Neues Konzept für die Seceda

Zum Dolomiten-Hotspot geht es heuer nur mit Buchung – VIDEO

Mittwoch, 06. Mai 2026 | 16:59 Uhr
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Von: mk

St. Ulrich/St. Christina – Spontane Ausflüge auf die Seceda-Alm in Gröden sind in diesem Sommer nur mehr schwer möglich. Weil die Bergbahn heuer die Fahrten über ein Slot-Buchungssystem abwickelt, muss man sich vorher anmelden.

Dadurch soll die Zahl der Besucher auf der beliebten Alm in den Dolomiten gleichmäßiger verteilt, aber nicht reduziert werden. Wer kein Zeitfenster reserviert hat, muss warten und hoffen, dass ein Platz frei wird.

Der markante Kamm hat mittlerweile internationale Berühmtheit erlangt und wird von Touristen aus aller Welt besucht. Nach Norden und Westen weist der Berg steile, brüchige Abstürze auf. Aber auch das Drehkreuz, das verärgete Grundbesitzer im vergangenen Jahr aufgestellt haben, sorgte für Schlagzeilen.

Die Regelung soll für Urlauber gelten, für Einheimische bleibt alles beim Alten. Südtirol Heute hat sich das neue Konzept angeschaut.

Darum sollen die Besucherströme gelenkt werden

Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Gemeinden St. Ulrich und St. Christina, der Liftgesellschaft Seceda, des LTS sowie IDM Südtirol und unter der Leitung des Mobilitätszentrums Gröden, hat ein umfassendes Maßnahmenpaket zur nachhaltigen Lenkung der Besucherströme erarbeitet, wobei das Buchungssystem nur ein Teil davon ist.

Die Arbeitsgruppe gewährt einen Einblick hinter die Kulissen und verrät, wie der Entscheidungsprozess abgelaufen ist: Auslöser für die Initiative war demnach ein außergewöhnlich hoher Besucherandrang am 22. Juli 2025 infolge einer vorangegangenen Schlechtwetterperiode. An diesem Tag kam es zu erheblichen Verkehrsproblemen sowie langen Wartezeiten an den Liftanlagen, was auch in den sozialen Medien intensiv diskutiert wurde.

Bereits nach der ersten Sitzung wurden kurzfristige Maßnahmen umgesetzt. So wurde auf der Website der Seceda-Bahn ein deutlicher Hinweis auf die empfohlene Online-Buchung sowie – aufgrund des Parkplatzmangels in St. Ulrich – auf die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln integriert. Eine Analyse der Besucherströme durch die IDM mittels anonymisierter mobiler Netzdaten von Fastweb+Vodafone unterstützt von Motion Analytica hat ergeben, dass der 22. Juli ein absoluter Ausreißer aufgrund besonderer Wetterbedingungen war. In den darauffolgenden Treffen lag der Fokus auf der Entwicklung eines langfristigen und effektiven Buchungssystems mit halbstündigen Zeitfenstern für Bergfahrten. Dieses orientiert sich an internationalen Best-Practice-Beispielen und wurde vom Systembetreiber der Liftgesellschaft entwickelt.

Durch festgelegte Zeitfenster soll der Besucherandrang – insbesondere während der stark frequentierten Vormittagsstunden – besser gesteuert und gleichmäßiger über den Tag verteilt werden. In weiterer Folge wird auch eine Entlastung des Verkehrsaufkommens entlang der Romstraße angestrebt.

Die Umsetzung gestaltet sich aufgrund unterschiedlicher Ticketkategorien als anspruchsvoll. Im Zuge der Neuregelung wurde zudem die Preisstruktur angepasst: Während Tagesgäste künftig höhere Tarife entrichten, profitieren Inhaber der Val Gardena Club Card von einem Preisnachlass von 60 Prozent, während SüdtirolPass-Nutzer eine Reduktion von 35 Prozent erhalten.

Ergänzend dazu wird in der Hochsaison das Angebot der internen Talbusse deutlich ausgebaut: Zwischen St. Ulrich und Wolkenstein verkehrt künftig im Acht-Minuten-Takt ein Linienbus. Dadurch sollen die talinternen Mobilitätsbewegungen über den öffentlichen Personennahverkehr noch stärker gefördert werden.

Den Verantwortlichen ist bewusst, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt. Insbesondere in der Anfangsphase sind laufende Anpassungen und Feinjustierungen auf Basis praktischer Erfahrungswerte erforderlich.

Parallel dazu werden weitere Maßnahmen geprüft. Dazu zählt insbesondere die Lösung der angespannten Parkplatzsituation in St. Ulrich, die sich insbesondere nach Corona duch die massive Zunahme der Tagestouristen, die meistens mit einem Pkw anreisen, zugespitzt hat. „Denkbar ist künftig auch eine kombinierte Buchung von Liftfahrten und Parkplatz. Zusätzlich soll durch eine gezielte Besucherführung an der Bergstation Seceda – unter anderem durch neu angelegte Rund- und Themenwege – das Betreten privater Wiesenflächen deutlich reduziert werden“, so die Arbeitsgruppe. Diese Wege sollen nicht nur lenkend wirken, sondern den Gästen auch ein informatives Naturerlebnis bieten.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe sind sich einig: Mit den nun eingeleiteten Maßnahmen sei ein wichtiger erster Schritt gesetzt worden. Ziel bleibe es, das Besucheraufkommen langfristig nachhaltig steuern und gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort sowie das Naturerlebnis für Gäste zu sichern.

Bezirk: Salten/Schlern

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