Nach mutmaßlichem Fehler beim Organtransport: Zwei Chirurgen suspendiert – VIDEO

„Verbranntes Herz“: Zweijähriges Kind dennoch transplantiert

Mittwoch, 11. Februar 2026 | 07:15 Uhr

Von: ka

Bozen/Neapel – Im Fall des mutmaßlichen Fehlers beim Transport eines Spenderherzens von Bozen nach Neapel kam es zu einer neuerlichen Wende.

Wie das neapolitanische Tagblatt Il Mattino berichtet, wurde das während des Transports „verbrannte Herz“ dem kleinen Patienten dennoch transplantiert. Der zweijährige Bub, der im Krankenhaus Monaldi in Neapel auf ein Spenderherz wartete, hat die Transplantation erhalten, obwohl das neue Herz nach der Entnahme in Bozen aufgrund der Verwendung von Trockeneis „verbrannt“ war. Dies geht aus einer Anzeige hervor, die die Familie des Kindes, vertreten durch den Rechtsanwalt Francesco Petruzzi, in den letzten Tagen bei den Carabinieri eingereicht hat. Während die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften von Neapel und Bozen fortgesetzt werden, hat die Leitung des Krankenhauses Monaldi beschlossen, zwei Chirurgen zu suspendieren und pädiatrische Transplantationen vorläufig auszusetzen.

Facebook/Il Mattino

Der Fall betrifft einen zweijährigen Buben aus der Provinz Neapel, der am 23. Dezember im Krankenhaus Monaldi in Neapel eine Herztransplantation erhielt. Zunächst war nur bekannt geworden, dass das Organ im Zuge des Transports von Bozen nach Neapel irreparabel beschädigt worden war.

Nachdem bekannt geworden war, dass das durch Kälteverbrennungen stark beschädigte Spenderherz dennoch verwendet worden war, wurde am Dienstag mitgeteilt, dass die beiden Ärzte, die Teil des Operationsteams waren, welches dem Kind das „verbrannte” Herz transplantiert hatte, von der Transplantationstätigkeit suspendiert wurden. Die beiden Mediziner bleiben aber weiterhin regulär im Krankenhaus Monaldi in Neapel tätig. Darüber hinaus hat die Krankenhausleitung beschlossen, neue Anmeldungen für pädiatrische Transplantationen vorsorglich auszusetzen. Diese ersten Entscheidungen wurden im Rahmen der internen Untersuchung getroffen, die das Krankenhaus Monaldi nach dem Vorfall vor weniger als zwei Monaten eingeleitet hat und die in den letzten Tagen von der neapolitanischen Tageszeitung Il Mattino aufgegriffen wurde.

Der neapolitanische Sanitätsbetrieb versucht zu klären, wie es dazu kommen konnte, dass einem pädiatrischen Patienten ein unbrauchbares Herz transplantiert wurde. Parallel dazu schreiten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften von Neapel und Bozen voran. Sie sollen Licht in die Angelegenheit bringen und klären, ob Personen dafür verantwortlich sind. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neapel betreffen zwei mögliche Tatbestände: Einerseits die Unterlassung von Amtshandlungen, also dass jemand aus dem medizinischen Team die vorgeschriebenen Verfahrensregeln nicht eingehalten hat, und andererseits die fahrlässige Körperverletzung gegenüber dem kleinen Empfänger des Herzens. Dieser wurde einer Narkose und einem chirurgischen Eingriff unterzogen, die als völlig unnötig anzusehen sind.

Facebook/Azienda Ospedaliera dei Colli/Ospedale Monaldi

Das Herz war am 23. Dezember aus Bozen gekommen, wo ein sehr junger Spender verstorben war. Während des Transports wurde das Organ offenbar nicht ordnungsgemäß konserviert, sodass es in einem nicht mehr verwendbaren Zustand in Neapel ankam. Nun muss geklärt werden, ob die Ärzte, die die Transplantation durchgeführt haben, die Unbrauchbarkeit des durch die Verwendung von Trockeneis „verbrannten” Herzens hätten erkennen müssen.

In der Zwischenzeit hat die Familie des Kindes über den Anwalt Francesco Petruzzi Anzeige erstattet. Sie wartet auf den Fortgang der Ermittlungen, die den Carabinieri übertragen wurden. Diese beschlagnahmen derzeit eine Reihe von Unterlagen und Dokumenten. Es ermitteln zwei Staatsanwaltschaften, jene von Bozen und Neapel, mit zwei verschiedenen Ermittlungssträngen: Der erste betrifft den Transport, der zweite die Transplantation.

Seit der Operation, die sein Leben retten sollte, ist der kleine Patient an ein Gerät angeschlossen. Sein Zustand ist weiterhin kritisch. „Es gilt zu ermitteln, was im Operationssaal geschehen ist. Den Eltern des Kindes wurde erklärt, dass die Transplantation nicht ausgefallen, sondern tatsächlich durchgeführt worden sei, wobei auf das neu implantierte Organ Bezug genommen wurde. Aber wenn dieses Herz nicht unversehrt war, warum wurde dann diese Entscheidung getroffen?“, fragt der Anwalt der Eltern, Francesco Petruzzi. Er hat den medizinischen Gutachter Dr. Luca Scognamiglio benannt, einen Experten für Rechtsmedizin.

fotolia.de/Gorodenkoff – Symbolbild

Der Experte hat bei Gericht auch eine Eingabe eingereicht. In dem Dokument wird die Rückkehr des Kindes auf die Intensivstation rekonstruiert: „Die vom Krankenhaus vorgelegte Darstellung sprach von einem ‚Problem‘ und erklärte, dass das Herz nicht richtig pumpte, weshalb eine Maschine eingesetzt worden sei. Jetzt, nach 50 Tagen, ist das Kind immer noch an die ECMO – die Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist ein intensivmedizinisches Verfahren, das als künstliche Lunge oder Herz-Lungen-Maschine die Funktion von Herz und Lunge vorübergehend unterstützt oder ersetzt – angeschlossen. Vor einigen Tagen kam es übrigens zu einer beginnenden Blutung, und der Zustand des Kindes bleibt weiterhin ernst.“

Die Eltern des Zweijährigen sind verzweifelt. „Ich kann nicht darüber sprechen. Bitte habt Verständnis dafür. Im Moment wünsche ich mir nur zwei Dinge: Dass es meinem Sohn gut geht und dass die Wahrheit über das Geschehene ans Licht kommt“, sagte die Mutter dem Il Mattino. Der Junge ist zwei Jahre und zwei Monate alt und der Sohn eines Paares aus Nola bei Neapel.

Was ist während des Transports des Spenderherzens passiert und warum wurde es trotzdem transplantiert? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Staatsanwaltschaften in Bozen und Neapel.

Bezirk: Bozen

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