In der Nacht vom 11. auf den 12. Juli vor 100 Jahren starb der Welschtiroler Battista Daprà.

Tirol erinnert an das zweite Opfer des Bozner Blutsonntages

Sonntag, 04. Juli 2021 | 16:54 Uhr

Bozen –  In einer Presseaussendung kündigt der Südtiroler Heimatbund die bevorstehende Kranz-Niederlegung am Peter Mayr-Denkmal anlässlich des 100. Todestag des Welschtirolers Giovanni Battista Daprà an. Die Presseaussendung im Wortlaut:

Mit einer Kranz-Niederlegung am Peter Mayr-Denkmal werden Sonntag, 11. Juli, Vertreter des Südtiroler Heimatbundes angeführt von Roland Lang, Vertreter der SK Fleimstal mit Hauptmann Rodolfo Weber, der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, Major Renato des Dorides, die Schützenkompanien von Bozen und Gries sowie der Kulturverein „Noi Tirolesi“ nach der 10-Uhr Messe im Bozner Dom an den 100. Todestag des Welschtirolers Giovanni Battista Daprà, dem zweiten Opfer des Faschistensturms auf Bozen am 24. April 1921, gedenken.

Seine Teilnahme an der Messe und an der anschließenden Gedenkfeier hat auch der Vizebürgermeister von Bozen, Luis Walcher, agekündigt.

Bei der schlichten Gedenkfeier wird der Fleimstaler Hauptmann Rodolfo Weber, der auch Adjutant des Bezirksmajors von Bozen ist, eine kurze Ansprache halten und an seinen Landsmann Daprà und dessen tragisches Ende erinnern.

Wie eine Recherche des Buchautors Günther Rauch in Zusammenarbeit mit dem Heimatforscher des Fleimstales, Giorgio Trettel ergab, stammte Giovanni Battista Daprà aus dem Fleimstal, wo er am 29. Juli 1843 in Ziano di Fiemme geboren wurde. Nach der Pflichtschule arbeitete er in der Holzwirtschaft. 1875 heiratete er in seinem Heimatort die 26-jährige Rosa Pollo (1849-1919). Sie hatten fünf Kinder: drei Töchter und zwei Söhne. Noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges war die Familie nach Bozen übersiedelt, wo Giovanni Battista Daprà im Sägewerk der Familie Gasser-Seeberger (heute Gasthaus Seeberger) in der Sill, am Eingang des Sarntales, als Sägemeister arbeitete.

Ihr älteste Sohn Josef Daprà war nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn mit den Kaiserjägern an die Front gezogen. Er starb am 8. November 1915 am Col di Roda bei einem Feuergefecht mit italienischen Soldaten. 1919 starb nach schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren Rosa Daprà, geborene Pollo (auch Polo). Sie fand ihre Ruhestätte im alten Bozner Pfarrfriedhof.

Am tragischen Sonntag, dem 24. April 1921, befand sich der ins hohe Alter gekommene Witwer Giovanni Battista Daprà am frühen Nachmittag unter den in der Nähe des Neptunbrunnens und dem Modegeschäft Held am Bozner Obstplatz plazierten Zuschauern, um in aller Ruhe den zum Anlass der Bozner Messe organisierten Fest- und Trachtenumzug mitanzusehen.

Als bereits die Spitze des Umzuges am Ende des Oberen Obstplates angekommen war, waren aus Oberitalien kommende Faschisten mit Schlagstöcken und Revolvern in der Hand in die fassungslose Menschenmenge eingedrungen. Mehrere Handgranaten waren direkt aus dem italienischen Bankhaus „Banca di Napoli“ heraus auf die Beine der Zuschauer und Umzugsteilnehmer geworfen worden.

Unter den Schwerverletzten befand sich auch Giovanni Battista Dabrà. Trotz wiederholter Operationen und Wundbehandlungen durch die Ärzte des Bozner Krankenhauses wollten die Verletztungen nicht heilen. Die Eiterungen der Wunden nahmen immer mehr zu. Er litt stark unter den ständigen Schmerzen. Schließlich war der arme Mann den schmerzvollen Leiden und an einer Herzlähmung erlegen.

Giovanni Battista Dapà starb im Bozner Spital in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1921. Sein Leichnam wurde am 13. Juli am späten Nachmittag nach Ziano di Fiemme transportiert, wo er in aller Stille und Eile begraben wurde. Man wollte wohl nicht, dass sich die Südtiroler von ihm verabschiedeten.

Das wollen nun die Südtiroler und Südtirolerinnen gemeinsam mit seinen Fleimstaler Landsleuten mit einer Gedenkfeier am Sonntag, 11. Juli nachholen und an einen Tiroler italienischer Muttersprache und Wahlbozner erinnern, der das zweite Tiroler Opfer feiger Nationalisten und Faschisten wurde!

 

Roland Lang

Obmann des Südtiroler Heimatbundes (SHB)

Von: lup

Bezirk: Bozen

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9 Kommentare auf "Tirol erinnert an das zweite Opfer des Bozner Blutsonntages"


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Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
27 Tage 52 Min

Hallo nach Südtirol,

solche Artikel gehören auch in die Hochglanzprospekte der TV-Vereine welche in Millionenzahl nach D verschickt werden.

Es ist eben nicht selbstverständlich wenn ein Bundesdeutscher heute das Recht besitzt in Südtirol auch gegenüber Behörden auf die garantierte Zweisprachigkeit zu pochen.
Dafür wurden bis in die jüngere Neuzeit Menschen gefoltert und wie überzählige Hofkatzen zu Tode geprügelt.

Die “Zweisprachigkeit” ist eine der verlockenden Grundfesten Südtiroler Gastfreundschaft in den deutschsprachigen Raum und die Tourismuswerbenden sollten deswegen jeweils  einen kleinen und ehrenden Teil ihrer Prospekte den damaligen Kämpfern für den heutigen Status Quo widmen.

Gruss aus D

Zugspitze947
26 Tage 11 h

Andreas =das ist absoluter QUATSCH ! Denn NUR Südtiroler mit ital. Staatsbürgerschaft haben DAS RECHT auf die Deutsche Sprache ! Nicht mal uns Ausandsüdtirolern gewährt das Kosulat dieses RECHT ! So viel zu den Tatsachen wie die Demokratie ITALIAS mit Ihren Bürgern umgeht ! 🙁

Offline
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Kinig
26 Tage 3 h

@Andreas1234567..wie kommst du zu dieser Erkenntnis ? Wenn ein deutscher Urlauber in Südtirol von einem Carabiniere (aus Süditalien “abgeordnet”) angehalten wird, kann er sich auf den Kopf stellen, mit den S…… wackeln und auf “Deutsch” bestehen, allein es wird ihn nichts nützen. Mir bereitet es, egal wo auch immer in Italien, ein riesen Vergnügen, “verdutzten” Carabinieri, Polizisten und/oder auf ihrem Sessel sitzenden Amtspersonen auf italienisch zu antworten.

Missx
Missx
Kinig
26 Tage 1 h

Die schauen nur verdutzt, weil sie dein Pontschouno nicht verstehen können.

Roby74
Roby74
Superredner
25 Tage 21 h

@Missx
“Buon giorno” heisst das☝🏼und auch nicht John Porno!!!🤣😂😅
Du bringst mich immer wieder zum Tränen lachen!!!!😁😁😁

DAICH
DAICH
Tratscher
25 Tage 11 h

@Zugspitze947
Lebt man in Deutschland mit einem ausgeprägten ADHS -Syndrom eigentlich besser als in ITALIA?:-)

CH-1964
CH-1964
Tratscher
27 Tage 43 Min

Nach vorne schauen. Hat auf allen Seiten viel Ungerechtigkeit gegeben. 100 Jahre zurück zu schauen bringt nichts..

Roland Lang
Roland Lang
Grünschnabel
26 Tage 23 h

CH-1964
 “Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen”
George Santayana (1863-1952)
US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
27 Tage 1 h

Es ist gut und richtig, dass man sich auch an *italienische* Tiroler erinnert!

Hoffentlich wird diese Feier aber nicht instrumentalisiert (von beiden Seiten).

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