Von: importer
Die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist auf nepalesischer Seite auf 270 gestiegen. Das teilte die Polizei auf der Plattform X mit. Damit stieg die Totenzahl um fast 100 Menschen an. Hunderte Menschen werden in dem Katastrophengebiet weiter vermisst. Auf chinesischer Seite wurden erste Todesopfer gemeldet, die dortigen Behörden befürchteten am Donnerstag nun weitere mögliche Fluten.
Auf nepalesischer Seite habe sich an einer Flussmündung ein Stausee gebildet, berichtete das chinesische Staatsfernsehen unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen, es bestehe das Risiko eines Dammbruchs. In dem neuen See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt, weitere drei Millionen Kubikmeter könnten hinzukommen. Der See sei auch schon übergelaufen, hieß es. Im Staatsfernsehen liefen Aufnahmen aus der Luft, die den See zeigten. Dieser soll nahe dem von der Sturzflut dramatisch überspülten Grenzposten Gyirong, aber noch auf dem Gebiet Nepals liegen. Die Behörden überwachten die Lage weiter und führten Berechnungen durch, hieß es. Das erhöhte Risiko schließt sich damit an die ohnehin schwierigen Rettungsarbeiten an. Die betroffene Gebirgsgegend entlang der dortigen Flüsse ist schwer zugänglich.
Tausende Retter im Einsatz
Sowohl in Nepal und China sind unter den zusammengerechnet mehr als 1.300 Vermissten auch Ausländer, darunter auch Deutsche. Tausende Retter sind auf beiden Seiten im Einsatz, um Überlebende zu finden. Ausgelöst worden war die verheerende Sturzflut nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS von einem Gletscherabbruch. Wissenschafter nannten zudem den Klimawandel als einen entscheidenden Treiber für derartige Ereignisse. Die Erderwärmung schaffe Bedingungen, die Fels und Eis im Hochgebirge destabilisierten, erklärte Simon Cox vom Forschungsinstitut Earth Sciences New Zealand.
Über eventuell Betroffene aus Österreich gab es auch am Donnerstag bisher keine Informationen. Das berichtete ein Sprecher des Außenministeriums der APA, der zudem erklärte, dass es aktuell 29 Personen mit einer Reiseregistrierung für Nepal gibt. Die australische Regierung erklärte, dass 34 Australier vermisst werden. Auch mindestens acht Deutsche sind laut Tourismusbehörde abgängig. Das Gebirge an der Grenze zwischen Zentralnepal und dem Südwesten Tibets gilt als beliebtes Wandergebiet.
Zahl wird nach oben gehen
“Die Zahl wird nach oben gehen, da wir die Suche wieder aufgenommen haben und voraussichtlich weitere Leichen geborgen werden”, sagte ein nepalesischer Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Such- und Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Mehr als 5.000 Rettungskräfte von Armee und Polizei sind im Einsatz. Auch internationale Hilfe lief an.
Indes sind weitere chinesische Rettungskräfte in das Katastrophengebiet im Südwesten Tibets aufgebrochen. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, erreichte ein Flugzeug mit 111 Experten der Feuerwehr aus Sichuan und Peking den Flughafen in Tingri. Mit Autos würden sie von dort noch fünf bis sechs Stunden zum von der Flut überspülten Grenzübergang Gyirong benötigen, hieß es weiter.
Wie das Staatsfernsehen weiter berichtete, erschwerten die großen Schlammmassen in dem Gebiet den Zugang für große Fahrzeuge. Viele der Opfer befanden sich auf einer Pilgerreise zum Berg Kailash in Tibet, der unter anderem im Hinduismus und Buddhismus als heilig gilt. Überlebende berichteten von dramatischen Szenen. Viele Tote wurden demnach viele Kilometer flussabwärts an der Grenze zu Indien entdeckt – und waren offenbar von den Fluten extrem weit mitgerissen worden. Ein Polizeisprecher sagte, teilweise seien nur Leichenteile gefunden worden.
Gletscherbruch war Ursache
Auslöser der verheerenden Sturzflut war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ein Gletscherabbruch. Die USGS, die zunächst ein Erdbeben als Ursache für das Unglück vermutet hatte, erklärte am Donnerstag, die gemessene seismische Aktivität sei auf die abgehende Eis- und Gerölllawine zurückzuführen gewesen.
Mittwochfrüh hatte die USGS zunächst ein Erdbeben der Stärke 4,4 nahe der Grenze zwischen Nepal und China gemeldet. Am Donnerstag erklärte sie dann, in der Grenzregion habe sich am Mittwoch um 8.37 Uhr Ortszeit “ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 ereignet”. Weitere Analysen hätten ergeben, dass es dabei nicht um ein Erdbeben gehandelt habe, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Gerölllawine und “katastrophalen Folgen”.
Auch das Internationale Zentrum für integrierte Bergentwicklung (Icimod) in Kathmandu geht davon aus, dass eine Lawine aus Eis und Geröll von einem Gletscher die Sturzflut auslöste. Die Lawine habe erst den Fluss Lhende blockiert und dann die gigantische Flutwelle freigesetzt, sagte der Icimod-Experte Saswata Sanyal.
US-Regierung sagt Hilfe zu
Die US-Regierung will Betroffene mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern unterstützen. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Außenministerium mit. Ein Berater für Katastrophenhilfe sei in die Region entsandt worden, um den Hilfseinsatz zu unterstützen. “Die Vereinigten Staaten sprechen den Familien und Angehörigen derjenigen, die bei den verheerenden Sturzfluten im nepalesischen Bezirk Rasuwa ihr Leben verloren haben, ihr tiefstes Beileid aus”, hieß es weiter.
“Das Ausmaß dieser Katastrophe ist erschütternd”, sagte Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich in einer Aussendung am Donnerstag. Hilfsorganisationen suchen demnach unter schwierigsten Bedingungen nach Vermissten. “Für die Betroffenen zählt jetzt jede Stunde. Während vielerorts nach Vermissten gesucht wird, brauchen Tausende Menschen dringend Schutz, Nahrung und Unterstützung. Jetzt kommt es auf schnelle Hilfe an”, so Bodmann.
Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt die Hilfsmaßnahmen vor Ort mit 50.000 Euro Soforthilfe. “Das Nepalesische Rote Kreuz ist mit 90.000 Freiwilligen die größte Hilfsorganisation im Land und hat jahrzehntelange Erfahrung in der Katastrophenhilfe, die auch jetzt sofort angelaufen ist”, wurde Walter Hajek, Leiter Internationale Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz, zitiert. Die Hilfsorganisation CARE bereitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen Soforthilfe für die betroffenen Gemeinden vor und rief ebenfalls zu Spenden auf.
Nepal gehört zu den ärmsten Ländern Asiens, und gerade in den abgelegenen Himalaya-Regionen ist die Infrastruktur vielerorts äußerst fragil. Straßen sind schmal und schwer zugänglich, Brücken und Verkehrswege können bei Unwettern schnell zerstört werden. Gleichzeitig lebt das Land in hohem Maße vom Tourismus – und der Himalaya mit Achttausendern wie dem Mount Everest und dem Annapurna ist sein größtes Kapital.
(S E R V I C E – Spendenkonto Caritas: IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Katastrophenhilfe Nepal. Online spenden unter: www.caritas.at/katastrophenhilfe-nepal, CARE Österreich Spendenkonto IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000 oder online, Österreichisches Rotes Kreuz: IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144, Kennwort: Katastrophenhilfe oder online unter wir.roteskreuz.at/flut-nepal)




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