Heimtagessätze steigen weit über Inflation – Kritik von Robin

Tarife für Seniorenheim als Kostenfalle?

Mittwoch, 25. März 2026 | 10:44 Uhr

Von: mk

Margreid – Die stark steigenden Tagessätze in Südtirols Seniorenwohnheimen sorgen für wachsende Kritik. Der Verbraucherschutzverein Robin warnt vor einer Entwicklung, die Pflege zunehmend zur finanziellen Belastung für Bewohner und deren Familien macht – und sieht dabei die öffentliche Hand selbst in einer zentralen Rolle als Preistreiber.

Deutliche Preissteigerungen am Beispiel Brixen

Besonders deutlich wird diese Entwicklung laut Robin am Beispiel des Bürgerheims „ÖBPB zum Hl. Geist“ in Brixen. Dort sei der Tagessatz für ein Einzelzimmer innerhalb kurzer Zeit erheblich gestiegen: von 62,73 Euro im Jahr 2024 auf 77,90 Euro im Jahr 2026. Das entspricht einer Steigerung von rund 24,18 Prozent Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Die Mehrausgaben für die Heimbewohner oder der erweiterten Familiengemeinschaft belaufen sich für 2025 und 2026 auf beträchtliche 9.577,60 Euro.

„Allein die Gehaltsanpassungen für die Jahre 2025 und 2026 machen laut Heimleitung sieben Euro pro Tag und Platz aus. Für die Bewohner bedeutet dies Mehrkosten von rund 4.015 Euro in diesen beiden Jahre für die Inflationsanpassung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – eine erhebliche Zusatzbelastung, die nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Familien trifft“, so Robin.

Tarife steigen weit stärker als die Inflation

Auffällig sei dabei, dass diese Tarifsteigerungen deutlich über der allgemeinen Preisentwicklung liegen würden. Während die Inflation in Südtirol zwischen Jänner 2024 und Februar 2026 glatte vier Prozent betrug (national 2,7 Prozent), seien die Heimtarife im selben Zeitraum um ein Vielfaches gestiegen. Für den Verbraucherschutzverein Robin ist klar: Preissteigerungen in dieser Größenordnung sind „Gift für die wirtschaftliche Entwicklung“ und setzen insbesondere private Haushalte massiv unter Druck.

Der Geschäftsführer des Vereins, Walther Andreaus, sieht darin ein strukturelles Problem: „Die Heimtagessätze sind in kurzer Zeit massiv gestiegen. Die öffentliche Hand wirkt dabei selbst als Preistreiber, während die Verantwortung für die Preissteigerungen auf die Lohnerhöhungen der Beschäftigten abgeschoben wird. Tatsächlich werden die Kosten auf die Heimbewohner und deren Familien abgewälzt – der Heimaufenthalt wird so zur Kostenfalle.“

Kritik an politischer Argumentation

Kritisch bewertet Robin auch die politische Argumentation rund um die Finanzierung der Pflege. Landeshauptmann Arno Kompatscher hatte im Zusammenhang mit der Debatte darauf hingewiesen, dass höhere öffentliche Beiträge auch Personen zugutekommen würden, „die einen Ferrari in der Garage stehen haben“.
Für den Verbraucherschutzverein geht diese Argumentation an der Realität vorbei. Die große Mehrheit der Heimbewohner verfüge über keine großen Vermögenswerte. Sollte es vereinzelt wohlhabendere Personen geben, sei es Aufgabe der Politik, gezielt sozial gerechte Lösungen zu schaffen. Pauschale Tarifsteigerungen hingegen träfen alle gleichermaßen und belasteten insbesondere jene Familien, die ohnehin bereits an ihre finanziellen Grenzen stoßen würden. Auch der Verweis, man könne um Tarifreduzierungen ansuchen, geht aus Sicht des Vereins an der Lebensrealität vieler Betroffener vorbei.

“Pflegepersonal und Bewohner werden gegeneinander ausgespielt”

Gleichzeitig weist Robin darauf hin, dass die derzeitige Entwicklung eine gefährliche gesellschaftliche Dynamik in Gang setzt. Die Finanzierung der Lohnerhöhungen im Pflegebereich erfolgt teilweise über die Tagessätze, wodurch Pflegepersonal und Bewohner indirekt gegeneinander ausgespielt werden. Dabei seien faire Löhne im Pflegebereich angesichts des hohen Preisniveaus in Südtirol nicht nur gerechtfertigt, sondern dringend notwendig.

„Es ist nicht akzeptabel, dass notwendige Lohnerhöhungen als Begründung für steigende Tarife herangezogen werden“, so Andreaus. „Wenn Lohnsteigerungen direkt auf die Bewohner überwälzt werden, entsteht ein Konflikt zwischen zwei Gruppen, die beide Unterstützung verdienen. Das ist einer solidarischen Gesellschaft nicht würdig.“

Fehlende Transparenz bei der Kostenstruktur

Besonders problematisch erscheint aus Sicht des Verbraucherschutzvereins auch die mangelnde Transparenz bei der Zusammensetzung der Tarife. Im Fall Brixen sei trotz mehrmaliger Nachfrage nicht klar dargelegt worden, in welchem Umfang auch infrastrukturelle Maßnahmen oder Sanierungskosten in die Tagessätze einfließen. Gerade solche Kosten würden üblicherweise über öffentliche Investitionen oder Trägermittel finanziert und nicht direkt über die Bewohner.

Forderung nach fairem und transparentem System

Für Robin steht fest: „Die aktuelle Entwicklung ist nicht nur eine soziale Frage, sondern auch eine wirtschaftspolitische. Wenn grundlegende Dienstleistungen wie Betreuung der Senioren deutlich stärker steigen als die allgemeine Inflation, gerät das Gleichgewicht zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten zunehmend aus den Fugen.“

Der Verein fordert daher mehr Transparenz, eine klare Trennung zwischen Betriebs- und Investitionskosten sowie eine Finanzierung der Heimkosten, die nicht zunehmend einseitig zulasten der Bewohner und ihrer Familien geht. „Während Renten und Löhne der Betroffenen hinter der Inflation zurückbleiben, greifen Land und System bei Tarifen und Preisen umso kräftiger zu – am Ende zahlen jene die Zeche, die sich am wenigsten wehren können“, so Robin.

Bezirk: Bozen

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