Von: ka
Anguillara Sabazia – Claudio Carlomagno, der seit Sonntagabend im Gefängnis von Civitavecchia sitzt, schweigt. Obwohl das gegen ihn gesammelte belastende Material laut dem Oberstaatsanwalt von Civitavecchia, Alberto Liguori, erdrückend ist, macht der 45-jährige Mann, der beschuldigt wird, seine Frau Federica Torzullo in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar in ihrem Haus ermordet zu haben, von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.
Wie Liguori betont, setzen die Ermittler ihre Untersuchungen fort und arbeiten weiter daran, die letzten Stunden im Leben von Federica Torzullo zu rekonstruieren. Sicher ist, dass sich aus den bisherigen Erkenntnissen das zusammenhängende Bild eines „besonders brutalen” Verbrechens ergibt. Liguori berichtet, dass die Leiche der 41-Jährigen „unkenntlich” war, als sie in der Nähe des Unternehmens Carlomagno aus den Erdboden geborgen wurde. Aus dem Haftbefehl gegen Carlomagno geht hervor, dass er versucht haben soll, die Leiche zu verbrennen. Aus diesem Grund haben die Staatsanwälte heute Morgen eine Autopsie und weitere Untersuchungen angeordnet. Bei der Tatwaffe soll es sich um ein Messer handeln, auch wenn dies noch nicht sicher ist.

Am Montag kamen weitere Details des Femizids ans Licht. Federicas Ehemann war offenbar bereit zur Flucht. Laut Anklage hatte der 45-Jährige nicht nur versucht, die Leiche seiner Frau zu beseitigen, indem er sie verbrannte und unkenntlich machte, sondern auch die Absicht, seinen Heimatort zu verlassen. Auch das Mordmotiv scheint festzustehen. Im Haftbefehl wird Claudio Carlomagno als unfähig beschrieben, das Ende der Beziehung zu seiner Frau zu akzeptieren. Diese hatte bereits seit einiger Zeit eine neue Beziehung begonnen und sich entschlossen, sich von ihm zu trennen.

Besonders schwer wiegt jedoch, dass Carlomagno alles tat, um die Spuren des Verbrechens zu verwischen. Dank der Auswertung der Aufnahmen von Überwachungskameras, der von seinem Smartphone „angedockten” Telefonsendemasten, mehrerer Zeugenaussagen und der gesicherten Blutspuren gelang es den Ermittlern, den Tathergang größtenteils zu rekonstruieren.
Tatsächlich ermöglichten die Ermittlungen der Carabinieri von Anguillara Sabazia und der Ermittlungsgruppe der Carabinieri von Ostia, unterstützt von der Spurensicherung des RIS in Rom, das Auffinden von „Blutspuren überall im Haus des Ehepaares, auf der Arbeitskleidung, in seinem Auto, in einem Steinbruch und auf dem vom Mann genutzten Fahrzeug des Familienunternehmens”.
„Die gegen ihn vorliegenden Beweise haben aufgrund ihrer Schwere, Genauigkeit und Übereinstimmung die Schwelle der Indizienbeweise überschritten”, sagte der Staatsanwalt und forderte Carlomagno zum Geständnis auf. Doch Claudio Carlomagno schwieg.

Die entscheidende Wende kam, als die Ermittler im Rahmen eines Treffens verschiedene Indizien neu bewerteten. Dies führte dazu, dass für den Sonntagmorgen neue Grabungen auf dem Gelände des Firmensitzes des Ehemanns anberaumt wurden. Schon bald nach Beginn der gezielten Grabungen wurde die Leiche unter zweieinhalb Metern Erde und Schutt entdeckt.
Laut ihrem Ehemann Claudio Carlomagno sollte dies ausreichen, um die Leiche von Federica Torzullo zu bedecken. Die Leiche der Postbeamtin aus Fiumicino wurde zwar noch nicht offiziell von ihren Angehörigen identifiziert, doch Stefania Torzullo bestätigte den Carabinieri von Bracciano, dass die Armbänder und die Halskette, die der Leiche abgenommen wurden, ihrer Schwester gehört hatten.
Laut der Tatrekonstruktion der Ermittler tötete der 45-Jährige seine Frau in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar in ihrem Haus, höchstwahrscheinlich im begehbaren Kleiderschrank des Schlafzimmers. Anschließend lud er die Leiche in den Kofferraum seines Autos. Am 9. Januar um 7.30 Uhr verließ er das Haus mit seinem Kia Sportage, fuhr zu seiner Firma, grub mit einem seiner Bagger ein tiefes Loch und warf die Leiche seiner Frau hinein. Anschließend kehrte er nach Hause zurück – angeblich, weil er seine Brieftasche vergessen hatte. Erst um 10.00 Uhr tauchte er wieder auf seinem Firmengelände auf, wo die Arbeiter bereits seit 45 Minuten auf ihn warteten.

Zu der für ihn ungewöhnlichen Verspätung kam es auch, weil er in dieser Zeit ziellos mit einem Lieferwagen durch die Umgebung von Anguillara fuhr – vielleicht, um die Ermittler in die Irre zu führen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Indizien, die ihm den schweren Vorwurf der Vorsätzlichkeit einbringen könnten. Unter anderem rief der 45-Jährige an diesem Tag die Hausangestellte an, um ihr mitzuteilen, dass sie an diesem Tag nicht kommen solle.
Zudem hat er bewusst falsche Angaben zum Zustand seiner Ehe gemacht. „Wir haben nicht zusammen geschlafen, weil ich schnarche und sie daran hindere, einen erholsamen Schlaf zu finden. Deshalb schlief sie im Zimmer unseres Sohnes“, sagte er den Carabinieri. In Wahrheit lebten sie jedoch bereits seit einem Jahr in sogenannter „Trennung zu Hause“.
„Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Ehepaar eine tiefe Krise durchlebte und in getrennten Betten schlief. Während Federica seit einiger Zeit eine neue Liebesbeziehung pflegte, war Carlomagno Agostino Claudio nicht in der Lage, das Ende der Ehe zu akzeptieren“, so die Ermittler.
„Ich weiß nicht, wie sie gekleidet war, aber sie hat das Auto nicht genommen. Sie muss zu Fuß gegangen sein“, lautet eine weitere wenig glaubwürdige Aussage des Mannes. Eine Freundin und Kollegin von Federica sagt jedoch: „Ich kenne sie seit meiner Kindheit und schließe aus, dass sie freiwillig weggegangen sein könnte.“ Der Teamleiter der Post in Fiumicino hatte die Frau gegen 15.00 Uhr angerufen und mitgeteilt, dass Federica nicht zur Arbeit erschienen sei und keine Begründung angegeben habe.

Den entscheidenden Hinweis zum Auffinden der Leiche lieferten jedoch die GPS-Daten. Sie hatten alle Bewegungen zwischen der Firma, der ländlichen Umgebung von Anguillara Sabazia und dem Haus von Carlomagno aufgezeichnet. Im Haus und auf dem Lkw selbst wurden „reichlich” Blutspuren gefunden. Zudem berichtete ein Zeuge, er habe gesehen, wie der 45-Jährige am Nachmittag des 9. Januars den Laderaum des Fahrzeugs mit einem Hochdruckreiniger säuberte.
Claudio Carlomagno, der die erste Nacht nach seiner Festnahme am Sonntag im Gefängnis verbrachte, muss sich wegen vorsätzlichen Mordes – erschwert durch die emotionale Beziehung, die zwischen ihm und dem Opfer bestand – und wegen Verbergens einer Leiche verantworten.

Im beschaulichen Touristenort Anguillara Sabazia am malerischen Bracciano-See herrscht tiefe Trauer. In der kleinen Gemeinde, in der jeder jeden kennt, hätte niemand geahnt, dass der als ruhig und besonnen geltende Kleinunternehmer Claudio Carlomagno zu einer solchen Tat fähig wäre. In ihrer Villa, die weniger als zwei Kilometer vom Fundort der Leiche der 41-Jährigen entfernt liegt, sind Federicas Angehörige in Trauer versunken. In dem Haus befindet sich auch ihr zehnjähriger Sohn. Auch für die Eltern des 45-Jährigen bricht eine Welt zusammen.






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