Von: mk
Bozen/Neapel – In Bezug auf die Berichte in einigen Medien zum angeblich fehlerhaften Transport eines Spenderorgans vom Landeskrankenhaus Bozen an das Transplantationszentrum Monaldi in Neapel stellt der Südtiroler Sanitätsbetrieb fest, dass Organspenden- und -transplantationen hochspezialisierte und komplexe Verfahren sind, die strengen Prozeduren und normativen Vorgaben unterliegen. Wie der Südtiroler Sanitätsbetrieb gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa erklärt, liege die Kompetenz und volle Verantwortung für die Organentnahme von Herzen, die adäquate Konservierung für den Transport und die nachfolgende Transplantation beim Team des empfangenden Transplantationszentums.
“Generell werden Organentnahmen für Transplantation nämlich durch spezialisierte Teams der Transplantionszentren durchgeführt. Die Spender betreuenden Krankenhäuser stellen lediglich die Infrastruktur für die Entnahmeoperation zur Verfügung. Eventuelle Untersuchungen von Seiten der Behörden werden selbstverständlich unterstützt”, so der Sanitätsbetrieb abschließend.
Zuvor hatte die Zeitung “Il Mattino” berichtet, dass ein mutmaßlicher Fehler beim Transport eines Spenderorgans offenbar dazu geführt habe, dass eine geplante Herztransplantation bei einem zweijährigen Kind im Krankenhaus Monaldi in Neapel nicht durchgeführt werden konnte. Anstelle des vorgesehenen Kühlmaterials sei beim Versand des Organs in Bozen Trockeneis verwendet worden, wodurch das Spenderherz unbrauchbar geworden sei.
Der Vorfall ereignete sich laut Zeitung am 23. Dezember. An diesem Tag meldete das nationale Transplantationssystem die Verfügbarkeit eines Spenderherzens. Es stammte von einem vierjährigen Kind, das wenige Tage zuvor im Vinschgau verstorben war. Nach Zustimmung der Eltern zur Organspende wurden die Transplantationsabläufe umgehend eingeleitet, das Ärzteteam aus Neapel alarmiert und der Operationssaal vorbereitet.
Der kleine Patient in Neapel litt seit seiner Geburt an einer schweren Herzmuskelerkrankung und wartete dringend auf ein neues Herz. Die Hoffnung auf eine lebensrettende Operation erfüllte die Familie kurz vor den Feiertagen mit Zuversicht.
Diese Hoffnung zerschlug sich jedoch bei der Ankunft des Organs im Operationssaal. Laut dem Bericht wurde festgestellt, dass die Kühltasche anstatt mit normalen Eis, mit Kohlendioxid in festem Zustand – also Trockeneis – befüllt wurde. Durch den Kontakt damit entstanden bei dem kleinen Herz Kälteverbrennungen. Trotz aller Bemühungen des medizinischen Teams konnte das Herz nicht mehr transplantiert werden. Organe werden in der Regel in speziellen Nährlösungen und bei kontrollierten Kühlschranktemperaturen (ca. 2–8 °C) oder mit Eis/Wasser-Gemischen indirekt gekühlt, nicht bei −78 °C, die Trockeneis erreicht.
In der Angelegenheit wurden inzwischen drei Untersuchungen eingeleitet: Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaften von Neapel und Bozen sowie eine interne administrative Untersuchung am Krankenhaus Monaldi. Die genauen Verantwortlichkeiten und Abläufe sollen nun umfassend aufgeklärt werden.
Das zweijährige Kind aus Neapel liegt nun weiterhin auf der herzchirurgischen Intensivstation des Monaldi-Spitals, umgeben von seinen Eltern sowie betreuenden Ärzten und Pflegern, und wartet auf ein neues Herz.




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