Genua: Nicht alle freuen sich auf Alpini-Adunata, Bürgermeisterin warnt vor „Grabenkrieg” – VIDEO

Unfreundlicher Empfang: „Achtung, belästigende Alpini in der Stadt!“

Freitag, 08. Mai 2026 | 08:06 Uhr

Von: ka

Genua – Eigentlich hätte die Adunata Nazionale der Alpini für die gesamte Hafenstadt Genua ein Wochenende der Freude und des Dankes werden sollen. Die Alpini waren eingeladen worden, da sie zu den ersten Rettungskräften gehörten, die den Verunglückten nach dem Zusammenbruch der Morandi-Brücke zu Hilfe geeilt waren.

APA/APA (AFP)/FILIPPO MONTEFORTE

Doch seit Feministinnen und Linksradikale vor sexuellen Belästigungen durch die italienischen Gebirgsjäger warnen und sie als „erzkonservative bis rechte Militaristen” abstempeln, liefern sich Gegner und Befürworter einen heftigen Schlagabtausch. Bürgermeisterin Silvia Salis, der Ambitionen nachgesagt werden, die Führung der Mitte-Links-Koalition zu übernehmen, bittet die Genueser, die Alpini freundlich aufzunehmen. „Verwandelt es nicht in einen Grabenkampf”, so Salis, „denn die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt, aber die Fehler einzelner Personen dürfen nicht dazu führen, dass eine ganze Gemeinschaft in Verruf gebracht wird.”

In der Stadt, in der mit fast 400.000 Besuchern gerechnet wird, brodelt es jedoch. Schmäh-Graffitis, ein von Feministinnen veröffentlichtes Vademecum gegen „belästigende Alpini” und ein gewaltsamer Angriff auf ehemalige Gebirgsjäger im historischen Zentrum schüren die Stimmung weiter an. Beobachter fürchten ein „heißes“ Wochenende.

Facebook/NON UNA DI MENO – Genova

Da sie zu den Ersten gehörten, die die Genueser nach dem Einsturz der Morandi-Brücke bei den Rettungsarbeiten unterstützten, lud die Stadt Genua die Alpini zur 97. Adunata Nazionale in die Hafenstadt ein. Zu dem dreitägigen Treffen der „Penne Nere“ (Schwarze Federn), das vom 8. bis 10. Mai stattfinden wird, werden bis zu 400.000 Menschen in der Hafenstadt erwartet. Doch nicht alle wollen sie willkommen heißen, geschweige denn mit ihnen anstoßen.

Facebook/Aut Aut 357

Daher gehen in der Stadt mit etwas mehr als einer halben Million Einwohner bereits im Vorfeld die Wogen hoch. In den letzten Tagen sind in der Altstadt Graffitis aufgetaucht, in denen die Alpini als „Belästiger” bezeichnet werden. Dies hat unvermeidlich zu einer politischen Kontroverse geführt. An der Spitze des Ausschusses für die „Nicht-Aufnahme der Alpini” stehen die Aktivistinnen von „Non una di meno”, einer internationalen feministischen und transfeministischen Bewegung, die sich seit jeher gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzt.

Facebook/NON UNA DI MENO – Genova

„Non una di meno“ gab anlässlich des 97. Nationalen Treffens der Alpini ein in den sozialen Medien verbreiteten Leitfaden mit drei Tipps heraus, um „Frauen und LGBTQIA+-Personen Werkzeuge an die Hand zu geben, um mit Tagen möglicher Unannehmlichkeiten, Belästigungen und Catcalling umzugehen“.

„Bewaffnen Sie sich mit einer Pfeife“, dann denken Sie daran, „die App des Zentrums zur Bekämpfung von Gewalt herunterzuladen“ und füllen Sie schließlich das entsprechende Formular aus, „um eventuelle Belästigungen oder erlittene Gewalttaten zu melden“.

Facebook/Antonio Lorenzo Ligato

Die kämpferischen Aktivistinnen erklären, dass die Adunata „nicht neutral“ sei, da die Stadt von einem Verein ehemaliger Militärs besetzt werde. Dies geschehe in einem zunehmend militarisierten Italien, in dem die Armee in die Schulen eindringe und sich die Kriegssprache ausbreite.

„Wir leben in einem Klima des permanenten Krieges, in dem die Militärausgaben auf Kosten von Sozial- und Dienstleistungen steigen. Hinter der ‚sympathischen‘ Erzählung von Männern, die in Notfällen helfen, und von Studentenverbindungen verbirgt sich eine Kultur, die wir ändern wollen: Der Militarismus, der auf Stärke, Hierarchie und Machismo basiert.“ Der Reiz der Uniform verdecke ihren Zweck, den Kampf für das Vaterland und die nationalen Interessen. „Auch das ist Patriarchat“, betont „Non una di meno“ von Genua.

Facebook/Anna Palmieri

Die Tatsache, dass die Alpini nicht überall auf Gegenliebe stoßen, hindert sie nicht daran, seit Tagen in die Stadt zu strömen und hier und dort ihre Zelte aufzubauen. Einige Gebirgsjäger, die in einem Park ihr Lager aufschlugen, wurden aus dem öffentlichen Grün vertrieben, was sogleich für heftige Polemiken sorgte.

Facebook/Andrea Barreca

In der Nacht auf Donnerstag ereignete sich ein äußerst bedenklicher Vorfall, als eine Gruppe von Alpini angeblich mit Glasflaschen beworfen wurde. Den letzten Informationen zufolge wurden die Gegenstände aus einem Fenster mit Blick auf die Straße geworfen, während die Alpini an den Tischen eines Lokals saßen. Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Die Polizei ermittelt derzeit in dem Fall, um die Verantwortlichen zu finden.

Facebook/Comitato Diritto & Legalitá

In der Nacht tauchten in der Altstadt außerdem weitere Graffitis gegen die Alpini auf. Nach den Aufschriften, die in den letzten Tagen in verschiedenen Stadtteilen zu finden waren, wurden zwischen dem späten Abend und der Nacht neue Botschaften und Slogans an den Wänden angebracht, diesmal auch im Stadtzentrum. „Nieder mit der Kirche, nieder mit dem Staat, Tod den Alpini“ lautet eine dieser Botschaften, die vermutlich von Anarchisten stammt.

Angesichts des immer hitziger werdenden Schlagabtauschs zwischen den Befürwortern der Adunata, die von „Undankbarkeit” und einer „Hexenjagd” sprechen, und dem Ausschuss für die „Nicht-Aufnahme der Alpini” versucht Bürgermeisterin Silvia Salis verzweifelt, die Wogen zu glätten.

Facebook/Silvia Salis Sindaca

Silvia Salis bittet die Genueser, die Alpini freundlich aufzunehmen. „Verwandelt es nicht in einen Grabenkampf”, so Salis, „denn die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt, aber die Fehler einzelner Personen dürfen nicht dazu führen, dass eine ganze Gemeinschaft in Verruf gebracht wird.” Zugleich entschuldigte sie sich bei den Einwohnerinnen und Einwohnern der Hafenstadt für die „unvermeidlichen Unannehmlichkeiten, die diese drei Tage für Genua mit sich bringen werden”.

Facebook/Adunata Nazionale Alpini

Für die Bürgermeisterin, der Ambitionen nachgesagt werden, die Führung der Mitte-Links-Koalition zu übernehmen, ist die Adunata eine gefährliche Gratwanderung. In ihrer Koalition ist die Ablehnung groß. Wer sich jedoch Chancen ausrechnet, Mitte-Links zum Wahlsieg zu führen, sollte es sich mit dem starken Veteranenverband und seinen 320.000 Mitgliedern besser nicht verscherzen. Gerade weil die Alpini bei Katastrophen sofort zur Stelle sind, genießen sie italienweit ein hohes Ansehen.

Da es am Rande und während der Adunata zu Protestaktionen oder anderen Vorfällen kommen könnte, befürchten Beobachter ein „heißes“ Wochenende – die Sicherheitskräfte sind alarmiert.

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