Von: APA/dpa
An dem vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Wal ist ein Sender befestigt worden. Das teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) in Kirchdorf mit. Wer den Sender angebracht habe und wie genau er befestigt worden sei, wisse er noch nicht. Das müsse die private Initiative, die für den Bergungs- und Rettungsversuch zuständig ist, noch erklären. Im Laufe des Abends soll den Angaben zufolge versucht werden, dem Wal eine “Animationsfütterung” anzubieten.
Dabei gehe es um 2,5 Kilogramm Makrele. Normalerweise nehme ein Wal etwa eine Tonne Nahrung am Tag auf, so Backhaus. Dem Wal gehe es den Umständen entsprechend, und er sei schwimmfähig. Allerdings sei er relativ kurzatmig. Das habe man auch in der Nacht bemerken können. “Wir begleiten ihn”, betonte der Minister, der das Tier in der Nacht an Bord eines Bootes beobachtet hatte.
Korsett soll Abrutschen ins Flachwasser verhindern
Zudem soll eine Art Korsett aus sechs oder mehr großen Sandsäcken aufgebaut werden, damit er nicht weiter in die Flachwasserzone rutscht. In der vergangenen Nacht habe sich das Tier infolge des Drucks von Wind und Wellengang etwa 80 Meter im “Rückwärtsgang” bewegt, sagte Backhaus. Die sogenannten Bigpacks sollen demnach im Rücken des Wals aufgestellt werden. Sie sollen verhindern, dass er sich noch weiter von der möglicherweise rettenden Fahrrinne entfernt. “Er braucht ja nicht viel, um in tieferes Wasser zu kommen”, sagte Backhaus.
Die Idee für das Setzen der Bigpacks kam dem Minister zufolge von Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die inzwischen eine Leitungsfunktion innerhalb der privaten Wal-Rettungsaktion eingenommen habe. “Sie hat eine Struktur geschaffen, mit der wir gut arbeiten können”, sagte der Minister.
Eingeflogene Tierärztin reiste wegen Streitereien ab
Davor war Saug- und Spülgerät eingesetzt worden, um den Wal zu entlasten. Wegen des gesunkenen Wasserstands ragt das Tier weiter aus dem Wasser und sein Gewicht drückt stärker auf seine inneren Organe.
Unterdessen verließen nach der gescheiterten Hilfsaktion vom Vortag mehrere Teammitglieder die private Initiative zur Rettung des Wals oder fallen vorerst aus. Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde am Montag mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht, wie Backhaus sagte. Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. “Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist”, sagte Backhaus. Zuvor hatten Medien berichtet, dass Jenna Wallace wegen Differenzen im Team abgereist sei.
Gescheiterter Versuch am Montag
Der Wal war – nachdem er drei Wochen an einer Stelle gelegen hatte – Montagfrüh bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen. Von Booten aus war versucht worden, ihn Richtung Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden stoppte das womöglich schwer erschöpfte Tier aber. Seither liegt der Wal an der gleichen Stelle nahe dem tieferen Fahrwasser.
Am Dienstagvormittag nahmen Mitglieder der privaten Initiative ihre Arbeiten am Wal wieder auf. In den Livestreams war zu sehen, wie Menschen in Neoprenanzügen durch das flache Wasser zu dem Meeressäuger waten. Mit Hilfe von Paddeln und mit bloßen Händen bespritzten sie das Tier mit Wasser. Später fuhr ein Schiff mit schwerem Gerät in die Nähe, die Spülversuche starteten.
Auch solle dem rund zwölf Meter langen Meeressäuger Nahrung angeboten werden, hieß es von Backhaus. Dabei handle es sich um Hering und Shrimps. Der Wal sei natürlich in einem kritischen Zustand, sei aber dennoch vital und habe eine Chance.
Experte rät, Wal “strikt in Ruhe zu lassen”
Die Lage des Buckelwals verschlechterte sich nach Einschätzung des Berliner Walforschers und Meeresbiologen Fabian Ritter zuletzt. “Der ragt tatsächlich deutlich weiter aus dem Wasser. Das ist keine gute Sache”, sagte er. “Jeder Zentimeter bringt ihn in eine Situation, wo er mehr unter seinem eigenen Gewicht leidet.” Das Tier scheine nun auf Grund zu liegen und nicht weg zu können, sagte Ritter.
“Ich empfehle, diesen Wal jetzt einfach strikt in Ruhe zu lassen”, bekräftigte er. “Wir Menschen scheinen das nur schwer aushalten zu können.” Aus Sicht des Teams vor Ort sei das nachvollziehbar. “Die wollen diese Rettung. Die haben einen Teil der Bevölkerung auch hinter sich”, sagte Ritter. “Aber ich glaube, es geht mittlerweile tatsächlich am Wohl des Wals vorbei.”
Es handle sich letztlich um eine ethische Frage: “Wollen wir weiter eingreifen und das Risiko eingehen, ihn noch mehr zu schädigen, zu stressen und zu schwächen und sein Leiden möglicherweise noch zu erhöhen?” Oder sage man: “Wir lassen jetzt die Finger weg und der Natur ihren Lauf, nachdem wir tatsächlich so gut wie alles probiert haben und gemerkt haben, es funktioniert nicht?”




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