97-Jährige in Bozen Opfer raffinierter Masche

Techniker oder Dieb?

Mittwoch, 06. Mai 2026 | 08:15 Uhr

Von: luk

Bozen – Mit einer perfiden Masche hat ein bislang unbekannter Täter am Montagvormittag eine 97-jährige Frau in ihrer Wohnung in der Bozner Montellostraße bestohlen. Der Mann gab sich als Techniker aus, der zur Ablesung der Wasserzähler vorbeikommt. Dabei nutzte das Vertrauen der Seniorin schamlos aus.

Gegen 11.30 Uhr klingelte der Unbekannte an der Tür der betagten Frau. Im Eingangsbereich des Wohnhauses hatte die Hausverwaltung zuvor tatsächlich einen Aushang angebracht, der eine bevorstehende Zählerablesung ankündigte. Entsprechend arglos öffnete die Frau die Tür.

Der Mann, der allein unterwegs war und fließend Italienisch sprach, verwickelte die Seniorin in ein Gespräch und behauptete schließlich, die Wasserzähler befänden sich “hinter dem Tresor”. Die Frau zeigte ihm daraufhin den Safe und übergab ihm sogar die Schlüssel.

Was dann geschah, ist selbst für die Angehörigen kaum nachvollziehbar. “Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Vielleicht hat er sie irgendwie hypnotisiert. Meine Mutter ist zwar sehr alt, aber geistig völlig klar”, sagt die Tochter der Geschädigten.

Der Täter öffnete den Tresor, entdeckte drei große Schachteln mit Familienschmuck und nahm sie an sich. Um die Beute besser zu verstauen, leerte er sogar eine Tüte mit Keksen aus und nutzte diese als Transporthilfe. Anschließend verließ er die Wohnung, ohne sich zu verabschieden, und verschwand spurlos.

Erst in diesem Moment begriff die Seniorin, was geschehen war. Sie rief um Hilfe, doch niemand hörte sie. Die Familie erstattete umgehend Anzeige bei den Behörden.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich nicht um einen Einzelfall. “Solche Taten kommen derzeit häufiger vor”, heißt es. Oft seien es professionelle Täter, die mit dem Zug anreisen, gezielt zuschlagen und noch am selben Tag wieder abreisen.

Auch der Präsident des Kondominiumsverwalter-Verbands Anaci, Marco Lombardozzi, bestätigt die Entwicklung: “Diebstähle und Betrugsfälle gehören leider fast zum Alltag in der Stadt.” Zwar würden Hausverwaltungen über Einsätze informieren und in der Regel auch die Namen der beauftragten Personen angeben, dennoch sei Vorsicht geboten. “Die Aufmerksamkeit muss immer sehr hoch bleiben, auch wenn das leider nicht immer ausreicht”, so Lombardozzi.

Die Familie der 97-Jährigen hofft nun, dass ihr Fall andere sensibilisiert: “Es ist wichtig, darüber zu sprechen, damit nicht noch mehr Menschen auf solche Tricks hereinfallen.” Ihre Tochter erklärt gegenüber der Zeitung Alto Adige: “Immer wenn derartige Geschichten in den Nachrichten kamen, stellte sie die Frage, wie man so leichtgläubig in die Falle tappen könne.” Nun habe es leider sie erwischt.

Bezirk: Bozen

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