Von: luk
Bozen – In Bozen muss sich ein 26-jähriger Mann pakistanischer Herkunft wegen schwerer Stalking-Vorwürfe vor Gericht verantworten. Die Anklage wiegt besonders schwer, da sich die mutmaßlichen Taten gegen Minderjährige richten.
Laut Anklage soll der Beschuldigte eine damals 15-jährige Jugendliche über längere Zeit massiv bedrängt und bedroht haben. “Wenn ich deine Schwester allein erwische, entführe ich sie und nehme sie mit”, soll eine der Drohungen gewesen sein, die sich nicht nur gegen das Mädchen, sondern auch gegen ihre Familie richteten. Betroffen waren neben der Jugendlichen auch ihr Vater, ihr damals 17-jähriger Bruder sowie ihre achtjährige Schwester – auch sie pakistanischer Abstammung.
Der Prozess sollte am Mittwoch vor Richterin Barbara Knoll beginnen, wurde jedoch kurzfristig vertagt. Grund war laut Zeitung Alto Adige das Fehlen eines Dolmetschers. Zudem liegt nach Angaben aus dem Gerichtssaal ein Entschädigungsangebot des Angeklagten vor, das die Nebenklage zunächst prüfen will, bevor die Beweisaufnahme mit Zeugeneinvernahmen startet.
Systematische Verfolgung seit 2023
Die mutmaßlichen Vorfälle reichen laut Anklage bis in den Mai 2023 zurück. In einer Südtiroler Gemeinde – deren Name zum Schutz der Opfer nicht genannt wird – soll der Mann begonnen haben, der Jugendlichen nachzustellen, in die er sich offenbar verliebt hatte.
Demnach lauerte er dem Mädchen regelmäßig auf, etwar vor ihrem Zuhause, an Bushaltestellen oder in der Nähe der Schule. Mehrfach soll er ihr und ihrem Bruder sogar in öffentliche Verkehrsmittel gefolgt sein und sie dort beschimpft und bedrängt haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer anhaltenden Verfolgung, die bei den Betroffenen Angstzustände und große Sorge um die eigene Sicherheit ausgelöst habe.
Eskalation nach Anzeige
Nachdem der Vater der Jugendlichen Anzeige bei den Carabinieri erstattet hatte, eskalierte die Situation laut Ermittlungsakten weiter. Es kam zu Spannungen zwischen den Familien, die in Beleidigungen und Gewaltandrohungen mündeten.
So soll der Beschuldigte in einem Fall auf das Auto des Vaters gespuckt haben, während dieser seine Tochter zur Schule brachte. In einem anderen Vorfall soll er den Mann in einer Bar mit einem Messer bedroht haben. Die Entwicklung führte schließlich zur Anordnung von Schutzmaßnahmen für die Familie.
Motiv weiterhin unklar
Warum der 26-Jährige die Familie derart ins Visier genommen haben soll, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Die betroffene Jugendliche äußerte laut Akten die Angst vor einer möglichen Zwangsheirat. Zudem habe sie befürchtet, entführt und zur “Sklavin” gemacht zu werden.
Der Rechtsanwalt der Nebenklage, Marco Dall’Aglio, verweist darauf, dass entsprechende Drohungen Teil der Anklageschrift seien. Daher sei auch ein mögliches Motiv im Zusammenhang mit einer Entführung zum Zweck der Heirat Gegenstand des Verfahrens.
Verteidigung weist Vorwürfe zurück
Die Verteidigung, vertreten durch die Anwälte Othmar Valde und Harald Pircher, strebt einen Freispruch für den Angeklagten an. Sie bezweifelt, dass die in der Anzeige geschilderten Vorfälle den tatsächlichen Geschehnissen entsprechen.
Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist derzeit noch offen.




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