Jahrhundertereignis, Dank und Trauer

Wälder haben 150 Millionen Kubikmeter Wasser aufgesogen

Dienstag, 30. Oktober 2018 | 15:10 Uhr

Bozen – Alles, wurde bei der heutigen Pressekonferenz festgestellt, sei überschattet vom tragischen Tod des Feuerwehrmanns aus Campill.

Die Landesleitstelle hat bei ihrer Sitzung am heutigen Vormittag den Zivilschutzstatus um eine Stufe von Rot (Charlie) auf Orange (Bravo) herabgesetzt, weil keine akute Gefahr mehr für die Bevölkerung besteht. Bei dem außergewöhnlichen Unwetterereignis fielen landesweit durchschnittlich 200 Liter pro Quadratmeter Niederschläge, in Sexten waren es 370 Liter pro Quadratmeter, dies entspricht der doppelten bis dreifachen Menge, die sonst in einem Monat niedergeht.

lpa

“Südtirols Einsatzkräfte haben in den vergangenen Tagen Außerordentliches geleistet, um die Sicherheit im Land zu gewährleisten”, schickte Landeshauptmann Arno Kompatscher eine Botschaft. “An sie alle geht ein großer Dank. Für ihren selbstlosen Einsatz gebühren ihnen tief empfundener Respekt und Anerkennung. Der tragische Tod des verunglückten Feuerwehrmannes erfüllt uns mit tiefer Trauer. Wir stehen der Familie und den Kameraden bei.” Auch Bevölkerungsschutzlandesrat Arnold Schuler ging bei der Pressekonferenz von dem tragischen Unglück aus, das alle Ereignisse überschattet. Die außerordentlich starken Windböen mit bis zu 120 Stundenkilometern, die in Südtirol in diesem Ausmaß noch niemals aufgetreten waren, verursachten Windwurf. Bei Aufräumarbeiten kam gegen Mitternacht unglücklicherweise Giuvani Costa, der seit über 30 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Campill in der Gemeinde St. Martin in Thurn im Einsatz war, ums Leben. Auch sein Sohn ist bei der Feuerwehr tätig und war bei dem Einsatz dabei. Landesrat Schuler und Landesrat Mussner erinnerten an Alexander Mayr, den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Atzwang, der ebenfalls bei einem Einsatz am 31. August 2014 ums Leben gekommen war. Die zahlreichen Freiwilligen, unterstrichen beide, seien bereit, ein großes Risiko einzugehen. Seit 1960, erinnerten die beiden Landesräte Mussner und Schuler, die selber aktive Feuerwehrmänner sind, sind 17 Männer bei Einsätze gestorben. Ihrer wird bei einer Gedenkstätte in der Feuerwehrschule in Vilpian gedacht.

Die Prognosen, wurde der abgesehen von dem Todesfall und den beiden Verletzten positive Verlauf des Zivilschutzeinsatzes der vergangenen Tage zusammengefasst, waren richtig, wie auch die errechneten Modelle, sodass man gut auf die Situation vorbereitet war. Auch die Investition in die Vorbeugemaßnahmen, wies Landesrat Schuler hin, habe sich bewährt. “Wir hatten die Lage sehr gut im Griff”, unterstrich er, “die Situation war unter Kontrolle”, und er richtete seinen Dank an alle Freiwilligen, an die Berufsfeuerwehr sowie an private Unternehmen, die sofort an den Einsatzorten zur Stelle waren. Auch die Koordinierungsmaßnahmen in den Zentralen und Ämtern sowie die Zusammenarbeit mit dem Regierungskommissariat habe sehr gut funktioniert.

Der für den Straßendienst zuständige Landesrat Florian Mussner dankte ausdrücklich allen 450 Straßenarbeitern und 25 Technikern, die in nahezu allen Dörfern im Einsatz waren. “Niemand von uns”, betonte er, “kennt so heftige Windböen”, weshalb er von einem Jahrhundertereignis sprach. Nun gehe es an die Aufräumarbeiten, von denen die dringendsten bereits erledigt oder im Gange sind.

Auch Zivilschutzchef Rudolf Pollinger begann seine Solidaritätsbekundung mit einer Solidaritätsbekundung vonseiten er Behörden und aller Mitarbeiter an die Familie des tödlich verunglückten Feuerwehrmannes. Das Unwetterereignis, fasste er zusammen, sei hauptsächlich ein Hochwasserereignis gewesen. Am schlimmsten betroffen war das Gebiet der Drau.  Schäden größeren Ausmaßes waren im Einzugsgebiet der Gader und des Grödnerbaches zu verzeichnen, geringe Schäden an Eisack und Rienz und fast keine an der Etsch. Aufgrund der relativ präzisen Vorhersagen und Einschätzungen war eine gute Vorbereitung und Vorarbeit möglich.

Seit gestern, berichtete der Präsident der Freiwilligen Feuerwehren Wolfram Gapp, standen 152 Freiwillige Feuerwehren mit rund 2300 Feuerwehrleuten im Einsatz, in den vergangenen beiden Tagen waren es rund 4000, alle neun Bezirkseinsatzzentralen wurden besetzt, die Landeseinsatzzentrale der Freiwilligen Feuerwehren in Vilpian wurde besetzt, alle neun Bezirksleitstellen unter dem Vorsitz der Bezirksfeuerwehrpräsidenten wurden einberufen. Dies sei, erklärte auch er, ein trauriger Moment, weil man einen Kameraden verloren habe.

Der Wert gut gepflegter Wälder, unterstrich der Direktor der Abteilung Forstwirtschaft Mario Broll, habe sich bewährt: So wurden in diesen Tagen von den Wäldern durchschnittlich 150 Millionen Kubikmeter aufgesogen – im Vergleich dazu: Der Reschensee fasst etwa 120 Millionen Kubikmeter Wasser. Die Wälder haben also gleich einem Schwamm eine riesige Wassermenge zurückgehalten. 120 Mitglieder des Landesforstkorps waren in der vergangenen Nacht im Einsatz, 155 standen zur Verfügung, und 97 Waldarbeiter arbeiteten mit den Freiwilligen Feuerwehren zusammen.

Die Wiederkehrdauer der Ereignisse, berichtete Stefan Ghetta vom Hydrographischen Amt, bei der Drau und beim Sextnerbach betragen 50 Jahre, bei der Gader waren es 100 Jahre, dass ein Ereignis diesen Ausmaßes erfolgte, und bei der Etsch bei Branzoll waren es sieben Jahre.

Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten lief in vier Stufen ab: Neben der institutionellen Kommunikation aller im Einsatz Stehenden wurde auch über die Medien kommuniziert, zudem wurde über das Bürgertelefon die Einheitliche Notrufzentrale entlastet, und das Bevölkerungsinformationssystem kam in Innichen und in Klausen zum Einsatz.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Wälder haben 150 Millionen Kubikmeter Wasser aufgesogen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Loewe
Loewe
Superredner
16 Tage 5 h

Zum Glück haben wir so viele Wälder mit vielen Bäumen, die extrem viel aufnehmen!

Den Feuerwehren gebührt ein riesengroßer Respekt, denn wie man sieht helfen die nicht nur, sondern riskieren immer wieder ihr eigenes Leben.

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Tratscher
16 Tage 3 h

Kann es sein das im Gebiet Sexten, Helm genau dieser Wald fehlte, weil er Schiepisten weichen musste?
Wollte nur mal fragen.

Innichnerin
Innichnerin
Neuling
15 Tage 13 h

ja, genau dieser Wald hat gefehlt, ansonsten wär sicherlich gar nichts passiert. Grüner Spinner !😭😂

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Tratscher
15 Tage 9 h

@Innichnerin
Warum gleich so aggressiv? War ja nur eine Frage. Habe ich dich vielleicht beleidigt?
Würde mir nie erlauben jemanden einen Spinner zu nennen, den ich nicht kenne und von dessen politischer Einstellung ich nichts weiß, so viel Anstand ist mir trotz Verrohung der Sprache in einigen Foren geblieben.

Mistermah
Mistermah
Kinig
16 Tage 4 h

Der Wald ist das wichtigste biosystem dieses Planeten. Wenn ich daran denke wieviel der profitgier täglich zum Opfer fällt 🤔
Zum Zivilschutz eine kleine konstruktive Kritik. Es wäre vielleicht angebracht den Menschen zu erklären was Stufe “chalrly” rot bedeutet. Viel zu viele haben keine Ahnung und riskierten ihr und jenes der retter durch unnötige Fahrten durch die Berge und Täler. Man sollte das Haus in solchen Extremsituationen nur verlassen falls unbedingt notwendig.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
16 Tage 14 Min

zurück gerechnet heisst das, wir haben 1.000 km2 Wald….. aber die m3-Zahl ist natürlich nachrichtentechnisch spektakulärer …..

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Tratscher
15 Tage 22 h

@ex moechteg. Lhptm
Wir haben verstanden dass du rechnen kannst. Du hast aber die Botschaft in der Überschrift des Artikels nicht verstanden.
Weil du so gut rechnen kannst, kannst du uns vielleicht ausrechnen, wie viel Wasser der für Schiepisten abgeholzte Walt zurückhalten hätte können.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Superredner
15 Tage 11 h

@@
kann ich gerne machen:
eine Skipiste mit 3 km Länge und durchschnittliche 80 m Breite hätte einen Wald haben können, welcher 36.000 m3 Wasser aufsaugen hätte können.

So ist das
So ist das
Superredner
15 Tage 16 h

Der Wald ist das Kapital unseres Landes und es gilt ihn nachhaltig zu erhalten und zu pflegen und keinem kurzfristig gewinnbringenden Tourismus zu opfern.

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