Abstimmung im Gemeinderat

Benito Mussolini bleibt Ehrenbürger von Trient

Mittwoch, 18. März 2026 | 09:05 Uhr

Von: luk

Trient – Benito Mussolini bleibt Ehrenbürger der Stadt Trient. Ein Antrag auf Aberkennung der Ehrenbürgerschaft hat im Gemeinderat nicht die erforderliche Mehrheit erreicht.

Der Ausgang war erwartet worden: Für den Beschluss wären nämlich 32 Ja-Stimmen notwendig gewesen, 28 Ratsmitglieder stimmten dafür. Zwei enthielten sich, zehn gaben keine Stimme ab. Die Abstimmung erfolgte geheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weshalb unklar bleibt, aus welchen politischen Reihen die fehlenden Stimmen kamen.

Die Antragsteller zeigten sich enttäuscht. In einer gemeinsamen Erklärung betonten mehrere Listen und Gruppen die symbolische Bedeutung solcher Entscheidungen für die Werte einer Gemeinschaft.

Der Antrag war von einem breiten Bündnis im Gemeinderat eingebracht worden.

„Dass Mussolini weiterhin Ehrenbürger in Trient bleibt, ist ein fatales Signal, das auch wir in Südtirol nicht ignorieren dürfen“, kommentiert der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll die Sachlage. „Gerade bei symbolischen Entscheidungen wie dieser braucht es eine klare Haltung!“ Knoll bezeichnet die Entscheidung der Stadt Trient als demokratiepolitische Bankrotterklärung: „Wer im Jahr 2026 nicht in der Lage ist, sich von Mussolini und den Verbrechen des Faschismus zu distanzieren, hat nichts aus der Geschichte gelernt. Diese Entscheidung zeigt, wie schlecht es in Italien um das Demokratiebewusstsein und um die Aufarbeitung der eigenen Geschichte bestellt ist.“

Auch Senatorin Julia Unterberger hat sich zu Wort gemeldet: „Was gestern in Trient geschehen ist, ist unbegreiflich. Der Gemeinderat war nicht in der Lage, die erforderliche qualifizierte Mehrheit zu erreichen, um Benito Mussolini die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Absolut lächerlich ist die Begründung von Fratelli d’Italia: man sei eine Partei, die sich um die Zukunft kümmere und nicht um die Vergangenheit. Und das ausgerechnet in der Heimat von Alcide De Gasperi, in einer Stadt, die mit der Goldmedaille für den Widerstand ausgezeichnet worden ist. Wer sich noch heute nicht klar vom Faschismus und von dem distanzieren will, was er für unsere Region bedeutet hat, wird niemals in der Lage sein, eine Zukunft aufzubauen, die diesen Namen verdient.“

Die jüngste Abstimmung im Trientner Gemeinderat über die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Benito Mussolinis ist auch für SVP-Obmann Dieter Steger ein alarmierendes Signal. Dass es nicht gelungen ist, sich in dieser Frage klar und unmissverständlich zu positionieren, bezeichnet Steger als „ein politisches Armutszeugnis in jeglicher Hinsicht“.

„Teile der italienischen Politik tun sich nach wie vor schwer damit, sich konsequent und glaubwürdig von ihrer faschistischen Vergangenheit zu lösen. Daran gibt es leider nichts zu beschönigen“, erklärt Steger. Angesichts der historischen Aufarbeitung der Verbrechen des Faschismus in Italien und weit darüber hinaus müsse eigentlich außer Frage stehen, wie eine solche Abstimmung auszugehen habe.

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