Frieden und Republik im Zentrum der Neujahrsansprache des Staatspräsidenten

„Frieden innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen”

Mittwoch, 31. Dezember 2025 | 23:10 Uhr

Von: ka

Rom – „Ein nicht einfaches Jahr geht zu Ende.“ Mit diesen Worten eröffnete Sergio Mattarella seine Neujahrsansprache. Es folgt eine lange und inhaltsreiche Rede, die sich mit der Gegenwart, aber vor allem mit der Geschichte der Republik befasst – im Hinblick auf das 80-jährige Bestehen des republikanischen Staates im Jahr 2026. Es ist eine Botschaft, die Erinnerung, Verfassungswerte und Zukunft miteinander verbindet, mit einem klaren Leitgedanken: Frieden innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen.

Paolo Giandotti/Ufficio per la Stampa e la Comunicazione della Presidenza della Repubblica

„Unsere Erwartung gilt vor allem dem Frieden“, sagte das Staatsoberhaupt und erinnerte an die Bilder der laufenden Kriege: „Angesichts der durch Bombenangriffe zerstörten Häuser und Wohnungen in den ukrainischen Städten, angesichts der Zerstörung von Kraftwerken, wodurch Kinder, ältere Menschen, Frauen und Männer der Kälte des eisigen Winters in diesen Gebieten ausgesetzt sind, angesichts der Verwüstung in Gaza, wo Säuglinge in der Kälte erfrieren, wird der Wunsch nach Frieden immer größer.“ Und er fügte hinzu: „Die Ablehnung derer, die ihn verweigern, weil sie sich stärker fühlen, wird immer unverständlicher und abstoßender.“

Paolo Giandotti/Ufficio per la Stampa e la Comunicazione della Presidenza della Repubblica

Für den Staatspräsidenten ist Frieden nicht nur eine diplomatische, sondern auch eine kulturelle Frage: „Frieden ist in Wirklichkeit eine Denkweise: das Zusammenleben mit anderen, das Respektieren anderer, ohne ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen.“ Eine Mentalität, die das tägliche Leben, die sozialen Beziehungen sowie die Innen- und Außenpolitik betrifft. Sie beginnt mit Worten: In Anlehnung an den Appell von Leo XIV. ruft der Präsident dazu auf, „Hass, Gewalt und Gegensätze abzulehnen“ und „Worte zu entwaffnen“, denn „wenn jeder Umstand zum Vorwand für gewalttätige verbale Auseinandersetzungen wird, kommt eine Mentalität des Friedens nicht zum Ausdruck“.

In seiner Rede geht Mattarella auf die Verantwortung der Bürger ein. „Angesichts der Frage ‚Was kann ich tun?‘ müssen wir das fatalistische Gefühl der Ohnmacht beseitigen“, sagt er und erinnert daran, dass „die Bekräftigung der Freiheit und die Schaffung des Friedens im Gründungsakt der Italienischen Republik verankert sind“.

Er betont, dass die Republik einen „Wendepunkt in unserer Geschichte“ darstelle: „Kein Staat, der über den Bürgern steht, sondern ein Staat, der die unverletzlichen Rechte und die Freiheit der Menschen anerkennt.“ Von dort aus gingen der Wiederaufbau, das Europa der Römischen Verträge, die Arbeit als „grundlegender Hebel der Entwicklung“, das Arbeitnehmerstatut und das nationale Gesundheitswesen hervor, welches eine „universelle und kostenlose Gesundheitsversorgung“ garantiert.

Paolo Giandotti/Ufficio per la Stampa e la Comunicazione della Presidenza della Repubblica

Auch die dunkelsten Seiten werden nicht vergessen: „Die Massaker und der Terrorismus. Wir erinnern uns an die Gesichter und Namen der Opfer. Richter, Journalisten, Männer der Institutionen, Vertreter der Ordnungskräfte. Und dann so viele, zu viele junge Menschen, die durch Ideologien, deren einziges Mittel die Gewalt ist, ums Leben kamen. Es wird als die ‚Nacht der Republik‘ bezeichnet werden.“ Doch auch hier ist die Botschaft klar: „Italien siegt. Die Institutionen erweisen sich als stärker als der Terror.“ Ebenso zentral bleiben die Figuren Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die als „Symbole der Legalität und des langen Kampfes gegen die Mafia“ gelten.

Der Staatspräsident verschweigt jedoch nicht die Risse der Gegenwart: „Alte und neue Armut, Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten sowie dem Gemeinwohl schadende Verhaltensweisen wie Korruption, Steuerhinterziehung und Umweltverbrechen sind Realität. Das sind Risse, die den sozialen Zusammenhalt gefährden, den wir als kostbares Gut betrachten.“ Ein Gut, das „niemals endgültig erworben ist“ und für das „wir uns alle entsprechend unserer Verantwortung einsetzen müssen“. Denn, so betont er, „wir sind die Republik. Jeder einzelne von uns.“

Paolo Giandotti/Ufficio per la Stampa e la Comunicazione della Presidenza della Repubblica

Den jungen Menschen widmet er den letzten Teil seiner Rede: „Manche beschreiben euch als misstrauisch, distanziert, wütend. Gebt euch nicht damit zufrieden“, sagt der Präsident. „Seid anspruchsvoll, seid mutig. Wählt eure Zukunft. Fühlt euch verantwortlich wie die Generation, die vor achtzig Jahren das moderne Italien aufgebaut hat.“

Die Rede endet mit einem einfachen, aber feierlichen Wunsch: „Ein gutes Jahr 2026!“ Es ist eine Einladung, mit Erinnerung, Verantwortung, Vertrauen in die Demokratie und dem Wunsch nach Frieden ins neue Jahr zu gehen.

 

 

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