Heimische Nahrungsproduzenten und -händler zu stärken – ein Kommentar

Versorgungskrise als Lehre auch für Südtirol

Donnerstag, 22. Oktober 2026 | 01:48 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen – Als vor etwa zwei Wochen die Streiks und Protestblockaden der süditalienischen Spediteure und Bauern begannen, wurde davon in Südtirol kaum Notiz genommen. Selbst als wenige Tage später Bilder von leeren Supermarktregalen in den Onlinenetzwerken und Medien auftauchten, schien die Versorgungskrise weit weg zu sein, denn die heimischen Regale waren noch immer prall mit Frischware befüllt.

Facebook/Parola di Vita

Seit jedoch selbst in unseren Nachbarregionen Venetien und Lombardei das Angebot an Frischwaren immer karger wird und bereits Grundnahrungsmittel und Nudeln knapp werden, beginnt auch hierzulande die Angst umzugehen. Das ist kein Wunder, denn die Leere, zuerst der Regale und dann die des eigenen Magens, gehört zu den Urängsten des Menschen. Noch bis vor wenigen Generationen versorgte sich ein Großteil der Südtiroler Bevölkerung selbst mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln, und das wenige, was zusätzlich gebraucht wurde, wurde eingetauscht. Dann kam die große Konsumfreude der prall gefüllten Supermärkte.

Facebook/Parola di Vita

Doch nun ist vieles anders. Die vor allem süditalienische Versorgungskrise führt den Südtirolern, die zwar von Alltagssorgen geplagt sind, aber noch immer aus dem Vollen schöpfen können, drastisch vor Augen, wie empfindlich die Netzwerke sind, die uns täglich mit Waren aller Art versorgen. Der steile Anstieg der Treibstoffkosten, der Bauern und Spediteure um ihre Zukunft fürchten lässt, trifft nun die Kunden. Der moderne Mitteleuropäer könnte bald erkennen, dass seine Kreditkarte und sein Bargeld wenig Wert besitzen, wenn das Warenangebot fehlt.

Facebook/Parola di Vita

Ob es „nur” die stark gestiegenen Treibstoffpreise sind oder ob – wie es für die Gewaltexzesse in europäischen Städten bereits vermutet wird – von außen kräftig ins Feuer der seit Langem unterschwellig vorhandenen Missstände geblasen wird, wissen wir nicht. Der Nutznießer der politischen und gesellschaftlichen Krisen in Ländern wie Frankreich und Italien steht jedoch bereits fest.

ANSA/CORNER/SALMOIRAGO

Die römische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni stemmt sich mit drakonischen Maßnahmen gegen die Plünderungen und Ausschreitungen in Mailand und hofft, der insbesondere in Süditalien bereits prekären Lage mithilfe finanzieller Hilfen für Spediteure sowie durch hartes Durchgreifen Herr zu werden. Doch wegen der weiterhin hohen Treibstoffpreise bleibt das Grundproblem bestehen.

sbb

Und was ist die Lehre für Südtirol? Da deutlich wird, welche Gefahren längere Wege bergen, gilt es, die heimischen Nahrungsproduzenten und -händler zu stärken, also den Bauern, der seine Grundnahrungsmittel auf dem Markt feilbietet, und den kleinen Händler, der für sein Angebot auf kurze Wege setzt.

Das kann manchmal etwas teurer sein, aber die Qualität ist höher und leichter kontrollierbar. Das Wichtigste ist jedoch, dass es so kaum passieren kann, vor leeren Verkaufsständen zu stehen.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen