrales Ziel. Die Decken werden genau überprüft, um das darunterliegende Archiv zu schützen. Gleichzeitig wird alles unternommen, um die Fassade zu sichern“, erklärt Landesrat Bianchi.

LPA/Agentur für Bevölkerungsschutz

Am Wochenende beginnt außerdem die Abdeckung des Gebäudes durch die Berufsfeuerwehr. Dafür wurden bereits Geotextilplanen beschafft. Die Ursache des Einsturzes wird weiterhin untersucht.

Statiker vermutet Materialeinsparungen als Ursache

Nach dem unvorhergesehenen Teileinsturz des Bozner Justizpalastes stehen die Ermittler vor Rätseln. Der bekannte Bozner Tragwerksplaner und Statiker Ulrich Kauer äußerte sich nun erstmals zu den möglichen Hintergründen des Unglücks.

„Ein so massiver und plötzlicher Einsturz ist definitiv außergewöhnlich“, erklärte Kauer laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa. „Jetzt sind die Gutachter am Zug. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob ein bestimmtes Bauteil der Struktur nachgegeben und dadurch eine Kettenreaktion ausgelöst hat.“

Der Experte betonte, dass Eingriffe an bestehenden historischen Gebäuden – wie dem im Jahr 1939 errichteten Justizpalast – eine „äußerst gründliche Bestandsaufnahme der gesamten bestehenden Struktur“ erfordern. Da Baumaterialien vor fast einem Jahrhundert sehr teuer waren und gleichzeitig eine hektische Bautätigkeit herrschte, sei es damals nicht ungewöhnlich gewesen, an den Materialien zu sparen.

Nach Ansicht von Kauer muss die Statik der beiden noch stehenden Seitenflügel nun mit größter Sorgfalt überprüft werden. „Da das gesamte Gebäude als bauliche Einheit errichtet wurde, muss eine potenzielle Überlastung genau einkalkuliert werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die verbleibenden Säulen in derselben Bauweise ausgeführt wurden. Daher könnten auch die noch bestehenden tragenden Elemente Schwachstellen aufweisen“, warnte der Statiker abschließend.

Bezirk: Bozen

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