Eheliche Untreue im Ansteigen – freizügiges Chatten kann teuer zu stehen kommen

Eherechtler warnt: “Achtung bei zu vielen Herzchen im Chat”

Mittwoch, 27. Februar 2019 | 08:13 Uhr

Rom – Um die eheliche Treue der Italiener ist es immer schlechter bestellt. Allerdings nimmt der Ehebruch im Gegensatz zu früher meist nicht am Arbeitsplatz seinen Anfang. „Dank“ der sozialen Netzwerke und einschlägiger Kontaktseiten im Internet ist es für Ehebrüchige seit einigen Jahren viel leichter, ein „Auswärtsspiel“ anzubahnen. Der Präsident der italienischen Eherechtler, Gian Ettore Gassani, warnt aber vor leichtsinnigen Abenteuern im Internet: Bereits mit vielen Herzchen garnierte Chats mit eindeutigen Fotos, Botschaften und Angeboten können im Falle einer gerichtlichen Scheidung genügen, um sich eine gesalzene Rechnung einzuhandeln.

Aufgrund der täglichen Arbeit in seiner Rechtskanzlei hegt Gian Ettore Gassani, Präsident der Ami(Associazione avvocati matrimonialisti italiani, Vereinigung der italienischen Eherechtler, Anmerkung der Redaktion) keine Zweifel. „Die Hälfte der Seitensprünge werden im Netz begangen“, so Gian Ettore Gassani.

Twitter/infedeltà

In den Trennungs- und Scheidungsverfahren nimmt die Hälfte der außerehelichen Verhältnisse ihren Ausgang im Internet. Aufgrund der sozialen Netzwerke sowie der einschlägigen Kontaktbörsen sind die Fälle „virtueller Untreue“ sehr stark im Anstieg begriffen. „Dank“ der neuen digitalen Möglichkeiten ist es für Ehebrüchige seit einigen Jahren viel leichter, ein „Auswärtsspiel“ anzubahnen. Die sogenannte „technologisch unterstützte Untreue“ kann zwar am Anfang rein „virtuell“ sein, später aber sehr reale und physische Formen annehmen. Wie eine Untersuchung der Trennungs- und Scheidungsverfahren zeigt, haben die „technologisch unterstützten Seitensprünge“ längst die Techtelmechtel in den Büros oder sonst an den Arbeitsplätzen abgelöst.

„In den letzten Jahren verzeichnen wir einen beachtlichen Anstieg der Verfahren wegen ‚virtueller ehelicher Untreue‘. Bei diesen Verfahren, die heute rund 30 Prozent der Trennungs- und Scheidungsprozesse ausmachen, werden von den Rechtsanwälten Auszüge aus Chatverläufen, die Liebesbotschaften, Nacktfotos oder eine Fülle verschiedener Herzchen beinhalten, vorgelegt. Man muss dabei aufpassen, den Computer oder das Smartphone unbeaufsichtigt zu lassen oder Chatverläufe auszudrucken. Mithilfe eines vom eigenen Anwalt eingereichten Rekurses könnte der Ehepartner die Chatverläufe dem Gericht vorlegen, was für den untreuen Partner großes Ungemach bedeutet“, so der Präsident der italienischen Eherechtler.

Twitter/infedeltà

Mittlerweile betrügen Männer und Frauen mit großer Leichtigkeit, wobei immer dieselben digitalen Techniken benutzt werden. Allerdings kann bereits ein virtueller Flirt oder ein in einem Chat stattfindendes Liebeswerben – auch wenn es nicht zum physischen Sex kommt – sowohl im Falle einer Schuldzuweisung bei einer Trennung als auch im Falle einer Schadenersatzklage wegen ehelicher Untreue teuer zu stehen kommen.

„Die Richter sind in jedem Einzelfall dazu aufgefordert, den Inhalt der Nachrichten im Chat zu überprüfen, um genau bewerten zu können, wo die Liebeswürdigkeit endet und das Liebeswerben im eigentlichen Sinne beginnt. Aus diesem Grund ist bei anstößigen Komplimenten, die der virtuellen Liebhaberin oder dem virtuellen Liebhaber gemacht werden, sehr aufzupassen. Aufzupassen ist auch beim beständigen Posten von Herzchen, die den Richter von der Existenz einer außerehelichen Beziehung überzeugen könnten“, warnt Gian Ettore Gassani.

Twitter/infedeltà

Gian Ettore Gassani zeichnet ein buntes Bild der „technologisch unterstützten Untreue“ im Stiefelstaat und weist als sachkundiger Präsident der italienischen Eherechtler auf das Minenfeld, in das sich die „digitalen Ehebrecher“ begeben, hin. Entgegen der landläufigen Meinung muss es also nicht einmal zum klassischen Seitensprung im fremden Bett kommen, um im schlimmsten Fall zu Schadenersatzforderungen oder gar zum Auszug aus der ehelichen Wohnung verurteilt zu werden.

 

Von: ka

Kommentare

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10 Kommentare auf "Eherechtler warnt: “Achtung bei zu vielen Herzchen im Chat”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Clemmy
Clemmy
Grünschnabel
26 Tage 22 h

Ich glaube es würde zu viel weniger Scheidungen kommen, wenn die Menschen mehr über ihre Bedürfnisse sprechen. Jeder Mensch hat individuelle Grenzen, die müssen aber nicht immer bei Chats des Partners anfangen. Es gibt heutzutage so viele verschiedene Beziehungsformen, nur wird ständig alles schlecht geredet, was nicht in die strikte Mentalität der Südtiroler passt und wer sich für offenere Modelle ausspricht wird sofort abgestempelt.

Paula
Paula
Grünschnabel
26 Tage 21 h

Da stimme ich Clemmy zu. Und da nun mal die Möglichkeit besteht, wird diese eben auch genutzt.

nuisnix
nuisnix
Tratscher
26 Tage 20 h

❤❤❤❤❤
😍😍😍😍😍
😘😘😘😘😘
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🙈🙈🙈🙈🙈

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
26 Tage 14 h

… das wird teuer

Franz Josef
Franz Josef
Neuling
26 Tage 17 h
Ja, zuerst sind es ja nur Herzchen :-),dann Sprüchen,und so Bildchen hin und her,diese Herren und Frauen haben zu viel Freizeit,und oder die leibe Hausarbeit bleibt dem anderen zugeschoben, weil wenn man so beobachtet ,wird für solche Sachen viel Zeit vergeudet. die lieben Frauen fühlen sich nebenbei geschmeichelt, wenn die Herzchen eintrudeln,und vieles wird dann offener und der liebe Mann probiert dann so lange ,bis sich die Gelegenheit ergibt, weil die meisten Frauen erwidern ja mit Herzchen und öffnen sich ,weil Sie denken ,hier siehts ja keiner, aber es ist allen nicht bewusst daß alles mindestens 5 Jahre gespeichert wird.… Weiterlesen »
Aurelius
Aurelius
Superredner
26 Tage 10 h

Franz Josef
dann bist du auch süchtig laut deinem langen Text

Evi
Evi
Superredner
26 Tage 22 h

Endlich!

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
26 Tage 15 h

Viele geben sich viel zu schnell auf bzw. bleiben an Kleinigkeiten hängen . . und glauben mit chatten wird´s besser, wo dir dann eine dir nicht bekannte Person Herzchen schickt 🙂 . .nun, wem´s gefällt, warum nicht. Ist aber total nicht meins

Tabernakel
26 Tage 9 h

Das Problem liegt ganz woanders.

Lorin
Lorin
Tratscher
25 Tage 22 h

😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂
Oh Tabi, was bist du doch für ein Unikum!

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