Säuberungsaktion bei Sirmione

Gardasee: Früher Spaß – heute Belastung

Montag, 16. März 2026 | 08:21 Uhr

Von: luk

Sirmione – Im Gardasee sollen in den kommenden Tagen hunderte Wurfscheiben vom Seegrund geborgen werden. Wie der WWF Bergamo-Brescia mitteilt, beginnt am Sonntag, 22. März, vor Sirmione eine groß angelegte Reinigungsaktion. „Eine Seite der unter Wasser liegenden Geschichte wird bald umgeblättert“, heißt es vonseiten der Umweltorganisation.

Die Scheiben waren erst im vergangenen Herbst entdeckt worden. Ein Unterwasserroboter namens Zeno, entwickelt von der Universität Padua in Zusammenarbeit mit dem WWF, stieß bei einer Mission zur Kartierung von Unterwasserabfällen auf die Scheiben. Später bestätigte ein Taucher der Umweltorganisation durch eine Probenentnahme, dass es sich um klassische Wurfscheiben des Typs „Jet Two“ handelt, die von der Firma Benzoni aus Bergamo hergestellt wurden.

WWF Bergamo

Der Ursprung der Scheiben reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Zwischen Mitte der 1960er- und Ende der 1970er-Jahre befand sich in Sirmione eine Tontauben-Schießanlage direkt am Strand. Die Wurfscheiben wurden über den See geschleudert: Getroffene zerbrachen in der Luft, verfehlte landeten im Wasser und blieben über Jahrzehnte am Grund liegen – zwischen Algen und Sand, nur wenige Meter vom Ufer entfernt.

Zwar bestehen die Scheiben aus gebranntem Ton und Harz und gelten daher nicht als besonders umweltschädlich. Dennoch handelt es sich laut WWF um Abfall. „Der eigentliche Schadstoff war das bei jedem Schuss freigesetzte Blei“, erklärt die Organisation. “Ein See darf kein Ablagerungsort der Vergangenheit sein.“

Die Bergung erfolgt im Rahmen des Projekts „Adopt Rivers and Lakes“. Professionelle Taucher werden die Scheiben vom Seegrund einsammeln, anschließend sollen sie fachgerecht entsorgt werden.

Auch Freiwillige können sich beteiligen. Wer nicht taucht, kann die Aktion an Land logistisch unterstützen. Treffpunkt ist am Sonntag um 8.00 Uhr beim Parkplatz Monte Baldo in Sirmione. Die Gemeinde begrüßt die Initiative: Der Einsatz sei Teil eines umfassenderen Engagements zum Schutz des Gardasees, der eine „wertvolle Ressource für die gesamte Gemeinschaft“ darstelle.

Für den WWF ist die Aktion auch ein symbolisches Signal: „Aufräumen ist nicht nur ein ökologischer Akt – es erinnert uns auch daran, dass das, was wir heute zurücklassen, morgen jemand anderes beseitigen muss.“

WWF

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