Familiendrama südlich von Südtirol

Vater mit Messer tödlich verletzt: Unterschiedliche Ergebnisse der Gutachten

Donnerstag, 23. April 2026 | 13:27 Uhr

Von: mk

Mezzolombardo/Bozen – Der tragische Vorfall in Mezzolombardo im Trentino – nur wenige Kilometer von Südtirol entfernt –, bei dem Bojan Panic seinen Vater Simeun Panic (46) mit einem Messer getötet hat, beschäftigt weiter die Gerichte. Der Vorfall hat sich bekanntlich in der Nacht vom 3. auf den 4. April im vergangenen Jahr ereignet.

Der heute 20-Jährige hatte damals angegeben, in der Nacht zum Messer gegriffen zu haben, um seine Mutter vor einem erneuten gewalttätigen Angriff durch den Vater zu schützen. Seine Schilderung galt nach Angaben der Ermittlungsbehörden als glaubwürdig und wurde durch mehrere Zeugenaussagen untermauert. Noch am Tatort hatte sich der Sohn den Carabinieri gestellt.

Laut Ermittlungen war es nicht das erste Mal, dass der Vater, Simeun Panic, ausfällig wurde. Besonders nach Abenden, die er in Lokalen verbrachte und alkoholisiert nach Hause zurückkehrte, soll er seine Partnerin, die 41-jährige Milka, mehrfach bedroht und angegriffen haben. Die Familie, die ursprünglich aus Bosnien stammt, lebte früher in Leifers und Mezzocorona, bevor sie nach Mezzolombardo zog. Doch der Albtraum begleitete sie offenbar durch all diese Stationen.

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, um zu prüfen, ob es sich um Notwehr gehandelt hat oder ob die Grenzen der Selbstverteidigung überschritten wurden. Der ehemalige Student am Oberschulzentrum „Galileo Galilei“ in Bozen wurde festgenommen und zunächst wegen Mordverdachts in Gewahrsam genommen. Anschließend wurde er aus der Haft entlassen.

Das psychologische Gutachten, das der Ermittlungsrichter in Trient in Auftrag gegeben hat, als auch jenes der Staatsanwaltschaft sind nun zum Schluss gekommen, dass Bojan Panic zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war. Der Richter hatte Dr. Giacomo Filippini aus Brescia als Gutachter beauftragt. Den Experten zufolge ist der mittlerweile 20-Jährige außerdem prozessfähig – das heißt, er ist in der Lage, einem gerichtlichen Verfahren zu folgen und sich zu verteidigen.

Ein Gutachten von Verteidigerin Veronica Manca kommt jedoch zum gegenteiligen Schluss. Giuseppe Sartori, emeritierter Professor für Neuropsychologie und forensische Neurowissenschaften an der Universität Padua, der als Gutachter beauftragt wurde, stellte eine „verminderte Schuldfähigkeit“ zu jenem Zeitpunkt fest, als sich der damals 19-Jährige auf seinen Vater mit einem Messer gestürzt habe, um seine Mutter zu beschützen. Die These wird auch auf Grundlage einer im Gefängnis durchgeführten wissenschaftlichen Studie über Aufmerksamkeitsstörungen gestützt.

Wird dieser Einschätzung stattgegeben, könnte sich dies auf das Urteil mit einem eventuellen Strafnachlass auswirken. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Gutachten wurden vor Gericht bei der Verhandlung am 17 April im Rahmen des Beweissicherungsverfahrens dargelegt. Nun liegt es an der Staatsanwaltschaft, mit der Mitteilung zum Abschluss der Ermittlungen fortzufahren oder weitere Vertiefungen anzuordnen.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen